SWR3 Gesundheitstipps Erkältungsfrei durch den Winter

Es ist die Jahreszeit der Viren - Winter. Wer die kalten Monate ohne Erkältung übersteht, hat Glück. Denn: Einmal Niesen reicht, um eine Erkältungswelle auszulösen. Was ihr dagegen tun könnt, erklärt Dr. Lothar Zimmermann.

Schnupfen (Quelle: dpa/picture-alliance)

Häufiger Anblick in diesen Tagen: Es ist wieder Erkältungszeit.

Foto: dpa/picture-alliance

Viren fliegen mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde durch die Luft, landen bei einem anderen Menschen und befallen dessen Zellen der Schleimhäute. Das Virus zerstört die Zellen, sie sterben ab. Bei ihrem Zerfall werden sehr viele Viren, die sich in der Zelle vermehrt haben, freigesetzt. Sofort greifen diese weitere Zellen an. Jetzt werden wir krank. Die Nase läuft, die Schleimhäute schwellen an.

Jede Erkältung ist anders

Weil es bis zu 200 verschiedene Viren gibt, die eine Erkältung auslösen, können wir in einer Saison mehrmals erkranken. Denn nach einer überstandenen Erkrankung ist jeder nur gegen das eine Virus immun. Gegen Erkältung gibt es eben kein Mittel, das die Krankheit entscheidend verkürzt. Aber immerhin viele Mittel, die das Wohlbefinden entscheidend verbessern.

Kriegsgebiet Büro

Am besten verhindern wir es uns anzustecken, wenn wir engen Kontakt mit schniefenden und niesenden Menschen meiden. Denn diese übertragen ihre Viren erfolgreich beim Händeschütteln. Bei Niesenden, ist sogar ein Fünf-Meter-Abstand angeraten. Denn so weit werden die kleinen virengefüllten Tröpfchen aus der Nase geschleudert. Damit ist auch der Schreibtisch erkälteter Kollegen Kriegsgebiet. Auf Flächen können Erkältungsviren rund zwei Stunden überleben, sogar im Luftraum bleiben sie einige Zeit munter. Ein Tipp: Regelmäßig lüften und Hände waschen.
Anfassen verboten – Küssen erlaubt. Denn Untersuchungen belegen ganz klar, dass die Erkältungsviren in den Nasenschleimhäuten stecken, nicht im Speichel.

Was tun bei Erkrankung?

Sehr sinnvoll sind Nasenspülungen mit lauwarmem Salzwasser. Die machen nicht nur die Nase wieder frei, sondern spült auch Viren weg, die sich in der Nasenschleimhaut verstecken. Beliebt sind auch Nasensprays. Die wirken kurzfristig gut, denn sie schwellen die Schleimhäute ab. Aber Vorsicht: Nasensprays nicht dauerhaft anwenden, denn sie machen süchtig. Außerdem ist der Dauergebrauch wiederum schlecht für die Schleimhäute. Daraus kann dann ein sogenannter chronischer Schnupfen entstehen. Abschwellende Sprays verengen zudem die Gefäße und können so Herz und Kreislauf belasten.

Bonbons und Tabletten helfen

Gegen Halsschmerzen hilft es, Bonbons zu lutschen – zum Beispiel mit Pfefferminz- oder Salbeigeschmack. Denn sie hindern die Viren daran, weiter Zellen zu befallen, indem diese einfach in den Magen gespült werden. Denselben Effekt nutzen Halstabletten aus der Apotheke. Manche enthalten zusätzlich ein Antiseptikum, das die Viren abtötet. Es ist aber umstritten, ob sie angewendet werden sollen. Denn mit den Viren töten sie auch Bakterien ab, die im gesunden Mund- und Rachen vorhanden sind. Unbedingt vermeiden: Halstabletten mit Antibiotika. Sie machen keinen Sinn. Denn Antibiotika wirken nicht gegen Viren, nur gegen Bakterien. Ein Tipp bei Halsschmerzen: Mit Salzwasser oder beispielsweise Salbeitee gurgeln.

Abwarten und Tee trinken

Generell gilt: Viel trinken! Dabei eignen sich besonders Tees, wie Linden-, Holunderblüten- oder Salbeitees. Hausgemachte Hühnersuppe hilft auch, denn sie enthält das Eiweiß Cystein. Das verhindert Entzündungen und lässt die Schleimhäute abschwellen. Und dazu noch ein bisschen Knoblauch, denn der tötet Krankheitserreger ab. Wer sein Immunsystem stärken will, muss fit sein und seinen Kreislauf trainieren. Regelmäßig Sport oder Sauna helfen da und auch eine vernünftige Ernährung. Man sollte sein Geld nicht für Vitaminpillen ausgeben, sondern lieber für leckeres Obst und Gemüse. Die haben nämlich neben Vitaminen noch viele andere kleine Helferlein, die einen gesund halten können.

Grippe ist anders

Eine Erkältung heißt übrigens auch „grippaler Infekt“. Das klingt verwirrend, denn eine Grippe ist etwas ganz anderes. Eine Grippe macht schwer krank und kann sogar lebensbedrohend werden. Bei plötzlichem hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl solltet ihr also in jedem Fall zum Arzt gehen.

Spray gegen Grippe?

In dieser Saison gibt es zum ersten Mal ein Grippeschutz-Spray. Das Spray ist nur für Kinder und Jugendliche zugelassen, konkret für 2- bis 18-Jährige. Da hat es wohl sogar eine leicht bessere Schutzwirkung als die Spritze. Bei Erwachsenen funktioniert das Spray nicht so gut. Deshalb die Alterseinschränkung. Erwachsene müssen also weiter den Pieks aushalten, wenn sie sich gegen Grippe impfen lassen wollen.

Und noch eine Einschränkung: Kinder, die starkes Asthma haben oder regelmäßig mit stark immungeschwächten Menschen zu tun haben, sollten das Spray auch nicht kriegen. Denn darin befinden sich lebende Erkältungsviren. Die sind zwar abgeschwächt, aber trotzdem sind die Kinder, die das Grippeschutzspray vom Arzt verabreicht bekommen haben, für rund vier Wochen ansteckend. Das ist für gesunde Menschen kein Problem, aber eben möglicherweise für die genannten Risikogruppen. Wer sich hier unsicher ist, der kann sich ausführlich vom Arzt beraten lassen. Das macht er sowieso, weil ja auch nur er das Nasenspray gegen Grippe verabreichen darf.