Ein Paukenschlag am Ende des Tatorts: Kommissarin Lena Odenthal schaltet eigenmächtig das Beatmungsgerät einer Komapatientin ab. Ob eine Polizistin so etwas darf, erklärt SWR-Rechtsexperte Bernd Wolf.

Durfte Lena Odenthal im „Tatort“ die Beatmung abstellen?

Die Tatort-Kommissarin durfte es. Obwohl der Fall schwierig ist, denn die junge Frau im Koma, Marie Rainers, hatte ja keine Patientenverfügung hinterlassen, die einen bestimmten Willen dokumentierte. Etwa: Wenn ich mal nicht mehr selbst entscheiden kann, dann will ich so und so lange künstlich beatmet werden, und danach nicht mehr. Also war im Tatort - wie übrigens immer in solchen Situationen auch im richtigen Leben - nicht die Frage: Durfte Lena das Beatmungsgerät abschalten, sondern: Durfte das Krankenhaus die junge Frau am Leben erhalten? Was ist der Wille der Patientin? Kennt man ihn? Wie gesagt: Im Tatort „Du gehörst mir“ nicht. Die nächste Frage ist dann: Kann man ihren mutmaßlichen Willen erforschen? Nein, auch nicht, denn Marie hatte sich vorher nie geäußert, was sie in einem solchen Fall will.

Also kommt als nächstes die Frage: ist die lebensverlängernde Maßnahme, also die Beatmung, indiziert, muss sie sein? Hilft sie dem Therapieziel? Hier gab es keine Aussicht, dass Marie noch mal aus dem Koma erwacht. Also: keine Indikation! Und da sagen manche Juristen: hier darf man nicht nur abstellen, man muss es sogar; denn künstlich am Leben erhalten ohne Indikation ist strafbar.

Also: jeder der drei Anwesenden durfte auf den Knopf drücken: der Arzt, die Mutter, und eben auch Lena Odenthal. Und wenn man das darf oder sogar muss, kann man diesen Akt auch an jemand anderen delegieren, so wie es im Tatort auch passiert ist. Denn letztlich kommt es gar nicht darauf an, wer die Maschine abstellt.