.: Was geschah?!
Immer dann, wenn Marcus Barsch Nachtsendungen wie Luna oder Up moderiert, ist bei SWR3 „Mystery-Time”.
Bei „Was geschah?!” rätseln SWR3-Hörer über den Hergang misteriöser Geschichten, die oft mit einem ungewöhnlichen Tod enden.
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Rätselgeschichten oder auch „Mysteries” genannt, wandern seit langer Zeit durch die Kulturen. Manchmal heißen sie auch „urban legends”, also etwa „Großstadt-Legenden”, denn oft entstehen derlei Geschichten, weil irgendjemand gehört hat, dass dem Bruder des Schwagers der Nachbarin beim Gassigehen an der Ecke ein Bekannter erzählt hat, wie dem Cousin des Friseurs der Frau des Postboten das und das und das - unglaublich, aber wahr! - widerfahren sei...
Oft ist es dann leider auch noch so, dass besagter Cousin des Friseurs der Frau des Postboten in der Erzählung auf absurdeste Art unter nicht selten haarsträubendsten Umständen das Zeitliche segnet.
Tragisch, tragisch - doch scheint genau hier - im unerwarteten Ableben der handelnden Personen der geheimnisvolle Reiz vieler Mysteries zu liegen. Manchmal ist das nichts für allzu schwache Nerven - aber oft genug genau das Richtige für spannende, nächtliche Gänsehaut-Unterhaltung am Lagerfeuer, auf Skihütten oder auch in gastronomischen Betrieben zu vorgerückter Stunde.
Nun kann man eine gehörte „urban legend”, oder ein „Mystery”, einfach so zum Besten geben, oder aber - und das erhöht den Spaßfaktor immens - man stellt kurz in ein, zwei Sätzen den Sachverhalt bzw. das Ende der Legende dar und lässt andere raten, wie zum Teufel es bloß dazu gekommen ist: Schon ist aus der „urban legend” oder dem „Mystery” eine Rätselgeschichte geworden.
Hierbei stellen die „Rater” dem „Kenner” der Geschichte Fragen, die dieser nur mit Ja oder Nein beantworten darf. Wenn die Frage auf etwas abzielt, was für den Verlauf bzw. die Lösung der Geschichte unwichtig ist, gibt es als dritte mögliche Antwort noch „Das tut nichts zur Sache.”
In weiterer Rate-Reglementierung ist man relativ frei. Bewährt hat sich zum Beispiel, dass ein Rater solange weiterraten darf, wie er „JAs" oder „Tut nichts zur Sache's” kassiert. Nach einem „Nein” darf der nächste in der Runde weiterraten. Wer als erster den kompletten Hergang der Geschichte angeben kann, ist Rätsel-König und muss selbstverständlich für die nächsten 47 Jahre von den anderen verehrt und ständig mit tollen Geschenken überhäuft werden. Außerdem müssen sie lebenslang seine Blumen gießen und dafür sorgen, dass er oder sie immer saubere Handtücher im Haus hat... ;-)
Wichtig ist noch: Diese Legenden wandern, wie gesagt, lange durch die Welt und sind somit weit verbreitet. So sitzen in vielen Raterunden Leute, die eine Geschichte schon kennen. Ehrensache ist, dass diese für den Moment nicht mitraten dürfen. Sonst ist es ja langweilig. Aber es macht schließlich auch gehörigen Spaß, zu verfolgen, wie sich die anderen die Zähne ausbeißen, über die Frage, wieso jemand morgens von seiner Wohnung im 15. Stock ins Erdgeschoss mit dem Lift fährt, zur Arbeit geht, aber abends immer nur bis in den 10. hinauffährt und die restlichen 5 Etagen zu Fuß geht...
Auch sei noch gesagt, dass bei derlei Geschichten von vornherein festgelegt ist, den einen, ganz speziellen Lösungsweg herauszubekommen und es nicht darauf ankommt, irgendeinen MÖGLICHEN Hergang zu bestimmen. Wenn das Mystery zum Beispiel lautet: „Cäsar und Cleopatra liegen tot im Zimmer. Das Fenster steht offen und auf dem Boden ist eine Wasserlache. Was geschah?” Dann gilt nur die eine, überlieferte Lösung: „Cäsar und Cleopatra sind zwei Goldfische. Sie waren im Goldfischglas auf der Fensterbank. Der Wind hat das Fenster aufgedrückt. Dieses hat das Goldfischglas von der Fensterbank gestoßen. Adieu, Cesar und Cleopatra...”
Eben nicht gilt: „Cäsar und Cleopatra vergnügten sich im Palast von Cleopatra. Leider waren die kandierten Erdbeeren vergiftet und der Vorkoster hatte seinen freien Tag. Zu allem Unglück platzte - wie sie da schon tot lagen- im Palast auch noch eine antike Wasserleitung...”- durchaus möglich - aber falsch!
Zum guten Schluss: Alle diese Geschichten wurden mir im Laufe der Zeit von verschiedensten Menschen zu verschiedensten Gelegenheiten zugetragen (Meistens in der Tat zu vorgerückter Stunde in verschiedensten gastronomischen Betrieben).
An dieser Stelle noch ein dickes DANKE an all diejenigen, die die Geschichten durch Weitererzählen am Leben erhalten und uns somit herrlich die Zeit vertreiben!
Und nicht vergessen:Wer eine Geschichte hört, die hier noch nicht zu finden ist, gerne mailen an
marcus.barsch@swr3.de
Wir werden womöglich eines Nachts unsere Freude dran haben - in SWR3 LUNA! Vielen Dank!
Euer Marcus Barsch