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Seit dem 2. September gibt’s Chrome – den neuen Internet-Browser des Suchmaschinenanbieters Google. SWR3-Online-Redakteur Titus Gast hat ihn sofort runtergeladen und getestet. Hier ist sein Bericht.
Screenshots: Erste Einblicke in Google Chrome
Mitreden in SWR3-Land: Eure Erfahrungen mit Chrome?
Dienstag Abend, 21 Uhr, ich will ihn haben:
Chrome, den neuen Google-Browser. Die
Startseite ist einladend: So sieht er also aus. Ich hatte einen Riesen-Ansturm und Download-Probleme erwartet. Google offensichtlich auch, denn es läuft alles problemlos. Ich klicke auf Download – und muss erst mal schlucken: Da will Google, dass ich erst ein paar Bedingungen zustimme. Genau genommen handelt es sich um schlappe 12 Seiten Text im Schreibprogramm meiner Wahl – aber ich habe ja keine Wahl, ich will das Programm ja haben. Also Augen zu, zustimmen und durch. Und schon gibt’s die erste Überraschung: Ich darf frei entscheiden, ob ich Google durch Nutzungsstatistiken bei der Entwicklung unterstützen will. Will ich natürlich nicht – denn der Suchmaschinenanbieter erfährt auch ohne die Daten aus meinem Browser genug darüber, welche Seite ich wann besuche. Und dann wird installiert.
Die nächste Überraschung setzt es beim Start: Chrome fragt mich tatsächlich, ob ich Google als Standardsuchmaschine verwenden möchte oder lieber eine andere. Ich denke mir: Die wissen offensichtlich, was die Kritiker sagen. Mit so einer Option nimmt man all denen, die unken, Google ginge es nur darum, die eigenen Dienste groß zu machen und viele Daten zu sammeln, den Wind aus den Segeln. Einfach so.
Der nächste Eindruck ist keine Überraschung: Chrome sieht aus wie ein typisches Google-Produkt. Alles ist schön leicht und bunt, das Browserfenster kommt trotz Windows XP in unverkennbarer Vista-Optik daher. Mit der blauen Tab-Leiste und den großen Symbolen, wirkt er ein bisschen wie ein Kinderbrowser. Und alles ist minimalistisch: Exakt sechs Knöpfe in der Navigationsleiste, kein extra Menü – Chrome ist auf die nötigsten Bedienelemente beschränkt, die sind aber klar und deutlich. Wer will, kann trotzdem eine Menge Einstellungen selber vornehmen.
Ich öffne den Tab „Google Chrome“ – hier kann ich mir anschauen, was der Browser alles bietet. Folgende Punkte halten die Entwickler für besonders wichtig:
Zwischendrin surfe ich ein bisschen. Zwei Dinge fallen dabei auf: Erstens ist das Teil tatsächlich ziemlich schnell. Und zweitens werden die Schriften nicht sauber dargestellt, und alles wirkt irgendwie eckig. Das kriegt der Internet Explorer besser hin, und Safari – der mit Webkit den gleichen Unterbau verwendet wie Chrome – sowieso.
Auf den Seiten von SWR3.de die nächste Enttäuschung: Ich will mir eines unserer Videos ansehen – geht aber nicht, weil die Videos nur mit Flash-Plugin laufen, was mein Chrome anscheinend nicht beherrscht. Auch auf YouTube – die Video-Plattform gehört zu Google – kann ich nichts sehen. Und Flash lässt nicht installieren. (Update: Es war wohl ein lokales Problem – auf anderen Rechnern kann Chrome mit Flash-Videos.). Immerhin stelle ich dabei fest, dass der Download-Manager eigentlich recht schön ist: Die Downloads werden in einer Zeile am unteren Ende des Browsers angezeigt und lassen sich daraus direkt öffnen. Für Firefox gibt’s ein beliebtes Zusatzprogramm, das so was macht – da haben sich die Entwickler das offensichtlich abgeschaut.
Erst jetzt fällt mir auf: Die Tabs lassen sich verschieben. Alles andere hätte mich auch entsetzt. Aber: Dass sie in einem neuen Fenster aufgehen, wenn ich sie neben das Browserfenster ziehe, ist einer dieser Einfälle, bei denen man sich fragt: Warum ist das bei den anderen Browsern nicht schon immer so? Das Ganze funktioniert auch in die andere Richtung: Ich kann den Tab aus dem neuen Fenster wieder ins alte zurückschieben, das neue verschwindet dann sofort automatisch, weil es sonst leer wäre.
Diese ganzen Aktionen – Fenster verschieben, Tabs öffnen, Tabs hin- und herschieben – gehen erstaunlich schnell. Und natürlich laufen Googles eigene Web-Anwendungen beinahe flüssiger als die, die ich auf meinen Rechner installiert habe – dafür wurde Chrome ja schließlich gemacht. Nur wenn Mails vom Server geladen werden müssen, dauert es etwas. Auch ein Test mit anderen Webseiten, die auf viel Javascript setzen, zeigt: Das geht erstaunlich flüssig. Der Grund dafür ist wohl der neue Javascript-Teil namens V8 liegen, den die Google-Entwickler völlig neu programmiert haben.
Nach einer Stunde mit Google Chrome muss ich trotz aller Kritik zugeben: Das ist zumindest auf den ersten Blick ein starkes Stück Software. Die Konkurrenten namens Internet Explorer, Firefox, Safari und Opera dürfen sich warm anziehen, denn Chrome setzt bei Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit völlig neue Maßstäbe. Wenn man den Browser jetzt noch so flexibel an seine Bedürfnisse anpassen könnte wie Firefox, dann gäbe es für mich eigentlich keinen Grund mehr, nicht zu wechseln. Ach doch, da war doch noch was... Datenschutz, genau. Welche Informationen Chrome über mich sammelt, das weiß ich frühestens, wenn der Programmcode des neuen Browsers wirklich gut analysiert worden ist. Es ist 22 Uhr – und ich ertappe mich bei der leisen Hoffnung, dass Chrome meine Daten für sich behält.
Screenshots: Erste Einblicke in Google Chrome