SWR3 Gamecheck Der „World of Warcraft“-Killer?

Actiongeladene Kämpfe, individuelle Charaktere, epische Landschaften – „Guild Wars 2“ bietet all das. Außerdem braucht man kein teures Abo zum Zocken. Kann es so den ewigen Platzhirsch „World of Warcraft“ vom Thron stoßen?

Darum geht´s:

Online-Rollenspiele boomen. Vorneweg marschiert noch immer „World of Warcraft“, an dem sich die Konkurrenz wie „Rift“ oder „Star Wars: The Old Republic“ munter die Zähne ausbeißt. Nun also gibt es ein Weiteres. Das macht vieles anders, manches besser und kostet vor allem keine monatlichen Abo-Gebühren; gezahlt wird nur für zusätzliche Spiele-Items oder „Booster Packs“ – Pakete, die die Spielfigur verbessern. Es geht aber auch gut ohne diesen Bezahlkrempel. Die Story ist zwar nicht sonderlich ausgefallen, aber immerhin als dicker roter Faden vorhanden: Gewaltige Drachen bedrohen die Spielewelt von Tyria, die von den drei großen Fraktionen bekämpft werden müssen.

So spielt sich’s:

Am Anfang steht eine enorm umfangreiche Erstellung der Spielfigur. Hier kann man aus fünf Rassen und acht Klassen wählen; mit Fragen zu Herkunft, Religion und Charaktereigenschaften wird der Held noch weiter personalisiert – und erhält dann sogar bis Stufe 20 (von 80) eine ganz eigene Story, an die die „Story-Quests“ gebunden sind. Trotz der anfänglichen Individualisierung der Geschichte wird das Miteinander groß geschrieben: Statt stumpfer „Solo-Quests“ gibt es dynamische, aufeinander aufbauende Ereignisse, an denen man zusammen teilnimmt – jeder wie er gerade Lust hat. Streit um die Beute gibt’s auch keinen, weil jeder Spieler anteilig entlohnt wird. Und sonst? Das Handwerksystem ist mächtig, die Kämpfe machen Spaß und für die Abteilung PvP (Player vs. Player) gibt es sogar Gefechte ganzer Server gegeneinander.  

So sieht`s aus:

Das neue Guild Wars ist definitiv das mit Abstand schönste Online-Rollenspiel aller Zeiten, mit großartigen Landschaften und ausgefallenen Figuren. Hin und wieder trifft man zwar mal auf einen Abschnitt, wo es scheinbar beim Grundentwurf des Levels geblieben ist, aber das große Gesamtbild ist schwer beeindruckend. Wie auch die Vertonung, die sogar auf Deutsch noch gut klingt – trotz einiger kleinerer Fehlbesetzungen.

Fazit:

ca. 50,- € für das PC-Spiel
Ab 12 Jahren
Hier geht's zur Website

„Guild Wars 2“ ist noch lange nicht perfekt. Manche Klassen sind schwächer als die anderen, manche Gegner noch deutlich zu stark oder unfair. Die zahlreichen Ausbau-Möglichkeiten des Helden sind eine Wissenschaft für sich, die Plätze auf den PvP-Servern knapp – aber das sind Kinderkrankheiten, mit denen sich jedes MMO herumschlägt. Dafür stimmt aber der große Rest: Die Technik ist beeindruckend gut, die vielen kleinen und großen Neuerungen gegenüber der Konkurrenz machen allesamt Sinn, der Umfang ist schlicht erschlagend und – hat man das Spiel einmal gekauft und die 50 Euro für das PC-Spiel gezahlt – kann man das Geld stecken lassen. Wer die nächsten Monate und Jahre nichts weiter vor hat und mindestens 12 Jahre alt ist, sollte sich Guild Wars 2 unbedingt mal ansehen. Wer braucht da noch „World of Warcraft“?