Rocksmith ist ein Musikspiel mit echter E-Gitarre: Jammen mit den Stones, Lenny Kravitz oder Radiohead, dazu viel Gitarrenunterricht. Ein gelungener Mix aus Lernprogramm und Gitarrenheldenspiel - meint unser Game-Checker.
Jahrelang hatten Spiele-Serien wie „Guitar Hero“ oder „Rock Band“ den Gamern einreden wollen, dass es völlig genügt, auf einer saiten- und seelenlosen Plastikgitarre ein paar Knöpfe zu drücken, um ein Rockstar zu werden. Gestandene Musiker konnten darüber nur müde lächeln. Ubisoft versucht mit dem Rocksmith nun, das Ganze etwas seriöser aufzuziehen: Statt einer Kunststoffklampfe kommt hier eine richtige E-Gitarre (bzw. ein E-Bass) zum Einsatz, statt Knöpfe und Schalter zu malträtieren, muss man tatsächlich in echte Saiten greifen. Was bei entsprechender Hardware auch zu zweit geht.
Angeschlossen wird die E-Gitarre (oder der Bass) über das mitgelieferte Kabel, dass akustische Signale in für Konsole oder PC lesbare Daten umwandelt. Schlage ich also eine Saite auf meiner Gitarre an, erklingt genau dieser Ton auch im Spiel - was auch mit Akkorden funktioniert. Verschiedene Effektgeräte und Verstärker im Spiel sorgen dafür, dass der Sound dann auch genau so wie in den Songs aus den 30 Jahren Rockgeschichte klingt, zu denen hier gespielt wird: Mal fett verzerrt, dann wieder clean oder mit einem funkigen Wah-Wah.
Einiges wurde vom „Guitar Hero“ übernommen. So zum Beispiel das „Fließband“ mit farbig markierten Quadraten, das anzeigt, wann welche Note gespielt werden muss. Je besser das gelingt, desto mehr Punkte gibt es und desto mehr Extras, Songs und Spielstätten werden freigeschaltet. Das war es aber auch schon. Zu Beginn zupfen wir noch vorsichtig einzelne wenige Saiten, später geht’s dann immer weiter über die Bünde. Das Game erkennt unseren Fortschritt und passt die Schwierigkeit dynamisch an. In Videos und Übungen erklärt ein geduldiger Gitarrenlehrer Akkordgriffe und Spieltechniken wie Hammer-Ons, Pull-Offs oder Powerchords, die nach und nach in die Songs eingebaut werden.
Die optische Aufmachung ist recht schlicht. Bei den Gigs schauen wir ins Publikum, ansonsten dominieren Fließband und nüchterne Technik. Was aber insgesamt gut zur Intention des Spiels passt, dass sich als Mischung aus Unterhaltung und Lernprogramm versteht. Die Songlist reicht von alten Rock-Heroen wie Stones, Bowie oder Cream über Cure, Lenny Kravitz oder Radiohead bis hin zu Nirvana, Incubus und den Stone Temple Pilots; da sollte also für jeden Geschmack etwas dabei sein.
Rocksmith erscheint für PS3 und Xbox 360 (im Oktober auch für den PC) und kostet 70 bis 80 Euro. Ein Bundle mit E-Gitarre gibt es für 199 Euro.
Hier geht’s zur offiziellen Website des Spiels.
Rocksmith gelingt der Spagat aus Unterhaltung und Lernen. Wobei auf letzterem klar der Schwerpunkt liegt: Ohne viel Üben der Techniken, Griffe und Läufe wird das nichts werden - das hat das „Spiel“ mit der harten Realität des Instrumenten-Lernens gemeinsam. Hier gibt es nichts geschenkt. Dafür ist das Erfolgserlebnis umso größer: Wenn uns der Rocksmith bei jedem Durchlauf eines Songs immer mehr Noten und Akkorde zutraut und wir am Ende eine 100 Prozent-Wertung erreicht haben, dann dürfen wir uns tatsächlich wie ein Rockstar fühlen.