Den Mega-Serien-Erfolg „Game of Thrones“ gibt's jetzt als Rollenspiel. Als Game zwar ausbaufähig, aber es fesselt mit erstklassiger Story, meint Gamechecker Matthias Steinwachs.
Nach der erfolgreichen Romanserie von George R. R. Martin und dem Quotenhit von TV-Serie gibt es nun folgerichtig auch das passende Rollenspiel. Letztes Jahr hatten sich die Entwickler von Cyanide schon einmal an einem „Game of Thrones“-Strategiespiel versucht, selbiges aber grandios an die Wand gefahren. Das Rollenspiel punktet da auf jeden Fall schon mal mit der besseren – ja sogar richtig guten – Story. Die hat gleich zwei Helden: Einen alten Kriegsveteranen, der als Grenzer an der gewaltigen Mauer Dienst tut, und einem Roten Mönch, der als Sohn eines Lords vor 15 Jahren seine Heimatstadt Flussrath (alias Riverspring) verlassen hatte und jetzt anlässlich des Todes seines Vaters zurückkehrt. Schon bald münden diese beiden Handlungsstränge in ein Netz aus Intrigen, Verrat und Mord.
Spielerisch hat „Game of Thrones“ einige gute Ansätze, die aber oft an kleinen Unzulänglichkeiten scheitern: Das Echtzeit-Kampfsystem an der trägen Kamera und der launenhaften Gegner-Intelligenz, das an sich gute Fähigkeiten-System an der Tatsache, dass einige davon einfach zu übermächtig sind und dergleichen mehr. Dafür trifft dieses Spiel aber perfekt die Buchvorlage: Die Story, an der Autor George Martin mitwirkte, passt sich perfekt in die der Bücher ein, wir treffen auf bekannte Figuren und Schauplätze, verfolgen immer wieder lange Videosequenzen, die die Handlung vorantreiben und müssen auch hin und wieder schwer moralische Entscheidungen treffen, die den Fortgang des Spieles verändern können.
Die Grafik ist nicht wirklich schlecht - die Figuren und die Städte sehen sogar recht gut aus. Dafür hapert es aber bei den Animationen, auch gibt’s immer wieder mal mittelschwere Grafikfehler; da verschwindet der Held dann schon mal halb in einer Mauer. Die Synchronisation gibt’s wahlweise auf Englisch oder Deutsch, beide mit vielen Originalstimmen aus der TV-Serie. Leider sind einige Nebenrollen extrem grottig besetzt, und von der guten Originalmusik hat es nur der Titeltrack ins Spiel geschafft, der Rest plätschert etwas unmotiviert vor sich hin. Auch hier also Licht und Schatten.
Ja, man könnte sich stundenlang über die vielen kleinen und größeren Unzulänglichkeiten des Spiels aufregen. Dass man dann trotzdem für 30 Stunden am Monitor klebt, liegt an der guten Story mit ihren Verwicklungen und Wendungen, der schönen Atmosphäre und den vielen Aha-Momenten („Kenne ich den nicht?“). „Game of Thrones“ ist sicher kein Paradebeispiel für gutes Rollenspiel – aber eines dafür, was man alles auch mit kleinem Etat aus einer guten Vorlage machen kann. Und die ist so gut, dass sie auch ein mittelprächtiges Game verkraftet, dessen Anziehungskraft sicher auch Nicht-Fans erliegen werden.
„Game of Thrones“ gibt es für PC, PS3 und Xbox 360 für 45 bis 55 Euro, freigegeben ist es ab 16 Jahren.
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