Facebook-Chronik für alle „OMG! Profil anders! Noch mehr Daten!“

Die neue Facebook-Chronik kommt. Für alle. Bisher konnten die User noch selbst entscheiden, nun stellt Facebook alle Profile um. Jetzt heißt es: Mitmachen oder austreten. Doch was ändert sich überhaupt?

Die meisten werden es erst mal am Gejammer ihrer Freunde merken und an dubiosen Anwendungen, die einem versprechen, das alte Profil wieder zurückzuholen. Das vergesst ihr lieber mal ganz schnell: Die Chronik („Timeline“) wird Pflicht. Die Phase ist vorbei, in der jeder selbst entscheiden konnte, ob er sein Profil schon auf den neuen, interaktiven Lebenslauf umstellen will oder nicht.

Wann kommt die Chronik?

Laut Aussage von Facebook „in den nächsten Wochen“. Die User werden auf ihrer Facebook-Seite darauf hingewiesen und haben dann sieben Tage Zeit, ihre Chronik aufzuräumen, bevor sie online geht.

Deine Facebook-Aktivitäten als Zeitleiste

Für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sind diese Seiten einer der wichtigsten Teile von Facebook. Statt einer kurzen Momentaufnahme – was macht jemand gerade und welche Aktivitäten hat er in den letzten Tagen gezeigt – soll künftig die Vergangenheit eine größere Rolle spielen.

Alle Ereignisse und Aktivitäten werden auf einer Zeitleiste („Chronik“) sortiert, auf der man sich angucken kann, was jemand auf Facebook so von sich gegeben hat. Zum Beispiel: Wo hab ich auf „Gefällt mir“ geklickt, wo hab ich kommentiert, was hab ich selber gepostet, welche Videos hab ich geguckt, welche Musik gehört und welche Artikel gelesen. All das können die Nutzer im so genannten „Aktivitätenprotokoll“ nachvollziehen und kontrollieren.

Wie funktioniert die neue Chronik?

Facebook hat eine eigene schöne Erklärseite zur neuen Chronik eingerichtet, die (inzwischen auch auf Deutsch) genau zeigt, wie die neue Chronik funktioniert und was ihr damit anstellen könnt.

Wenn ihr gezielt nach Tipps zur Privatsphäre sucht, empfehlen wir die hervorragende Anleitung des Internetsicherheitsportals klicksafe.de (PDF-Download).

Musik, Videos, Artikel und Hobbys werden sozial

Die zweite große Änderung war zunächst vor allem für Entwickler interessant: Sie können seit einigen Monaten Apps programmieren, die direkt mit den Facebook-Profilen verbunden sind und mit denen wir User automatisch Inhalte teilen können: Bisher musste ich immer irgendwo auf „Gefällt mir“ drücken, um mit meinen Freunden und Bekannten was zu teilen. Künftig macht das die App selbst – wenn der User das will. Wenn ich einen Film angucke oder Musik höre, wird das – wenn ich das der Videoplattform oder dem Musikdienst erlaube – direkt bei Facebook geteilt und meine Freunde können es in Echtzeit auf meinem Profil sehen, mitgucken, mithören, mitkommentieren. Die ersten Anwendungen gibt's schon, die das machen. Allerdings muss man als User jede einzelne dieser Apps aktivieren; die Gefahr, dass man Dinge über sich verrät, die man nicht verraten will, ist also eher gering.

In Deutschland noch vieles unklar

Dazu hat Facebook erst mal Partnerschaften mit Musik-Streamingdiensten wie Spotify und Rdio oder Videoanbietern wie Hulu und Netflix geschlossen, die gleich zum Start solche sozialen Apps anbieten wollen. In Deutschland wird dieser Teil noch nicht so schnell gehen: Viele der Dienste, mit denen Facebook da kooperiert, gibt es hier schlichtweg nicht – wegen lizenzrechtlicher Probleme.

Video-Ausschnitt soziale Apps bei Facebook (Quelle: Facebook / Screenshot: SWR3.de) Um dieses Audio oder Video anzuzeigen, benötigst Du den Flash Player von Adobe, den Du hier herunterladen kannst

Was passiert mit meinen Daten?

Die neue Facebook-Chronik ist für den Datenschutz gar nicht soooo schlecht. Denn: Erstens hat jeder Nutzer die Möglichkeit, seine Chronik vor der tatsächlichen Freischaltung sieben Tage lang zu kontrollieren und unangenehme Dinge vor Veröffentlichung zu löschen. Danach wird die Chronik automatisch aktiviert. Zweitens ändert sich an den Privatsphäre-Einstellungen exakt... nichts. Das heißt: Du teilst weiterhin nur das öffentlich mit, was du auch vorher öffentlich gemacht hast. In der Timeline steht nichts, was man nicht auch vorher schon über dich rausfinden konnte – es ist nur übersichtlicher.

Lest also am Besten nochmal quer über euer Profil. Stolpert ihr beim Drübergucken über ein unangemessenes Bild, welches ihr zum Beispiel vor zwei Jahren gepostet habt, so lässt sich das ganz einfach löschen. Einfach auf den Stift nebendran klicken und auf entfernen gehen. Der Zeitstrahl auf der rechten Seite vereinfacht dieses Prozedere. Inhalte lassen sich in der Timeline viel leichter finden. Einfach auf das gewünschte Datum klicken und man springt auf die entsprechende Statusmeldung/das entsprechende Bild.

Video: Die neue Facebook-Chronik – das solltet ihr beachten

Ausschnitt: Die neue Facebook-Chronik (Quelle: SWR.de) Um dieses Audio oder Video anzuzeigen, benötigst Du den Flash Player von Adobe, den Du hier herunterladen kannst

(Quelle: SWR Landesschau BW)

Die große Aufregung kommt sicher

Wenn jetzt die neuen Profile kommen, werden sich wieder viele ärgern, die von den Änderungen nichts mitbekommen haben. Das ist bei jeder noch so kleinen Änderung so. Am Ende gewöhnen sich doch alle dran und wollen nicht mehr drauf verzichten. Und natürlich wird dann auch Datenschutz wieder ein Riesenthema sein, wenn Facebook einfach so mitprotokollieren kann, was ich höre, gucke, lese, koche oder wo ich Sport treibe. Aber: Hier kann – wie gesagt – wirklich jeder User selber entscheiden, welche Angebote er nutzt und wer was davon sehen darf. Und: Wenn mir ein Musiktitel peinlich ist, werde ich den auch aus meinem Profil löschen können. Einfach so.

Tickern die noch richtig? Facebooks neue Features

Facebook-Features (Quelle: SWR3.de) Um dieses Audio oder Video anzuzeigen, benötigst Du den Flash Player von Adobe, den Du hier herunterladen kannst