Er war einer der Internet-Pioniere des SWF/SWR. Vor 14 Jahren hat Martin Pittelkow angefangen, Online-Produkte für SWF3 und das Haus zu entwickeln. Am Freitag (16.12.2011) starb er im Kreis von Freunden und seiner Familie mit 43 Jahren.
Das Web war kaum ein paar Jährchen alt, als Martin Pittelkow zu SWF3.Online kam. Schnell und clever mit kleinen Tricks weit kommen: Das war schon damals Einstellungsvoraussetzung. Aufbruchsstimmung und Pioniergeist beherrschten diese Onliner-Tage – vor allem aber die langen Nächte. Immer ’ne Kleinigkeit mehr machen, nett und authentisch, mit überraschenden Ideen. Bis zum Schluss trug er das im Herzen.
Überall hatte Martin seine Finger mit drin, denn viele multimediale Experimente hat es schon damals beim jungen SWR gegeben. Nachts flimmerte im SWR-Fernsehen das „Elch-TV“ über die Mattscheibe: Zuschauer konnten von zu Hause Computerfiguren fernsteuern und im Fernsehen virtuell rumlaufen, chatten und winken lassen. Jahre später tauchte die Idee als Second-Life im Web wieder auf.
Besonders die Interaktion hatte es ihm angetan. Wie wäre es mit einer Kommunikations-Zentrale für Radiomoderatoren, in der Facebook, SMS, Twitter und Hörerreaktionen ankommen? Eine Internet-Welt, in der alle Hörer-Anfragen auf allen Kanälen angezeigt und koordiniert werden? Daraus wurde das SWR3-Studio-Feedback, heute vollkommen unverzichtbar für SWR3-Sendungen.
Stets hat er gebastelt und entwickelt, für SWR3, für den ganzen SWR. Ob Experten-Chat oder unsere Eilmeldungen auf Facebook und Twitter. Irgendeines von Martins unzähligen Produkten hat jeder von uns schon einmal unmerklich benutzt.
Sein Lieblings-Baby bleibt das Community-Projekt von SWR3 und DASDING – lange, bevor Facebook in Deutschland den Markt aufgeräumt hat. Martin hat sehr früh verstanden, wie das Web 2.0 funktioniert, wie wir den SWR in diesem Bereich nach vorne bringen, warum es in einem Massenmedium nicht mehr ohne geht.
Martin war ein ruhiger Autor, ein leiser Programmierer, was ihn aber nicht davon abgehalten hat, im Radio und Fernsehen seine Welt zu erklären. Martin hatte lange schon unbewusst ein neues Berufsbild in den SWR hineingetragen: Der erste echte Web-Producer. Ein Generalist. Topfit als aktiver Techniker und Programmierer, aber eben auch perfekt als Redakteur und Erklärer. Er hat uns immer mit unseren Rechtschreibfehlern aufgezogen, unser Pittel-Duden. Keiner in der Redaktion hatte diesen Korrekturblick. In scheinbar völlig fehlerfreien Texten hat er immer noch Fehlerchen entdeckt. Unheimlich.
Dem SWR3-Relaunch gaben wir seinen Namen, das hat ihn stolz gemacht, da war er schon krank.
In den letzten Wochen zockten wir mit ihm hier noch ein paar Nächte durch. Wie früher, als er immer und immer wieder irgendwelchen Spiele-Kram in die Redaktion mitbrachte, zwischen LAN-Party-Computer und Original-200-Kilo-Flipper war alles dabei, als Motivation eines ganz besonderen Teams. Nur so kann man SWR3.Online machen, davon war Martin überzeugt.
Martin Pittelkow ist SWR3.Online. Er hat diesen speziellen Spirit mitgeprägt, den wir hier alle haben. Verspielt, schräg, leicht, leise, echt.
Und das ist, was uns jetzt fehlt. :-(