Mit nur drei bis vier Stunden Spieldauer zwar ein relativ kurzes Vergnügen, aber die ersten Gehversuche mit der „Erweiterten Realität“ auf dem Handheld wirken mitunter erschreckend gut.
Bei der Markteinführung des 3DS war „Augmented Reality“ – zu Deutsch: „Erweiterte Realität“ – einer der beworbenen Pluspunkte des Handhelds. Dabei wird zum Beispiel die reale Umgebung auf dem Bildschirm gezeigt, in die dann zusätzliche, per Computer generierte Objekte eingeblendet werden. Spiele zu dem Thema gab es dann – bis auf ein paar kleine Demos – aber nicht. Die „Spirit Camera“ übernimmt jetzt endlich aber einen ersten Anlauf, das Thema wiederzubeleben. In der etwas wirren Story spielen ein verfluchtes Tagebuch (das als Portal in eine andere Welt dient), ein Mann ohne Gesicht, Geister, sowie eine Frau in weiß (Maya, gut, ohne Erinnerung) und eine in schwarz (namenlos, böse, nimmt Geiseln) eine Rolle.
„Spirit Camera“ nutzt in erster Linie die Kamerafunktion des 3DS. Durch sie tauchen Gestalten plötzlich in unserem Zimmer (bzw. dann auf dem Bildschirm) auf, wird das (im Lieferumfang enthaltene) Tagebuch lebendig – wenn etwa plötzlich blutige Hände daraus nach uns greifen – und werden auch Geister bekämpft, die plötzlich hinter unserem Sofa auftauchen. Drückt man im richtigen Augenblick auf den Auslöser, wird ihnen Energie entzogen. Immer wieder müssen wir auch kleine Rätsel lösen: Legen wir zum Beispiel unsere Hand auf einen blutigen Abdruck im Tagebuch, öffnet sich dort eine Tür und wir können – während wir den 3DS aka „Camera Obscura“ wie einen Fotoapparat auf die Tagebuchseite richten – plötzlich in 3D durch ein Geisterhaus spazieren.
Spielfiguren, die es sich in unserem Zimmer gemütlich machen, blutige 3D-Hände, die aus der Tischplatte zu kommen scheinen oder unser Gesicht, das uns aus dem Tagebuch anstarrt und plötzlich verfault: Auch wenn man natürlich immer noch erkennt, dass die eingeblendeten Objekte nicht echt sind, ist das doch eine erstaunliche visuelle Erfahrung. Die wird dann auch akustisch passend untermalt – mit geisterhaften Stimmen, heftigen Effekten und einem düsteren Soundtrack, der angeschlagene Herzschrittmacher schon mal in den roten Drehzahlbereich treibt.
Die ersten Gehversuche mit der „Augmented Reality“ sind durchaus eindrucksvoll ausgefallen – mitunter sogar richtig erschreckend gut. Andererseits ist da auch noch viel Luft nach oben, nicht immer will die „Erweiterung“ zur Realität passen; mit drei bis vier Stunden Spieldauer ist das dann auch ein relativ kurzes Vergnügen. „Spirit Camera“ zeigt aber, was da in Zukunft alles möglich ist. Wer mal Bock auf was ganz Neues hat und auch ein bisschen mit seinem 3DS bei Nicht-Zockern angeben möchte, dürfte seinen Spaß am „Ghostbusting“ in den eigenen vier Wänden haben.