13 Oscar-Nominierungen: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ sorgt schon vor seinem Kinostart in Deutschland für mächtig Wirbel. Aber wird der neue Film mit Brad Pitt und Cate Blanchett auch das Publikum überzeugen? SWR3-Kinomän Jo Müller ist davon überzeugt.
Fast drei Stunden lang und keinen Moment langweilig: Eines der ungewöhnlichsten Kino-Epen seit Jahren. Im Mittelpunkt steht Benjamin Button, der etwas anders ist als alle anderen. Das liegt daran, dass Benjamin als Greis zur Welt kommt und immer jünger wird. Das führt in seinem Leben zu gewissen Reibungsverlusten, denn alle anderen um ihn herum altern ganz normal. Auch seine große Liebe Daisy. Er lernt sie kennen als er noch ein gebrechlicher Opa und sie ein kleines Mädchen ist. Später kehrt sich alles um: Daisy wird eine alte Frau, Benjamin zum pickligen Pennäler.
Regisseur David Fincher, von dem der düsterste aller düsteren Serienkiller-Filme, „Seven“, stammt, hat diesmal großes, klassisches Hollywood-Gefühlskino inszeniert. Voller wunderschöner Bilder und großartiger, poetischer Momente. Und einer Story, die prall gefüllt ist – mit kleinen und großen herzzerreißenden Nebengeschichten. Der Film umfasst viele Jahrzehnte, eben das ganze Leben von Benjamin Button und wird als Rückblende erzählt: Eine Frau liegt im Sterben und übergibt ihrer Tochter das Tagebuch von Benjamin. Je mehr sie vorliest, desto erstaunlichere Dinge erfährt sie über ihre Mutter und sich selbst. Und der Zuschauer bekommt noch weitere unglaubliche Geschichten erzählt: Die vom Uhrmacher, der seinen Sohn im Krieg verliert und eine riesige Uhr konstruiert, die rückwärts läuft oder vom alten Mann, der sieben Mal vom Blitz getroffen wurde.
Die Storys sind witzig, melancholisch oder todtraurig. Und sie alle treffen einen bis ins Mark. „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist ein opulentes und originelles Kinodrama, mit hohem Tränenfaktor und viel Stoff zum Nachdenken. Ein manchmal witziger, meist aber melancholischer Film über die Vergänglichkeit des Seins, die Schönheit des Lebens und natürlich auch über die Tragik der Liebe. Jedenfalls der zwischen Benjamin und Daisy. Für mich die schönste Kino-Lovestory seit „Titanic“, mit sensationellen Schauspielerleistungen von Cate Blanchett und Brad Pitt, der sich hier selbst übertrifft. Auch in Sachen Trickeffekte ist dieser Film absolut perfekt – Brad Pitt als Baby oder Tattergreis, das ist stark oscarverdächtig. Ich wisch mir schnell die Tränen ab und geh gleich nochmals rein. „Benjamin Button“ ist pure Kinomagie.