Eigentlich sollte der sechste Teil von „Harry Potter“ schon im vergangenen Jahr starten, wurde dann aber verschoben. Jetzt läuft das neue Abenteuer um die Zauberschule Hogwards, Professor Dumbledore, Ron, Hermine und Harry an. SWR3-Kinomän Jo Müller weiß, ob sich das lohnt.
„Harry Potter und der Halbblutprinz“ ist auf alle Fälle einer der spannendsten Filme der Serie: Fantastisch sind die vielen tollen visuellen Einfälle, die wahnwitzigen Kamerafahrten durch die Straßenschluchten von London oder die dunklen Gänge der Zauberschule. Der Look ist wirklich toll: Die monochromen, verwaschenen Bilder unterstreichen die Düsternis der Handlung und machen das Ganze richtig schön gruslig. Eindeutiges Schauerhighlight ist der böse Schluss. Da geht's echt zur Sache.
Zugegeben: Es gibt diesmal keinen richtig großen Spannungsbogen, kein alles entscheidendes Geheimnis, das Harry lösen muss, sondern nur viele kleine Rätsel. Heißt: Die Story wirkt, als bestünde sie aus vielen Einzelepisoden. Langweile kommt trotzdem nie auf. Regisseur David Yates, der auch schon den vorigen „Harry Potter“-Film inszeniert hat, besitzt inzwischen ein hervorragendes Gespür für die Welt der Zauberer und Muggles. Gut ist auch der Einfall, dass der teuflische Lord Voldemort diesmal nur im Verborgenen agiert und nicht direkt im Bild zu sehen ist. Das nährt die eigene Fantasie und gibt die richtige Gruselwürze.
Szenenbild aus „Harry Potter und der Halbblutprinz“ (Bild: © Warner Bros.)
Filmszenen aus „Harry Potter und der Halbblutprinz“
Damit dieses Fantasy-Spektakel aber doch nicht zu düster gerät, zeigt der Film auf einer anderen Ebene das ganze normale Teenie-Leben von Harry und Co. Mit Liebeskummer, Trennungschmerz und gebrochenen Herzen.
Außerdem: Deutlicher als in jedem Harry Potter-Film zuvor wird hier klar, aus welchen Quellen Autorin J. K. Rowling geschöpft hat: Im letzten Drittel des Films spürt man in jeder Szene „Der Herr der Ringe“. Das trübt das Vergnügen aber nicht. Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden und dieser sechste Harry Potter-Film ist auf alle Fälle sehenswert.