MEINE GEDANKEN: Es gibt ein Sprichwort, das lautet: 'Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht'. Man kann es natürlich wunderbar auf Essgewohnheiten anwenden, aber sehr gut auch darüber und vor allem über den Beruf des Landwirtes hinaus: Was mir fremd ist, dem traue ich nicht. Was mir fremd ist, ist nicht gut für mich, damit beschäftige ich mich nicht, das verurteile ich ...
Und so ergeht es auch einer der großen Religionen, dem Islam bzw. den Menschen, die ihre muslimische Religion glauben und leben. Gibt es anderswo so viele Vorurteile? Unterdrückung der Frau, Zwangsehe, Mord für die Familienehre, Verherrlichung von Terrorismus, Krieg gegen Ungläubige und Streben nach Weltherrschaft - aber was steckt wirklich dahinter? Was steht eigentlich im Koran? Und wie denken Muslime darüber?
Die Autorin Anja Hilscher ist eine konvertierte Muslima, sie ist Deutsche, wohnt und lebt ihren Glauben in Deutschland. Mit "Imageproblem" hat sie kein starres Sachbuch geschrieben, sondern versucht auf unterhaltsame Art und Weise mit Vorurteilen und Halbwissen aufzuräumen und ein anderes Bewusstsein für ihre Religion zu schaffen. Und dies gelingt ihr, wie ich finde, sehr gut, in dem sie ihre Gedanken in einen humorvollen Text packt.
Aber "Imageproblem" ist keine leichte Kost, Mitdenken ist gefragt, denn immer wieder fallen unbekannte Begriffe, die im Text zwar überwiegend erklärt werden, dem Leser aber durchaus Aufmerksamkeit abverlangen. Hilfreich wäre für ein schnelles nochmaliges Nachschlagen von Begriffen ein Stichwortverzeichnis, das leider nicht vorhanden ist ' vielleicht Potenzial für eine zweite Auflage?! ;-)
Neben vielen themenspezifischen Begriffen, beschreibt und argumentiert die Autorin nicht immer geradlinig, sondern lässt Gedankenexkurse zu, was den Text aber nicht schwieriger sondern im Gegenteil spannender, lebendiger und authentischer macht. Denn Anja Hilscher gewährt dadurch immer wieder Einblicke in ihr eigenes Leben, eigene Erfahrungen und Beobachtungen, von denen ich gerne noch mehr gelesen hätte - leider ist einiges der Korrektur zum Opfer gefallen.
In kurzen Kapiteln widmet sich Anja Hilscher verschiedenen Themen, wie Kopftuch und Gleichberechtigung, Dschihad und Paradies, Sex und Umwelt, Islam in Deutschland und in muslimisch geprägten Ländern. Dabei vermittelt sie durchaus ihre eigene, subjektive Sicht auf die Dinge, legt manches für sich und in ihr Weltbild passend aus, belegt dabei ihre Aussagen aber stets mit Textstellen aus Koran und Hadithen. Nicht allem kann ich uneingeschränkt zustimmen, nicht alles überzeugt mich, aber darum geht es auch gar nicht, viel mehr geht es um Informieren und eigenes Nachdenken als Basis für eine fundierte eigene Meinung, die mehr als vom Hörensagen und den Massenmedien geprägt ist.
Immer wieder vergleicht die Autorin den Islam mit anderen Religionen, beispielsweise mit dem Buddhismus, in erster Linie aber mit dem Christentum - dieses "Aufrechnen" müsste nicht sein, macht aber manches sichtbarer und zeigt Fakten auf, die auch aktive Christen vielleicht so noch nicht über ihre eigene Religion wussten und das Schöne ist, dass nicht nur auf Unterschiede sondern besonders auch auf Parallelen der Religionen hingewiesen wird, denn da gibt es mehr als manch einer denken mag.
