SWR3-Lesetag Das lesen die Stars

SWR3-Musikfrau Christiane Rebmann hat einige Musik-Promis gefragt, welche Bücher ihnen besonders viel bedeuten. Zum Beispiel Alanis Morissette, Mark Knopfler, Max Mutzke, Y’Akoto und Tori Amos.

Alanis Morissette

Anne Wilson Schaef: „Suchtsystem Arbeitsplatz“ (dtv)

Wenn du eine Frau bist, wird von dir erwartet, dass du bis zur Erschöpfung arbeitest. Es war für mich also wie eine Offenbarung, diese ganzen spirituellen Bücher zu lesen, in denen es um die verschiedenen Bewusstseinsebenen geht. Weil es davor in meinem Leben immer nur um das Musikbusiness gegangen war. Es gibt ein wunderbares Buch von Anne Wilson Schaef: „Suchtsystem Arbeitsplatz“. Darin beschreibt sie, wie sich aus der Arbeitsüberlastung eine Sucht entwickeln kann. Man muss ja auch bedenken: Aus der Arbeitssucht entstehen neue Süchte. Wenn du zu viel arbeitest, brauchst du einen Cocktail am Abend, und bald reicht ein Cocktail nicht mehr, dann müssen es drei sein. Für mich war Essen immer eine Art, mir über Angst und Stress weg zu helfen. Das kann sehr extrem werden. Und ich bin sicher, ich stehe damit nicht allein da.


Eagle Eye Cherry

Leo Tolstoi: „Krieg und Frieden“ (Anaconda)

Es ist witzig, ich habe gehört, dass Dostojewski oft nach Baden-Baden kam. Ich habe viele seiner Bücher gelesen. Aber das beste Buch, das ich je gelesen habe, ist „Krieg und Frieden“ von Tolstoi. Okay, es ist vielleicht nicht das beste Buch, aber es ist ganz sicher das eindrucksvollste Werk, das ich je gelesen habe. Und die Tatsache, dass er das Buch ohne Laptop geschrieben hat, finde ich unglaublich. Wie kann man ohne Computerhilfe bei so vielen verschiedenen Personen den Überblick behalten?


Tori Amos

Helene Hanff: „84, Charing Cross Road – eine Freundschaft in Briefen“ (btb)

In „84, Charing Cross Road“ geht es um eine Schriftstellerin, eine Drehbuchautorin, die in New York lebt. Das Ganze spielt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Frau schreibt an einen Buchladen in London und bestellt dort immer wieder Bücher, und daraus entwickelt sich eine langjährige Freundschaft zwischen ihr und dem Händler des Antiquariats. „84, Charing Cross Road“ von Helene Hanff - Ich lese das als richtiges Buch. Einer meiner Neffen hast mir kürzlich vorgeschlagen: „Ich schenk dir mal einen Kindle“. Ich hab gesagt: „Wenn du das tust, enterb ich dich.“ Ich brauch bedrucktes Papier. Ich muss die Bücher anfassen und riechen können. In die meisten meiner Bücher habe ich irgendwas rein gekritzelt, Notizen, Songfragmente, irgendwelche Gedanken, die sich aus der Geschichte im Buch entwickelt haben. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie zum Beispiel Sonnenmilch und so ein Computer zusammenpassen sollen. Kokosnussöl und Papier dagegen, das geht irgendwie zusammen.


Mark Knopfler

Patrick O’Brian: „Kurs auf Spaniens Küste“ (Ullstein)

In „Haul Away“ geht es um den Aberglauben, die Mythen, die Seeleute pflegen. So glauben sie zum Beispiel, dass bestimmte Leute dem Schiff Pech bringen. Darüber erzählt Patrick O’Brian in seinem Buch „Kurs auf Spaniens Küste“. Da begeht ein Junge Selbstmord, indem er sich an eine Kanonenkugel kettet und dann vom Schiff springt. Ich selbst bin zwar nicht abergläubisch. Aber wenn ich so etwas lese, bin ich einfach nur dankbar, dass ich so viel Glück habe. Dass ich immer noch das tun kann, was mir Spaß macht.


Pet Shop Boys

Neil Tennant: Hilary Mantel: „Bring up the Bodies“ (Harpercollins) (ab Februar in Deutschland unter dem Titel “Falken”)

Neil: Mir hat zuletzt dieses Buch gefallen, das bei uns in England ein Bestseller war: Hilary Mantel, „Bring Up the Bodies“.

Chris: Ich dachte, du sagst jetzt „Fifty shades of Grey“.

Neil: Ach, ich versteh diesen Hype um „Fifty Shades of Grey“ nicht. Das ist so ein Erotikbuch, ein Riesenerfolg, das ist wirklich ein Phänomen in England. Ich glaube, das Buch wird nur von Frauen gelesen. Und inzwischen gibt es schon ganz viele Fortsetzungen davon. Nein, ich fand „Bring Up The Bodies“ von Hilary Mantel toll. Das ist die Fortsetzung von „Wölfe“. Damit hatte Mantel schon den Booker Prize gewonnen. Und für diese Fortsetzung hat sie wieder einen bekommen. Sie schreibt hier über das Tudor England unter Heinrich VIII. Normalerweise lese ich sowas nicht. Ich mag historische Romane nicht wirklich. Aber dieses Buch ist sehr gut geschrieben.


Y’Akoto

Chris Cleave: „Little Bee“ (dtv)

Mich faszinieren die beiden weiblichen Charaktere in dem Buch, das Mädchen und auch die Frau. Ich glaube, ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen. Ich war da grad in Nairobi und habe dort gedreht. Mich hat diese Relienz (Widerstandsfähigkeit - Anm. der Redaktion) fasziniert. Die habe ich auch schon bei Leuten erlebt, die ich gut kenne. Und natürlich kenne ich das aus bestimmten Fernsehsendungen. Auch wenn es da fiktiv ist - mich fasziniert es einfach, wenn Leute immer weiter machen. Ich hoffe, dass ich auch so bin.


Joss Stone

Mikey Walsh: „Gypsy Boy“ (Hodder & Stoughton)

Wenn ich ein Buch lese, brauche ich meistens vier Monate, bis ich es durch habe. Weil ich es immer wieder weglege. Ich lese nicht schnell. Im Moment lese ich gerade „Gypsy Boy“, das ist wirklich traurig. Aber ich will es unbedingt bis zum Ende durchlesen. Weil ich wissen muss, wie es ausgeht. Es ist eine autobiografische Geschichte, und es geht da um diesen Jungen, der in einer Gypsy Familie aufwächst und von seinem Vater misshandelt wird. Eine schreckliche Geschichte. Den Vater würde ich am liebsten umbringen. Ich weiß, dass es dem Jungen jetzt gut geht, weil er ja das Buch geschrieben hat. Deshalb muss ich die Geschichte unbedingt bis zum Ende lesen. Ich will sicher gehen, dass sich der Junge noch richtig an seinem Arschlochvater rächt. Ich gehe immer emotional voll mit bei solchen Sachen.


Max Mutzke

Walter Moers „Der Schrecksenmeister: ein kulinarisches Märchen aus Zamonien“ (Piper)

Ich höre sehr viele Thriller und Krimis. Sehr gerne Krimis, gerade Henning Mankell zum Beispiel, Stieg Larsson, um jetzt da auch mal die bekanntesten zu nennen. Oder Simon Beckett, da hat mir „Kalte Asche“ sehr gut gefallen. Als Hörbuch fand ich vor allem „Der Schrecksenmeister“ von Walter Moers gut. Das ist ja angeblich nur als Hörbuch richtig toll, weil man beim Lesen zu sehr verwirrt wird. Deswegen braucht man einen, der einem die Geschichte vorliest, damit man sie versteht, weil da so viele lustige Worte drin vorkommen, die es nicht gibt. Ich fand das Hörbuch fantastisch. „Der Schrecksenmeister“ spielt auch in Sledwaya, setzt also die Zamonien-Geschichte fort. Und da gibt es eine Kratze, das ist eben nicht eine Katze, sondern eine Kratze. Der Unterschied ist, dass diese Kratze aussieht wie eine Katze. Aber sie kann automatisch alle Sprachen von Fabelwesen, von irgendwelchen Phantomwesen, aber auch von allen Tieren und Menschen, mit denen sie spricht, verstehen und auch in dieser Sprache antworten. Und der Schrecksenmeister ist ein Alchimist, der aus allen Lebewesen Fette gewinnen will, weil in den Fetten angeblich die Energie und auch das Wissen von Tieren gespeichert ist.


Donald Fagen

Harry Grey: „The Hoods“ (blackmask.com)

Die Idee zu meinem Song „Good Stuff“ habe ich von einer Gangstergeschichte. Ich habe mich schon immer für jüdische Gangster aus den 30er Jahren interessiert. Ich habe viele Bücher über das Leben der Gangster in dieser Zeit gelesen. Und darunter auch die Vorlage für den Sergio-Leone-Film „Es war einmal in Amerika.“ Da geht es ja um einen jüdischen Gangster, der im Knast gesessen hat. Es ist kein wirklich gutes Buch. Aber das Leben in den 20er und 30er Jahren ist darin sehr detailliert beschrieben. Und auch wie dieser Typ Noodles auf die schiefe Bahn geriet.