„Borat“ und „Brüno“ waren gestern, Sacha Baron Cohen ist jetzt ein durchgeknallter Gewaltherrscher in „Der Diktator“. Kinomän Jo Müller meint: Niveauloser Schwachsinn, aber urkomisch.
Die Komödie bietet eigentlich genau das, was jeder von Sacha Baron Cohen erwartet: Derbe Scherze, geschmacklose Witze, zynische Gags. Das geht schon im ersten Bild los: Eine Widmung an den kürzlich verstorbenen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il. Im Gegensatz zu „Borat“ gibt’s hier aber keine Dokumentarszenen dazwischen, das Ganze ist ein reiner Spielfilm.
Im Mittelpunkt steht der bärtige Despot General Aladeen, der die Welt wegen seines Nuklearprogramms in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings versichert er bei seiner Ansprache, dass dieses Atomprogramm nur für friedliche Zwecke eingesetzt werde. Während er das sagt, kriegt er einen Lachanfall, den er nur mit Mühe unterdrücken kann. Aladeen will eine Rede vor den Vereinten Nationen halten, reist nach Amerika, wird entführt und durch einen Doppelgänger ersetzt. Der Diktator kann sich befreien, wird aber ohne Bart nicht erkannt und läuft durch New York City.
Die Story selbst dient nur als Aufhänger für eine Gag-Nummernrevue, die politisch absolut inkorrekt und teilweise jenseits der Schmerzgrenze ist. Sacha Baron Cohen übergießt alle und jeden mit hämischem Spott und gefällt sich sichtlich in der Rolle des Riesenrüpels. Was zur Folge hat, dass er in einer Szene mit seinem entblößten Gemächt gegen eine Glasscheibe klatscht. In einer anderen Szene, bei der er Geburtshilfe leistet, kommt plötzlich der Klingelton seines Handys aus dem Inneren der Frau. Als das Baby dann auf der Welt ist, spricht er den Eltern sein Beileid aus: „Es ist ein Mädchen“, meint er, „gibt’s hier einen Mülleimer?“
Es wirkt fast so, als ob der Erfolgs-Komiker hier Amok läuft. Auch in diesem Film versucht er, auf Teufel komm raus zu provozieren und Tabus zu brechen. Das Blöde ist: Er kann das ziemlich gut. Und ich gebe zu meiner Schande zu: Ich musste tatsächlich sehr oft lachen und fand diese niveaulose Klamotte richtig komisch. Gegen meinen Willen. Aber in einer Zeit, in der politische Korrektheit zur Ideologie geworden ist, lässt sich eben auch über so einen schamlosen Schwachsinn lachen.