George Clooney ist im Kino gerade omnipräsent. Im Dezember mit „The Ides of March“, jetzt mit „The Descendants“. Dafür bekam Clooney schon den Golden Globe. Ein Oscar ist noch auch drin, findet Kinoman Jo Müller.
George Clooney ist schlicht phantastisch und hat die allerbesten Chancen einen Oscar für diese Rolle zu kriegen. Vor allem weil es der coole Clooney schafft einen absolut uncoolen Typen glaubwürdig darzustellen. Er verkörpert einen Anwalt namens Matt King, der mit seiner Familie glücklich, zufrieden und wohlhabend auf Hawaii lebt. Aber von einem Moment zum nächsten bricht sein wohlgeordnetes Leben zusammen: seine Frau verunglückt bei einem Speed-Boat-Ausflug und liegt im Koma. Die Ärzte haben sie aufgegeben. Matt, der sich bisher mehr um seine beruflichen Aufgaben als um seine Familie gekümmert hat, muss sich jetzt mit seinen beiden Töchtern auseinandersetzen: Der 10jährigen Scottie: Völlig unkontrollierbar und zu jeder dreisten Geschmacklosigkeit bereit. Und der 17jährigen Alexandra: Die gerne über den Durst trinkt und mit extrem merkwürdigen Freunden im Haus aufschlägt. Das klar strukturierte Leben verwandelt sich für den armen, komplett überforderten Matt in ein wahnwitziges Chaos. Er verliert den Boden unter den Füssen. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erfährt er von seiner Tochter Alexandra eine schreckliche Wahrheit über seine Frau. Nun macht sich Matt mit seinen beiden Töchtern auf, den Liebhaber seiner Frau zu finden.
Der Film ist eine ebenso warmherzige wie mitreißende Mixtur aus Drama und Komödie. Traurig und Lustig zugleich. Zudem dicht bevölkert mit schrägen, kauzigen Charakteren. Aber egal wie durchgeknallt die Leute hier auch sind: Sie werden nicht vorgeführt und dem Gelächter preisgegeben, sondern es wird gezeigt, warum sie sind wie sie sind. Regisseur Alexander Payne hat einen Sinn für Außenseiter und verschrobene Typen. Seine Weinkenner-Tragikomödie „Sideways“ war Weltklasse und mit diesem neuen Film hat er sich sogar noch übertroffen.
Allein schon der verzweifelt herumschlurfende George Clooney, bekleidet mit Schlabber-Shirt und Shorts ist das Eintrittsgeld wert. Keine Frage: Diesen Film muss man gesehen haben.