Mitfahr-App Flinc Spontane Mitfahr-App Flinc

Mitfahrzentralen gibt es schon. Sich mit dem Smartphone oder mit dem PC übers Internet zu kurzfristigen Fahrten zu verabreden, ist allerdings neu. Die Mitfahr-App verknüpft Pendler, Autolose und Sonstige miteinander. Wie's funktioniert, erfährst du hier.

Am Anfang war es nur eine Projektarbeit innerhalb ihres Studiums. Doch mittlerweile haben Benjamin Kirchner (Bild u.) aus Backnang und Michael Hübl aus Schlüchtern eine eigene Firma gegründet. Flinc – so heißt das Start-Up mit Sitz in Ludwigshafen, will die automobile Welt verändern.

Menschen miteinander verknüpfen

Durchschnittlich sind in jedem PKW drei Sitzplätze frei. Ein PKW wiegt durchschnittlich 1,5 Tonnen – für den Transport von lediglich einer Person. Über 80 Prozent aller Fahrten mit dem PKW sind kürzer als 40 Kilometer. Mit diesen statistischen Daten fing die Grundüberlegung der Flinc-Gründer an. Dazu kam der ökologische Gedanke und das Aufkommen von Smartphones. Mit diesen Faktoren wuchs eine Internetseite und die dazugehörige App für das iPhone: Intelligent, einfach und ohne großen Aufwand die Menschen miteinander verknüpfen, die ähnliche Wegstrecken zurücklegen wollen oder müssen. In der Region Friedrichshafen war die erste Testregion. Angela Sauter war von Anfang an dabei: „Es ist ja schon genug Verkehr auf den Straßen und einfach auch um sich zu unterhalten und die Fahrt nicht so langweilig zu machen, nehme ich gerne Leute mit.“

So funktioniert's:

Egal ob kurze und spontane Fahrten, die Reise zur Oma an die Nordseeküste oder die tägliche Fahrgemeinschaft vom Land in die Stadt – Flinc funktioniert für alle. Einloggen auf dem PC oder Smartphone und zuerst ein eigenes Profil anlegen. Im nächsten Schritt dann die eigenen Fahrten oder die Fahrtwünsche eintragen. Fahrten lassen sich dann nach dem Facebook-Prinzip teilen. Das Ganze funktioniert auch automatisiert – wenn ich beispielsweise täglich die gleiche Strecke fahre. Will jemand mit mir fahren, zeigt der PC oder die Smartphone-App mir dies an. Wen ich als Mitfahrer mitnehmen will, kann ich anhand des Nutzerprofils und der Bewertungen entscheiden. Umgekehrt funktioniert das natürlich auch, wenn ich bei jemandem einsteigen will. 

Bewertungen für gutes Fahren und aufgeräumte Autos

Nach jeder Fahrt werden die Nutzer aufgefordert, sich gegenseitig zu bewerten. Ist der Fahrer zu schnell gefahren oder hat der Mitfahrer einen zugetextet? So ergibt sich schnell ein ehrliches und vertrauenswürdiges Netzwerk von Nutzern. Ich kann beispielsweise auch sehen, ob einer meiner Freunde und Bekannten im sozialen Flinc-Netzwerk mit der entsprechenden Person bereits gefahren ist – eine Art Vertrauensbonus. Auch Angela Sauter aus Friedrichshafen achtet sehr auf die Bewertungen „Also jemand Unbekanntes, der keine Bewertung hat, da würde ich natürlich sagen: Den nehm ich lieber nicht mit. Aber jemand mit sehr vielen positiven Bewertungen, den ich nicht kenne, den würde ich schon mitnehmen“.

Interview mit Michael Hübl bei in.puncto

Michael Hübl (Quelle: SWR3.de) Um dieses Audio oder Video anzuzeigen, benötigst Du den Flash Player von Adobe, den Du hier herunterladen kannst

Die Flinc-Nutzer können sogar Geld verdienen und sich die Fahrtkosten gegenseitig gutschreiben. Doch Nutzerin Angela Sauter macht es nur aus Spaß und um nette Leute kennenzulernen: „Für meine tägliche Fahrtstrecke von acht Kilometer würde ich vielleicht einen Euro bekommen!“ In der Tat orientieren sich die Kosten am öffentlichen Nahverkehr. Flinc-Gründer Benjamin Kirchner: „Jeder Fahrer kann entscheiden, ob er für seine Fahrt Geld verlangt und wie viel. Unsere App macht nur einen Vorschlag. Und wenn ich als Fahrtsuchender ein Angebot bekomme, sehe ich ganz genau, was der Fahrer von mir für diese Fahrt verlangt.“

Übrigens:
Am Anfang wird Flinc kostenlos sein – doch irgendwann soll sich das Projekt auch refinanzieren. Flinc-Gründer Benjamin Kirchner gibt schon einen Ausblick „Vermutlich ab Herbst wird die Nutzung von Flinc nicht mehr kostenlos sein. Mehr als einen niedrigen zweistelligen Cent-Betrag für eine Vermittlung wird aber nicht anfallen!“