SWR3 Report: Sportsucht Wenn der Spaß aufhört

Rund 800.000 Menschen in Deutschland sind sportsüchtig. Doch ab wann bin ich sportsüchtig? Wenn ich jeden Tag eine Stunde laufe oder mehrmals in der Woche ins Fitnessstudio gehe?

Mediziner und Sport-Psychologen sagen, ein Mensch ist dann sportsüchtig, wenn er Sport nicht mehr aus Spaß macht, sondern sich dazu zwingen muss. Wenn er sogar dann Sport macht, obwohl er krank ist, Fieber hat oder ihm die Knie weh tun. Wenn er genau wie ein Alkoholiker Entzugserscheinungen bekommt, wenn er mal keinen Sport macht: der Betroffene wird nervös, fängt an zu schwitzen, kann nachts nicht mehr schlafen. Jemand ist sportsüchtig, wenn er zum Einzelgänger wird, sich zurückzieht, nicht mehr mit Kollegen etwas trinken oder mit Freunden ins Kino geht. Wenn er sich dafür Ausreden einfallen lässt, weil er die Zeit braucht, um sein Sportprogramm durchzuziehen.

Sportsüchtige werden vom Sport dominiert, ziehen sich völlig zurück. Sie gehen nicht mehr ins Fitnessstudio, um sich danach wohl zu fühlen, sondern sie leiden regelrecht. Sie trainieren nicht mehr für einen Wettkampf oder um fit zu bleiben, sondern um sich selbst zu bestrafen – so beschreiben es zumindest viele Süchtige.

Oft an andere Verhaltenssüchte gekoppelt

Der Auslöser für diese Sucht können Beziehungsprobleme sein, Probleme mit der Familie oder auch im Job. Meist ist es so, dass Sportsucht an eine andere Verhaltenssucht gekoppelt ist. Häufig ist es eine Essstörung. Davon sind vor allem Frauen zwischen Mitte 20 und Ende 30 betroffen. Sie wollen mit aller Gewalt abnehmen, essen kaum noch etwas und versuchen, durch Sport weiter abzunehmen. Was dazu führt, dass sie sich in einer Art Hamsterrad befinden – und da können Sportsüchtige meist nur noch mit ärztlicher Hilfe wieder rauskommen.

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