SWR3 Report – Das Leben als Single Singles in der Soziologie

Wie sieht unsere Gesellschaft die immer größer werdende Zahl der Singles? Die einen sehen die große Freiheit: Hier und da mal eine Bettgeschichte. Andere sind eher kritisch.

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Stefan Hradil (Quelle: SWR3.de)

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Stefan Hradil

Foto: SWR3.de

SWR3-Rheinland-Pfalz-Reporter Ralph Günther hat mit Deutschlands Nummer-Eins-Single-Forscher an der Mainzer Uni gesprochen. Und der gibt erst mal Entwarnung: Auf dem Weg in eine Single-Gesellschaft sind wir nicht – aber es wird viel über sie gelästert...

„Sozialschmarotzer, zu faul, um Kinder groß zu ziehen – die kritischen Töne werden lauter", so Hradil.

Der Soziologie-Professor von der Mainzer Uni beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Singles und damit, was die Gesellschaft über sie sagt. Gerade Pärchen finden die Spezies „Single“ sehr spannend, bewundern oft deren gelebte Freiheit. Neid kommt immer seltener auf. Was in den 90ern noch ganz anders war. „Der 1990er Single erfreute sich zu einem höheren Grade des Ansehens. Die Werbung zeigte den Single von seiner Dachterrassenwohnung, der runter guckt auf sein Cabriolet.“

Seitdem hat die Zahl der Singles stetig zugenommen. Und sie steigt auch heute noch, so Professor Hradil. Dabei ist die Zahl der überzeugten Singles eher klein: „Die meisten sind ins Single-Dasein geraten nach mehreren gescheiterten Beziehungen, nach dem Gefühl, dass ich mich jetzt erstmal sortieren muss, dass ich erstmal gucken muss, was ich eigentlich haben will, nach einer ganzen Reihe von schlechten Erfahrungen.“

Und so reizvoll und spannend für Pärchen das Single-Dasein sein mag – die einfachere Lebensform ist es laut Hradil definitiv nicht:

„Singleleben ist teuer, es ist erklärungsbedürftig vor sich selbst und vor anderen. Warum bin ich eigentlich Single? Ein Verheirateter muss nie erklären, warum er eigentlich verheiratet ist, und es tut den meisten Menschen nicht gut auf die Dauer allein zu leben.“

Und dann erzählt mir der Professor von den Singles als gute Konsumenten, glänzende Steuerzahlen, sie sind oft verheiratet mit dem Beruf, lieben ihre Karriere, lieben neue technische Geräte und beschreibt damit genau MICH. Dabei hab ich eine Freundin… Als ich nachhake, lächelt er und antwortet: „Tja, Singles haben sich seit Jahrzehnten kaum verändert, Beziehungen aber schon…“

Man könnte etwas ironisch sagen: Vielleicht gibt es heute mehr Singles innerhalb von Beziehungen, als außerhalb von Beziehungen.

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