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„Wer meine Musik hört, lernt mich kennen.“

„Joyful“ heißt das Debütalbum von Sängerin Ayo. Ihre Musik klingt nach Sommer, nach hoffnungsvoller Melancholie und unendlicher Freude. Denn Ayo. bedeutet übersetzt: Freude. Mit SWR3-Moderator Kristian Thees hat die 26-Jährige über ihr turbulentes Leben gesprochen.


„Wenn man in Nigeria einen Namen vergibt, dann soll der Name das Kind durchs Leben führen. Irgendwann wird es eins mit seinem Namen. Ich glaube, bei mir ist das wirklich so.“ Ayo. lacht, wie so oft während des Interviews. In der westafrikanischen Sprache Yoruba wird der Name mit einem Punkt versehen. Ayo. bedeutet Freude und genau das vermittelt die junge Sängerin. Wenn sie singt, scheint es als würden Hintergrundgeräusche auf einmal verstummen. „Musik ist für mich Selbsttherapie, sie gibt mir Hoffnung.“ Ayo. wippt auf dem Drehstuhl hin und her, wirft den Kopf zurück und lacht. Mal wieder. Ganz offen redet sie mit SWR3-Moderator Kristian Thees über ihre Vergangenheit, die alles andere als gewöhnlich ist.

Ayo. ist in der Welt zu Hause

„Über meine Familie könnte ich eine ganze Enzyklopädie schreiben.“ Ihr Vater kommt aus Nigeria, die Mutter ist eine Sinti mit rumänischen Wurzeln. Seit Ayo. denken kann, führt die Familie ein Nomadendasein – sie wohnt mal in Deutschland, mal kurzzeitig in Nigeria. „Ich kann mich überall zu Hause fühlen, wenn ich mich wohlfühle. Früher habe ich immer gesagt, ich bin da zu Hause wo mein Vater ist. Heute ist es da, wo meine Familie ist, mein Sohn Nile und mein Freund.“ Als sie sechs Jahre alt ist, wird ihre Mutter drogenabhängig. „Das hat alles verändert,“ erzählt sie. Die Mutter gerät auf die schiefe Bahn und trennt sich von der Familie. Ayo. wächst bei ihrem Vater auf, zusammen mit ihrer Schwester und zwei Brüdern. Das Abitur bricht sie ab und entschließt sich mit gerade mal 21 Jahren nach London zu ziehen. „Ich musste Deutschland verlassen, um zu mir selbst zu finden.“ Aber auch dort hält sie es nicht lange aus, packt wieder ihre Koffer. „Als ich das erste Mal weggegangen bin, da habe ich gemerkt, ich muss weiter weggehen, ich muss mich bewegen können. Ich brauche diese Freiheit.“ Ayo. pendelt zwischen Paris und New York.

„Meine Musik klingt nach mir“

Das einzig Beständige in Ayo.s Leben ist die Musik. Vielleicht ist das sogar ihre Heimat, wenn sie singt fühlt sie sich wohl und geht vollkommen in ihren Liedern auf. Die Liebe zur Musik hat sie wohl von ihrem Vater. Er arbeitete zeitweilig als DJ und hatte unendlich viele Platten. Von Pink Floyd und Bob Marley, bis Bunny Wailer und den Soul Children. „Bei mir zu Hause war immer gute Musik.“ Ayo. trommelt mit ihren Fingern auf das Mischpult. Geige war ihr erstes Instrument, da ist sie sechs Jahre alt. Mit 10 Jahren wechselt sie zum Klavier und landet letztendlich bei der Gitarre. Genauso wenig wie bei der Frage nach ihrer Heimat, lässt sich Ayo. bei ihrer Musik einordnen. „Ich sage immer ‚Soregfrofolk’. Soul, Reggae, Afro und Folk. Auch ein bisschen Blues ist drin. Die Grenzen verschwimmen, wie bei mir selbst. Meine Musik klingt nach mir. Wenn man meine Musik hört, dann lernt man mich kennen.“ 

Die erste Single von Ayo. – „Down On My Knees“

Und damit hat sie recht. Ayo. wirkt herrlich unkompliziert und sympathisch. Ihre Musik klingt nach Sommer, nach unendlicher Freude und hoffnungsvoller Melancholie. Sie schafft die Gratwanderung – ernste Themen mit wunderschöner Musik zu verbinden. „Englisch ist die Sprache, in der ich mich, wenn ich singe, am besten ausdrücken kann. Das ist der einzige Moment, in dem ich wirklich sagen kann, was ich meine.“. In der erste Single „Down On My Knees“ aus ihrem Debütalbum „Joyful“ singt Ayo. über die Trennung von ihrem Freund. „Im Nachhinein habe ich die Geschichte verarbeitet und das gesagt, was ich damals hätte sagen sollen. Es ist immer besser ehrlich zu sein. Nennen wir es Schicksal, aber jetzt haben wir ein Kind und sind glücklich.“ Ayo. ist mit dem Sänger Patrice liiert, ihr Sohn Nile kam Ende 2005 zur Welt.