SWR3 Musik-Check Bruce Springsteen: „Wrecking Ball“

Der „Boss“ ist sauer, und zwar richtig. Auf seinem neuen Album bekommen raffgierige Wall-Street-Banker, unmoralische Aktienspekulanten und gnadenlose Immobilienmakler so richtig ihr Fett weg. „Wrecking Ball“ ist eine wütende und ungeschminkte Bestandsaufnahme des heutigen Amerikas.

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Mit einem breiten Grinsen im Gesicht schlurft Bruce Springsteen auf die Bühne des schicken Pariser „Théatre Marigny“ und begrüßt uns mit einem lässigen: „Ihr seid die am besten aussehenden Journalisten, die ich je gesehen habe!“ Gut schaut er aus: drahtig und fit, auch wenn man ihm seine 62 Jahre inzwischen ansieht. Aber warum auch nicht? Der „Boss“ braucht weder Imageberater noch Schönheits-OPs, er ist wie er ist: Sympathisch, authentisch und hellwach. Das beweisen die elf neuen Songs, die wir zuvor in voller Länge und ohrenbetäubender Lautstärke gehört hatten. Bruce Springsteen ist wütend. Wütend auf die immer größer werdende Schere zwischen arm und reich in seiner Heimat, wütend auf die Gier der Wall Street, wütend darüber, dass niemand für die Sünden der Vergangenheit verantwortlich gemacht wurde. Musikalisch bedient er sich in Songs wie „Shackled And Drawn“, „Death To My Hometown“, „This Depression“ oder „Jack Of All Trades“ aus seinem klassischen Repertoire an Rock, Gospel und Irish Folk, schlägt aber mit elektronischen Loops und sogar sanften Raps auch moderne, für ihn eher ungewohnte Wege ein.

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Amerikanische Realität vs. Amerikanischer Traum

Wie schon auf seinen Alben „Nebraska“, „The Ghost Of Tom Joad“ oder „The Rising“ gibt Springsteen den Leidtragenden der Krise ein Forum: Dem kleinen Mann aus der Arbeiterklasse, dem Familienvater, der seinen Job verloren hat, dem Hausbesitzer, der seine Hypotheken-Zinsen nicht mehr bezahlen kann. „Meine Songs handelten schon immer von der Diskrepanz zwischen der amerikanischen Realität und dem ‚Amerikanischen Traum‘, und der Beschreibung, wie weit die beiden an einem bestimmten Zeitpunkt auseinander klaffen‘“, erzählt Springsteen. Und er stellt schon im Album-Opener und der ersten Single die Frage: „Do we take care of our own“? Kümmern wir uns in Krisenzeiten genug um uns und unsere Mitmenschen? Die Antwort darauf lässt er bewusst offen. Am Ende von „Wrecking Ball“ aber scheint so etwas wie Hoffnung durch: „We Are Alive“ und „Land Of Hope Dreams“ sind optimistische Hymnen auf eine bessere Zukunft, auf eine Zukunft, in der Realität und amerikanischer Traum wieder näher zusammen rücken. „Land Of Hope And Dreams“, das es 1999 schon in einer Live-Version gab, ist übrigens der letzte Song, auf dem der 2011 verstorbene E-Street-Band-Saxofonist Clarence „Big Man“ Clemons zu hören ist. „Ich vermisse ihn sehr“, trauert Springsteen auch heute noch um seinen Freund, „aber diesen Song mit ihm zu hören, ist ein wunderschöner Moment“.

Die Details

Cover Wrecking Ball (Quelle: Sony)

CD Wrecking Ball

Foto: Sony

Tracklist: Bruce Springsteen: „Wrecking Ball“

  1. We Take Care Of Our Own
  2. Easy Money
  3. Shackled And Drawn
  4. Jack Of All Trades
  5. Death To My Hometown
  6. This Depression
  7. Wrecking Ball
  8. You've Got It
  9. Rocky Ground
  10. Land of Hope and Dreams
  11. We Are Alive
  12. Swallowed Up
  13. American Land