Ich + Ich sind wieder da. Das Duo Annette Humpe und Adel Tawil macht immer noch außergewöhnlich gute Popmusik. Textlich werden sie ihrem Ruf gerecht, sich im Vergleich mit anderen ein paar Gedanken mehr zu machen.
Die beiden sind schon ein ungewöhnliches Paar im Musik-Geschäft. Annette Humpe als Ex-Sängerin von Ideal ist immer noch die NDW-Ikone. (Für die ganz jungen: Neue Deutsche Welle war eine sehr populäre Musikrichtung in Deutschland in den Achtzigern). Das andere Ich, Adel Tawil, ist 29 Jahre jünger als Annette und hat eine klasse Soul-Stimme. Er übernimmt auf dem neuen Album „Vom selben Stern“ fast den kompletten Gesangspart. Annette Humpe ist da mittlerweile eher zur Produzentin und Ideengeberin geworden. Für meistens musikalisch verspielte Songs, deren Texte durchdacht und nachdenklich sind. „Mir geht es nach wie vor um Gefühle. Eine Party-Platte könnte ich gar nicht machen,“ sagt Annette Humpe. Sehr deutlich wird das beim „Schütze mich“, den sie selbst wie eine Art gesungenes Gebet vorträgt. Ein weiterer bemerkenswerter Song ist „Wenn ich tot bin“, zu dem Adel nur sagt: „Das ist das Härteste, was ich je gesungen habe!“ Sparsam instrumentiert singt er da Zeilen wie „Wenn ich tot bin, warte ich auf dich im Paradies“. Damit berühren Ich + Ich ganz bewusst die Grenze zur Schnulze. Im Kontext wird daraus aber viel mehr als einfach nur ein Liebeslied. Insgesamt schaffen es Ich + Ich mit intelligenten Popsongs, die Spannung des gesamten Albums sehr hoch zu halten. Und so bleibt eigentlich nur noch übrig, diesem Duo für eine ungewöhnlich gelungene Mischung zweier Musik-Generationen zu gratulieren.