.: Juanes: „La Vida Es Un Ratico“
.: SWR3 Poplexikon - das Musik-Archiv: CD-Tipp
Wie seine Fans ihn lieben: Juanes gelingt auf seinem neuen Album „La vida es un ratico“ die perfekte Mischung aus persönlichen und sozialkritischen Songs.
„La vida es un ratico“, das Leben ist nur ein Moment, sagte die knapp 80-jährige Mutter jüngst zu ihrem Sohn Juanes, als dieser ratsuchend zu ihr kam. Juanes hatte sich von seiner Frau getrennt, die Presse hatte ihre Schlagzeilen und der kolumbianische Superstar machte eine schwere Krise durch. Sie gab ihm auf den Weg, sein Leben trotz aller Probleme zu genießen, da es für alles eine Lösung gebe, auch wenn sie noch so weit weg zu sein scheint. Die Krise ist inzwischen überwunden, Juanes ist zurück bei Frau und Kindern, das neue Album aber ist geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen. Der Satz seiner Mutter gab dem Werk schließlich seinen Titel. Juanes singt von der Bürde des Lebens („Difícil“), von seiner Endlichkeit („La vida es un ratico“) und davon, dass man trotz allem aufstehen muss und es irgendwie weiter geht („No creo en el jamás“). Ernste Themen, verpackt in oftmals zuckersüße Melodien und heiße Rhythmen. Und genau das ist auch die Stärke von „La vida es un ratico“.
Kaum jemandem gelingt dieser Spagat zwischen autobiographisch motivierten Songs, Sozialkritik und Liebesliedern so glaubhaft und packend wie Juanes. Musikalisch tut er dies, wie auch bei seinen Vorgängeralben, mit einer Mischung aus Rock, sanften Balladen und den für ihn so typischen Einflüssen aus seiner Heimat Kolumbien. Spielarten wie die Cumbia oder der Vallenato mögen für unsere mitteleuropäischen Ohren zwar zunächst gewöhnungsbedürftig und fremd klingen, spannend sind sie allemal. Das Überraschendste an der neuen CD von Juanes ist wohl sein Duett mit Campino, dem Sänger der deutschen Punk-Band Die Toten Hosen. „Bandera de manos“ handelt von Völkerverständigung und den Träumen von einer besseren Welt, die man nur ohne Rassismus, Intoleranz und religiöse Engstirnigkeit auf den Weg bringen kann. Juanes singt stellenweise deutsch, Campino spanisch – auch eine Art Völkerverständigung. Und wie sagte Juanes kürzlich im SWR3-Interview: „Freude und Trauer, Liebe und Schmerz liegen doch oft so eng beieinander. Auch für mich hat das Leben nicht nur sonnige Seiten. Die Musik aber hat mich schon oft gerettet. Lasst uns feiern, lasst uns tanzen und fröhlich sein.“ Recht hat er! Und gute Musik macht er obendrein.