Fünf Jahre ohne neues Album – damit ist man heute im Pop-Business fast schon tot. Matchbox Twenty beweisen mit ihrem Comeback-Album „North“ das Gegenteil. Es ergänzt bewährte Sounds mit unerwarteten Styles. Und macht auch noch Spaß.
Wenn man „North“ in den CD-Player legt, glaubt man schon nach einer halben Minute des ersten Titels „Parade“ zu wissen: Matchbox Twenty machen dort weiter, wo sie 2007 aufgehört haben. Gut gemachter, gitarrenlastiger Pop-Rock mit der unverwechselbaren Stimme von Frontmann Rob Thomas. Auch die Themen der ersten drei Songs sind wie früher, es geht um die Faszination am weiblichen Geschlecht. Mal ist es die selbstzerstörerische Unterlegenheit („She’s So Mean“), mal das Grinsen im Gesicht vor lauter Schmetterlingen im Bauch („Overjoyed“).
Dann wendet sich das Blatt und in „Put Your Hands Up“ fordern die Rocker uns plötzlich auf die Tanzfläche. Es ist der Moment, an dem man sich entscheiden muss, ob es gut ist, dass Matchbox Twenty etwas Neues wagen oder ob man viel lieber weiter im Klang von Rob Thomas’ Stimme gebadet hätte. Gelegenheit dazu bietet sich zwar weiterhin, vor allem in den Ballade wie „I Will“ oder „Sleeping At The Wheel“, dazwischen wird man allerdings beständig mit ungewohnten Sounds überrascht. Nach den modernen Dance-Anleihen in „Put Your Hands Up“ fühlt man sich bei „Our Song“ weiter zum Bewegen getrieben. Diesmal allerdings mit Uptempo-Schlagzeug und Synthesizer. Die ungewohnten Klänge werden dann in „Radio“ auf die Spitze getrieben: Rockabilly-Gewand mit Bläsern. Gegen Ende des Albums kommt die gewohnte Matchbox-Twenty-Linie wieder zurück. Es ist wie eine Beruhigung: „Seht her, wir wissen schon, was wir können. Aber lasst uns doch unseren Spaß“. Und trotz allem Ungewohnten schaffen das die Vier mit „North“: sie vermitteln hörbar Spaß.