Musik-Check Red Hot Chili Peppers: „Stadium Arcadium“

Zwei Lehrstunden für aufstrebende Rockbands: die Red Hot Chili Peppers haben das Doppelalbum „Stadium Arcadium“ mit 28 Klasse-Songs gewohnt vielseitig zwischen Funk, Rock und Pop bestückt. Begeisterungsstürme der Fans sind jetzt schon vorprogrammiert.

Die Fan-Foren diskutieren eifrig, ob sich die neue CD mit „Californication“ (1999 veröffentlicht) oder gar mit dem Meisterwerk „Blood Sugar Sex Magic“ (1991) messen kann. Vergleiche sind immer schwierig, der Funke sollte überspringen – und ich bin bereits nach dem ersten Hördurchgang voll überzeugt: Für mich ist „Stadium Arcadium“ schon jetzt das Album des Jahres, weil es den Red Hot Chili Peppers und ihrem Star-Produzenten Rick Rubin mühelos gelingt, die Spannung über die gesamte Doppel-CD (das sind 28 Songs mit über 2 Stunden Laufzeit!) hoch zu halten. Großen Anteil daran hat der Gitarrist John Frusciante mit seinem druckvollen und sehr vielseitigen Instrumental-Einlagen. Er ist ein Besessener und feilte oft stundenlang an seinen Parts: „Mir ist es nicht wichtig, so schnell zu spielen wie Eddie Van Halen, selbst wenn ich es könnte, ich orientiere mich eher an Jimmy Page oder Eric Clapton“ beschreibt Frusciante seine eigene Arbeitsweise. Schon mit dem fulminanten Solo am Ende der Single „Dani California“ setzt der Gitarrist seinen ersten Akzent und auch bei der Hymne „Snow (Hey Oh)“ spielt er gefühlvolle Riffs.

Den Funk nie verloren

Red Hot Chili Peppers (Quelle: SWR3.de)

Red Hot Chili Peppers

Bei „Hump De Bump“ holen RHCP den Funk zurück, den sie laut eigenen Aussagen nie aufgegeben haben: „Im Proberaum spielte der Funk immer eine Rolle“ sagt Anthony Kiedis. Der Frontmann der Band gibt ebenfalls eine ganz starke Vorstellung, er singt wunderbar sentimental in der Ballade „Slow Cheetah“ und rockt gewaltig beim anschließenden „Torture Me“, das durch seine fetten Bläsersätze auffällt. Auch auf der zweiten CD reihen sich die Highlights aneinander: „Hard To Concentrate“ ist ein filigraner und sehr entspannter Akustik Rock und im druckvollen „21 Century“ setzt wieder John Frusciante den Maßstab: so klasse klingt Gitarrenrock im 21. Jahrhundert. „Readymade“ ist mit seinen pumpenden Rhythmen der perfekte Song, um jedes Stadion zum Kochen zu bringen.

Unglaubliche Stilvielfalt

Zum Abkühlen folgt die Ballade „If“, getragen nur von der Gitarre und einer hier melancholisch klingenden Stimme von Anthony Kiedis. Direkt danach gibt das Quartett wieder Gas und präsentiert mit „Make You Feel Better“ den fröhlichsten Song der Doppel-CD. Die Band schafft es problemlos, seine Zuhörer in wechselnde Stimmungen zu versetzen und sorgt auch immer wieder für Überraschungen: „Storm In A Teacup“ kommt als knallharter Crossover Rock im Stil der 90er Jahre und am Ende spielt die Band den versöhnlichen Poprock „Death Of A Martian“. Das ist ganz großes Kino für die Ohren, keine Sekunde langweilig und die RHCP können zu Recht stolz auf diese Produktion sein. Die 1 ½ Jahre Arbeit haben sich gelohnt.

Die Details

CD-Cover (Quelle: SWR3.de)

CD-Cover

Label:
Warner
Erschienen am:
05.05.2006

Tracklist: Red Hot Chili Peppers: „Stadium Arcadium“

CD 1

  1. Dani California
  2. Snow ((Hey oh))
  3. Charlie
  4. Stadium Arcadium
  5. Hump Da Bump
  6. She's Only 18
  7. Slow Cheetah
  8. Torture Me
  9. Strip My Mind
  10. Especially In Michigan
  11. Warlocks
  12. C'mon Girl
  13. Wet Sand
  14. Hey

CD 2

  1. Desecration Smile
  2. Tell Me Baby
  3. Hard To Concentrate
  4. 21st Century
  5. She Looks To Me
  6. Readymade
  7. If
  8. Make You Feel Better
  9. Animal Bar
  10. So Much I
  11. Storm In A Teacup
  12. We Believe
  13. Turn It Again
  14. Death Of A Martian