Musikmän Dirk Scherer hat an Miss Perry gerochen: So klebrig süß wie sie riecht, klingt auch ihr „Teenage Dream“
Erst dachte ich: „Was riecht denn hier jetzt so komisch? Hat jemand die Parfümabteilung durchgetestet oder steht Wolfgang Joop hinter mir?“ Dann fällt mein Blick auf die neue CD von Katy Perry, die ich frisch aus der Folie gepackt habe. Ein süßlicher Erdbeergeruch steigt mir in die Nüstern, als ich das Album aufmache und die CD im weiß-roten Candy-Look sehe. Ich checke kurz, ob auch ja keiner guckt, dann schnüffel ich ganz intensiv an der neuen CD. Und tatsächlich: Die Scheibe riecht nach Zuckerwatte! „So bescheuert“, denke ich, „dass es schon wieder irgendwie okay ist“.
„California Girls“ hat über sechs Millionen Einheiten verkauft und war damit ein mächtiger Vorbote für dieses zweite Album. Der Sound von „Teenage Dream“ ist ebenso wie die Hitsingle feinster Plastik-Pop. In meinen Ohren erreichen aber höchstens die Hälfte der genau ein dutzend Songs annähernd Hit-Potential. Songs wie „Pearl“ oder „Peacock“ sind eher Füller. Miss Perry kommt mir zu billig daher, wenn sie gefühlte 1000 Mal die Worte „Peacock, Cock, Cock, Cock“ wiederholt, um die Moralapostel auf den Plan zu rufen. Das geht subtiler und eleganter.
Wer diesen kitschigen Pop liebt, bekommt von Katy doch noch eine Handvoll übersüße Zuckerbonbons in die Schale gelegt. „Teenage Dream“, „Hummingbird Heartbeat“ oder das wirklich eingängige „Firework“ sind starke Party-Hits. Mit „Not Like The Movies“ lässt Perry ihr Zuckerwattealbum schließlich mit einer schönen Ballade ausklingen.
FAZIT: Ich habe länger an der CD gerochen als sie mir angehört...