Bereits 23 Menschen sind durch die Waldbrände in Kalifornien gestorben, fast 300 werden noch vermisst. Doch das Schlimmste ist noch nicht vorüber, denn die Flammen sind nicht unter Kontrolle.

Die Zahl der Toten bei den verheerenden Wald- und Buschbränden im Norden Kaliforniens hat sich auf 23 erhöht. Der Kampf gegen die derzeit 22 Großbrände werde noch viele Tage weiter gehen, erklärte die kalifornischen Wald- und Feuerschutzbehörde – und es könnte noch schlimmer werden.

Mann steht vor brennendem Haus in Kalifornien; Foto: dpa/Picture-Alliance

Ein Mann beobachtet sein brennendes Haus in Fountaingrove, Kalifornien

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Am Abend kalifornischer Zeit veröffentlichten die Meteorologen eine Warnung: Die Luftfeuchtigkeit werde in den nächsten Stunden abnehmen und der Wind solle an Stärke deutlich zunehmen. Böige Winde hatten in der Nacht von Sonntag auf Montag für eine schnelle Ausbreitung der Feuer gesorgt. Bereits 3.500 Häuser und 70.000 Hektar Land wurden zerstört – das entspricht etwa einer Fläche der Größe Hamburgs.

„Verschlimmern, bevor es besser wird“

Mehrere US-Bundesstaaten schickten Löschflugzeuge und Einsatzkräfte zur Unterstützung in den reichsten US-Bundesstaat. Auch eine Boeing 747 kam zum Einsatz. Die Lage in den Gebieten nördlich von San Francisco werde sich „weiter verschlimmern, bevor es besser wird“, sagte der Leiter der kalifornischen Wald- und Feuerschutzbehörde, Ken Pimlott. Auch die Zahl der Todesopfer drohe weiter zu steigen.

Im ganzen Bezirk Sonoma seien erst 285 der 600 Vermissten gefunden worden, sagte Sheriff Robert Giordano. In fast stündlichem Rhythmus fordern die Behörden in den besonders betroffenen Gebieten Napa und Sonoma Einwohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Die Feuerwehr bekämpft nur noch dort Brände, wo sie Mensch und Tier gefährlich werden können.

Santa Rosa - ein Kriegsgebiet“

Vollständig ausgebrannte Autos stehen an Straße in Santa Rosa (USA); Foto: dpa/Picture-Alliance

Vollständig ausgebrannte Autos stehen an einer Straße in Santa Rosa, Kalifornien.

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Von der am stärksten betroffenen Kleinstadt Santa Rosa, die am Fuße einer kleinen Bergkette liegt, kann man sehen, wie sich die Feuer bergaufwärts fressen. Sowohl an den Hügeln um Santa Rosa als auch in der Stadt selbst steigen Rauchsäulen auf. In Santa Rosa selbst sieht es stellenweise aus wie in einem Kriegsgebiet.

Auch am internationalen Flughafen von San Francisco machen sich die Feuer bemerkbar: 85 Flüge mussten am Mittwoch wegen der Rauchentwicklung in der sogenannten Bay Area gestrichen werden. In dem Großraum leben 7,6 Millionen Menschen. Die Behörden haben die Einwohner aufgefordert, keinen anstrengenden Tätigkeiten im Freien mehr nachzugehen. An vielen Schulen wurde der Sportunterricht im Freien bis kommenden Montag gestrichen.

Lösten umgestürzte Strommasten Brände aus?

Die Feuerwehr vermutet, dass die Brände durch umgestürzte Strommasten ausgelöst wurden. Diese stürzten auf den extrem trockenen Boden, der durch starke Winde angefachte Funkenflug sorgte schließlich dafür, dass sich innerhalb weniger Stunden die Feuer ausbreiten konnten.

Der Gouvernor von Kalifornien, der Demokrat Jerry Brown sagte auf einer Pressekonferenz in der Landeshauptstadt Sacramento: „Wir hatten in den Vergangenheit schwere Feuer. Doch dieses ist das größte und schlimmste.“

Brown vermutet, dass die USA in den kommenden Jahre Milliarden Summen aufwenden müssten, um die Folgen zunehmender Naturkatastrophen zu beseitigen. Brown spielte damit auf den Klimawandel ein. Kalifornien begreift sich innerhalb der USA als Vorreiter in Sachen Klima- und Umweltschutz.