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Bier ist in Deutschland nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut. Aber wie gesund oder ungesund ist Bier, wie zapft man es richtig und macht es wirklich impotent? Wenn du beim nächsten Grillabend oder im Biergarten richtig gut aufgestellt sein willst, dann tanke unser Angeberwissen.

1. Knapp 100 Liter Bier trinkt jeder durchschnittlich

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Trotzdem: Laut Statistischem Bundesamt trinkt der Durchschnittsdeutsche noch immer knapp 100 Liter Bier im Jahr. Damit liegt Deutschland weltweit auf Platz vier. Das meiste Bier trinken die Menschen in Bayern, 1,39 Millionen Hektoliter. Knapp dahinter liegt Nordrhein-Westfalen mit 1,38 Millionen Hektoliter. Das ist... viel!

Hier Karte zum Bierkonsum in Deutschland angucken!

2. Pils ist das beliebteste Bier

Helles, Dunkles, Bockbier oder Märzen? Es gibt viele verschiedene Sorten und Geschmäcker. Das beliebteste Bier Deutschlands ist aber das Pils, so eine Umfrage des Deutschen Brauer-Bunds. 55 Prozent der ausgeschenkten und verkauften Biere ist das Pils. Erfunden hat's übrigens ein Bayer. Natürlich sind die Vorlieben regional auch ein bisschen unterschiedlich. Der Weißbier-Äquator trennt weiterhin den Süden vom Norden. In Bayern ist damit das Weizen bzw. Weißbier der Bestseller – und das deutlich. Mehr als ein Drittel der Bayern haben es zur liebsten Biersorte auserkoren.

3. Ein gutes Pils braucht drei Minuten

Experten empfehlen eine Temperatur von acht Grad und eine relativ schnelle Zapfzeit. Der alte Spruch, dass ein gutes Pils sieben Minuten brauchen würde, ist laut Deutschem Brauer-Bund falsch. Drei Minuten, länger sollte es nicht dauern.

So zapft man richtig:

  • Pilsglas langsam mit der ersten Schaumkrone bis zum oberen Rand füllen.
  • Warten, bis sich der Schaum gesetzt hat.
  • Jetzt nachzapfen und damit das Bier mit der perfekten Krone versehen.
  • Insgesamt sollte das nicht länger als drei Minuten dauern.

4. Das Reinheitsgebot war eine Reaktion auf Ochsengalle

Während in anderen Ländern Bier auch mit Ananassaft gemischt werden darf, ist das in Deutschland natürlich ein No-Go. Ein Bier ist nur ein Bier, wenn es das Reinheitsgebot erfüllt. Das Reinheitsgebot haben die Bayern erfunden, am 23. Juni 1516 hat es Herzog Wilhelm IV. für alle bayerischen Bierbrauer erlassen. Damit sollte die Qualität des Bieres abgesichert werden. Denn damals wurden zur Herstellung auch Ochsengalle, Eichenrinde oder Erbsen verwendet.

Wie gut ist Deutschlands Bier?

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Das darf rein ins Bier:

  • Gerstenmalz
    Zur Malzherstellung sollte erst einmal Gerste verwendet werden. Heute ist das nicht immer so: Abhängig von der Biersorte wird Malz inzwischen aber auch aus Weizen gewonnen.
  • Hopfen
    Der typisch bittere Biergeschmack kommt vom Hopfen, der je nach Anteil variiert. So ist in einem hellen Pils beispielsweise weniger Hopfen drin als in einem normalen Pils.
  • Hefe
    Wichtig für den Geschmack ist außerdem die Hefe. Dabei wird zwischen obergärigen Hefen für Weizen- und untergärigen Hefen für Gerstenmalz unterschieden. Bei untergärigen Bieren, wie beispielswiese dem Pils, setzt sich die Hefe am Boden des Braukessels ab. Bei den obergärigen Bieren hingegen schwimmt sie oben auf dem Sud.
  • Wasser
    Auch das verwendete Wasser hat Auswirkungen auf den Geschmack des Bieres. Deshalb gibt es Qualitätsstandards für Brauwasser. Die Auflagen hierfür sind in Deutschland sogar höher als die von normalem Trinkwasser.

5. Bier ist nicht „bekömmlich“


Bei aller Tradition und Liebe zum Bier – es ist und bleibt ein alkoholisches Getränk. Deshalb gibt es auch Regeln, wie dafür geworben werden darf. Gerade hat der Bundesgerichtshof ein Urteil gefällt, das es Herstellern verbietet, mit dem Begriff „bekömmlich“ zu werben. In der Begründung heißt es, dass das eine gesundheitsbezogene Angabe sei – dem Verbraucher also vermitteln würde, dass Bier besonders gut für den Körper und die Gesundheit sei. Solche Angaben sind nach der EU-Health-Claims-Verordnung für alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent verboten.

Die Nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben dürfen nicht falsch oder irreführend sein und müssen vom aufmerksamen, durchschnittlichen Verbraucher verstanden werden. Die Angaben müssen sich auf allgemein akzeptierte wissenschaftliche Daten stützen und durch diese abgesichert sein.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

6. Bier macht nicht impotent

Sie ist nicht totzukriegen: die Binsenweisheit, dass Bier angeblich impotent macht. Angeblich soll der Bierkonsum sogar dafür sorgen, dass Männern Brüste wachsen. Die Erklärung: Im Hopfen sind Östrogene, weibliche Hormone. Diese Hormone sind in der Pflanze durchaus nachweisbar. Aber: Sie überleben den Brauprozess nicht, denn beim Kochen und Trocknen gehen sie weitgehend kaputt. An der Universität München wurde festgesellt: Um irgendeine Wirkung mit den Östrogenen zu erzielen, müsste man 1.000 Liter Bier am Tag trinken. Allerdings haben Forschungen der Münchner Mediziner gezeigt, dass mit steigendem Bierkonsum das Risiko zunimmt, Herzrhythmusstörungen zu bekommen. Das ist jetzt ja auch nicht besser – also, immer schön in Maßen trinken.

7. Bier sorgt für schöne Haut

Im Bier sind Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine – vor allem das Malz liefert viele B-Vitamine (vor allem B2, B6) und Niacin, das etwa bei zu hohen Cholesterin-Werten helfen kann. Und dann gibt es noch die Phosphorsäure, ein Mineralstoff, der wichtig für den Zellaufbau ist. Und: Bier hat wenig Natrium – das ist gut für den Blutdruck.

Das gesündeste Bier ist übrigens das Naturtrübe. Das sieht ein bisschen aus wie naturtrüber Apfelsaft. Und tatsächlich enthält die Hefe im Bier viele B-Vitamine, die unter anderem gut für die Haut sind. Sehr deutlich ist der Unterschied zu filtrierten klaren Bieren auch bei dem Stoff Xanthohumol (einem Wirkstoff aus dem Hopfen), dem allerlei gesundheitsförderliche Wirkungen zugeschrieben werden.

8. Bier macht glücklich

Allein der Geschmack sorgt für eine erhöhte Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Das haben mehrere Studien, unter anderem von der Universität Erlangen-Nürnberg gezeigt. Hier haben die Wissenschaftler insgesamt 13.000 Lebensmittelinhaltsstoffe daraufhin untersucht, ob sie das sogenannte Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren – und damit für ein zufriedenes, glückliches Gefühl beim Konsumenten sorgen. Der Gewinner ist der Stoff Hordenin, ein Inhaltsstoff von Gerstenmalz und Bier.

9. Der Alkohol lässt schlechter schlafen

Der enthaltene Alkohol tut in Sachen Glücklichsein vermutlich bei den meisten Biertrinkern den Rest. Da sind wir auch schon beim ABER: Denn der Alkohol ist natürlich nicht gesund, der belastet die Niere. Er hilft zwar beim Einschlafen, stört aber beim Durchschlafen... da ist es dann vermutlich auch schon wieder vorbei mit den Glücksgefühlen.

Wie erholt sich der Körper vom Alkohol?

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10. Die meisten Kalorien hat ein Doppelbock

Insgesamt überwiegen damit insbesondere bei größeren Mengen Bier die negativen Eigenschaften, so schätzt es unsere SWR-Ernährungsexpertin Susanne Henn ein. Ihr Tipp: Alkoholfreies Bier trinken. Das hat die gleichen positiven Eigenschaften, aber natürlich nicht die negativen Faktoren des Alkohols – und es hat auch nur halb so viele Kalorien.

Das alkoholfreie Bier hat also am wenigsten Kalorien, 30 Kalorien auf 100 Milliliter Bier. Das ist sogar weniger, als in einem Glas Apfelsaft drin ist. Bei alkoholischem Bier sieht's schon ein bisschen anders aus, auch wenn es zwischen den Sorten doch große Unterschiede gibt.

BiersorteKalorien (kcal)/100mlKilojoule (KJ)/100ml
Alkoholfreies Bier30131
Pils41177
Weizenbier52222
Doppelbock55230
Autor
Kira Urschinger
Autor
SWR3