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Plastik – das ultimativ Böse, das Umweltmonster in unserem Alltag. Aber ist Plastik wirklich so schlimm? Sind Papiertüten tatsächlich besser als Plastiktüten und muss ich den Joghurtbecher wirklich ausspülen, bevor ich ihn wegwerfe? Wir klären, was dran ist an den Mythen und Gerüchten rund um Plastik.

1. Plastik ist immer schlecht für die Umwelt.

Das stimmt teilweise, denn wie so oft geht es nicht nur darum, ob ein Stoff schlecht ist oder nicht – sondern vor allem darum, in welcher Masse er zum Gift wird. Über diese Masse an Plastik, die mittlerweile in der Umwelt angekommen ist, ist der Kunststoff zum Inbegriff der Umweltverschmutzung geworden. Wir alle kennen die Bilder von Plastikstrudeln im Ozean, von verendenden Schildkröten, eingewickelt in Plastiktüten und von Vögeln, die verhungern, weil ihr Magen voll ist mit Plastik. Und das Problem ist nicht nur dort, weit weg in den Weltmeeren:

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Immer mehr Menschen versuchen deshalb, im Alltag auf Plastik zu verzichten. Das ist aber gar nicht so einfach. Denn selbst wenn es Alternativen gibt, heißt das nicht unbedingt, dass sie immer besser sind als Plastik. Experten erklären, dass Plastik durchaus Vorteile hat: Die Herstellung verbraucht erst einmal vergleichsweise wenig Energie, Plastik ist für sich genommen also durchaus effizient und extrem vielseitig einsetzbar. Für manche Produkte haben wir gar keine Alternativen zu Plastik. Wenn es aber welche gibt, sind sie in der Herstellung oft sogar aufwändiger, benötigen mehr Energie oder sind so stark bearbeitet, dass sie die Umwelt mindestens ebenfalls belasten.

Wichtig sind daher folgende Fragen:

  • Wo können wir auf Plastik verzichten, um die Masse zu reduzieren?
  • Wie gut sind die Alternativen, die wir zu Plastik haben?
  • Wie viel des Plastiks ist Einweg-Plastik, schmeißen wir also sofort wieder weg?
  • Wie können wir mehr Plastik wiederverwenden oder besser aufbereiten?
  • Wie vermeiden wir, dass Plastikmüll im Meer, in Flüssen und generell in der Umwelt landet?

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2. Glasflaschen sind besser als Plastikflaschen.

Das stimmt nur dann, wenn man die richtigen Glasflaschen kauft. Denn Glasflaschen verbrauchen in der Herstellung erst einmal mehr Energie als Plastikflaschen. Damit sie wirklich besser sind für die Umwelt, müssen sie unbedingt mehrmals verwendet werden. Eine Glasmehrwegflasche kann bis zu 50 Mal neu befüllt werden – das ist gut. Sie ist allerdings schwerer als eine Plastikflasche, was für die gesamte Ökobilanz bei weiten Transportwegen negativ ist, so der Naturschutzbund (NABU). Wichtig wäre es daher, darauf zu achten, dass die Glasflasche aus der Region kommt. Nur dann ist sie wirklich besser als Plastik. Das gilt nicht nur für Trinkflaschen, sondern vor allem auch für Lebensmittel im Glas.

Die Verbraucherzentrale merkt als Kritikpunkt außerdem an, dass viele Dosen und Gläser nicht komplett plastikfrei sind, denn sie haben oft einen Deckel mit Kunststoff-Dichtung. Der Tipp deshalb: Möglichst zu mehrmals verwendbaren Gläsern greifen. Darüber hinaus lieber frische und unverpackte Lebensmittel einkaufen statt Einmachgläser, wenn es denn geht.

Experten kritisieren daneben, dass im Altglas immer noch Anteile von Schadstoffen wie Blei enthalten sind. Das kommt über eine falsche Entsorgung in den Altglascontainern, wenn Verbraucher also Glas reinwerfen, das eigentlich gar nicht dorthin gehört. Würden die Schadstoffe nicht aussortiert, könnten sie im recycelten Glas landen, woran beispielsweise die Universität Bayreuth forscht.

Auch Plastik ist übrigens nicht gleich Plastik: Für die Ökobilanz macht es einen großen Unterschied, ob es sich um Mehrweg- oder Einwegflaschen handelt. Mehrwegflaschen aus Plastik können auch immerhin bis zu 25 Mal neu befüllt werden.

3. Papiertüten sind umweltfreundlicher als Plastiktüten.

Stimmt nur manchmal. Papiertüten sind heutzutage oft chemisch behandelt, damit sie sich nicht gleich auflösen, sobald ein bisschen Feuchtigkeit an das Material bekommt. Stabilisatoren sorgen dafür, dass das Material widerstandsfähiger wird – und damit bis zu sechs Monate lang auch im Meer stabil bliebe. Diese Bearbeitung macht die Tüten insgesamt weniger umweltfreundlich, wenngleich sie im Vergleich zu Plastiktüten immer noch besser abschneiden. Viele Experten fordern daher, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, besser kompostierbare Stoffe anzubieten, statt von der Plastiktüte zur behandelten Papiertüte zu wechseln.

Vor dreißig Jahren enthielt ein Ikea-Katalog etwa 90 giftige Stoffe, die eine Kompostierung ausschlossen. Heute sind es immer noch 50 Giftstoffe. Das heißt, die Arbeitsbedingungen in der Produktion sind besser geworden, aber für die Umwelt haben wir praktisch nichts erreicht. Wir müssen Verpackungen ganz neu denken.

Professor Michael Braungart, EPEA Internationale Umweltforschung zu Zeit Online

Die Deutsche Umwelthilfe stellt zudem fest, dass Papier in der Herstellung viel mehr Energie, Wasser und Chemikalien benötigt als Plastiktüten. Und auch die Verbraucherzentrale sagt: Papier ist nur dann eine Alternative, wenn es wirklich recycelbar ist.

Es gilt generell: Viele Produkte bestehen aus mehreren Materialien. Der Verbraucher erkennt oft gar nicht, dass in der Milchtüte auch eine Aluminiumbeschichtung drin ist oder Papier-Prospekte so stark mit Kunststoff beschichtet, dass man sie weder recyceln noch kompostieren kann.

4. Mülltrennung bringt nichts, es wird sowieso alles verbrannt.

Das Gerücht hält sich, ist aber falsch. Klar, das Sortiersystem und die Entsorgung kann je nach Landkreis extrem unterschiedlich sein. 'Was genau gehört in welchen Mülleimer?', das ist schon eine schwierige Frage. Vor allem aber: Bringt es überhaupt etwas, sich damit auseinanderzusetzen? Wird letztlich nicht sowieso alles wieder zusammengeworfen und verbrannt?

Die Zahlen sprechen dagegen: In Deutschland sind im Jahr 2016 insgesamt 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle angefallen – so viel war es noch nie. Laut Umweltbundesamt wurden 70,7% dieser Verpackungsabfälle recycelt. Das klingt viel, die Quote ist aber je nach Material sehr unterschiedlich: Nur knapp die Hälfte der Kunststoffe wird wiederverwendet, dafür aber knapp 90% bei Papier- und Karton.

Ein neues Gesetz soll die Verwertung von Kunststoff antreiben: Ab dem 1.1.2019 gilt das neue Verpackungsgesetz, dann sollen 58,5% recycelt werden, ab 2022 63%.

Fragen und Antworten zum neuen Verpackungsgesetz

Insbesondere bei Kunststoffen müssen wir das wertvolle Material stärker recyceln und weiter nutzen.

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts

Schwierig bleibt: Die Abfallwirtschaft ist Sache der Städte und Landkreise, einheitliche Antworten, wie genau mit dem Müll verfahren wird, sind schwer zu treffen. Umweltschützer kritisieren, dass insbesondere das System der Gelben Tonne undurchsichtig ist. Die Politik muss ran, auch die Unternehmen, die letztlich den Müll entsorgen. Da wäre mehr möglich.

Wir können uns gar nicht erlauben, mit einer Ressource wie Plastik so dämlich umzugehen, wie wir es im Moment machen.

Professor Peter Heck, Umwelt-Campus Birkenfeld zum SWR

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

SWR3-Report: unser Plastik-Alltag Was passiert mit unserem Müll? – Reporter Jens in der Müllsortieranlage

Dauer

Eines aber ist klar: Je besser der Verbraucher seinen Müll getrennt hat, desto einfacher erkennen Scanner in Müllanlagen, um welches Material es sich handelt und können es auf den Haufen werfen, der ins Recycling geht. Für den SWR3-Report: unser Plastik-Alltag haben wir uns so eine Müllsortieranlage in Karlsruhe angesehen. Dort bestätigte man uns, dass die Verbraucher einen wichtigen Beitrag leisten können, indem sie den Müll gut sortieren. Anders gesagt: Nur Müll, der sortiert wurde, kann überhaupt aufbereitet werden.

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Ein weiteres Problem, das jeder schnell und einfach selbst beeinflussen kann: Im Biomüll landet immer wieder Plastikmüll. In der Müllsortieranlage in Karlsruhe sagte man uns umgekehrt: Auch im Gelben Sack landen immer wieder Restmüll und Bio-Abfälle, Papier und Karton.

5. Der Joghurtbecher muss ausgespült werden.

Das ist falsch. Bevor Kunststoffe (wie ein Joghurtbecher) recycelt werden, werden sie noch einmal heiß gewaschen. Es ist also gut gemeint, aber nicht nötig, den Joghurtbecher feinsäuberlich auszuspülen. Was stimmt: Im Becher sollte nicht noch der halbe Becherinhalt drin sein. Ein paar Reste schaden aber nicht und hindern auch nicht daran, dass das Material wiederverwertet wird.

Wichtiger: Den Deckel entfernen! Denn was Viele nicht wissen: Beim Joghurt oder auch bei den Bechern von Margarine und Frischkäse besteht die Packung aus Kunststoff, der Deckel aber oft aus Aluminium. Wenn der Deckel noch dran hängt, kann der Scanner in der Müllanlage das Material nicht klar erkennen und würde ihn aussortieren und damit nicht auf den Haufen werfen, der zum Recycling geht.

Das gilt übrigens auch für den Fall, dass wir zum Platzsparen Müll ineinander stopfen, also beispielsweise den Joghurtbecher mit anderen Verpackungen füllen, wie man uns bei unserem Besuch der Müllsortieranlage in Karlsruhe bestätigt hat.

6. Kleidung aus Baumwolle hat eine bessere Ökobilanz.

Das stimmt nicht immer. Kleidung aus Kunstfasern (wie beispielsweise Polyester, das steht oft im Zettelchen) führt zu Mikroplastik. Wenn wir statt aus Kunstfasern Kleidung aus Baumwolle oder Hanf herstellen, wirkt das erst einmal ökologisch sinnvoll. Aber: Baumwollanbau verbraucht wahnsinnig viel Wasser und ist damit auch nicht unbedingt ressourcenschonend. Die Rechnung geht also nicht unbedingt auf.

Experten raten deshalb dazu, grundsätzlich bewusster und weniger Kleidung einzukaufen und sich zu fragen: Was brauche ich eigentlich an Kleidung? Und muss es für den verregneten Sonntagseinkauf wirklich die Funktions-Trekkingjacke sein? Immerhin haben die Deutschen ungetragene Kleidung im Wert von etwa zwei Milliarden Euro im Schrank...

7. Was in Plastik verpackt ist, ist hygienischer und sauberer.

Stimmt teilweise. Insbesondere bei Lebensmitteln greifen wir intuitiv gerne zur Plastik-Verpackung. Obst und Gemüse, das lose in einer Kiste liegt, könnte ja schon von jemandem angefasst worden sein – Keime und Bakterien könnten sich ansiedeln. Plastikverpackungen hingegen wirken hygienisch und sauber. Tatsächlich ist da etwas dran. Jedenfalls bei Lebensmitteln, die längere Transportwege hinter sich haben, hält Plastik Schimmelsporen ab und Verunreinigungen, die Krankheiten auslösen könnten. Außerdem geht beim Transport weniger kaputt.

Klingt erst einmal super, tatsächlich muss man aber sagen: Abgesehen von den Schäden, die bei einem weiten Transport passieren können, haben beispielsweise viele Obstsorten schon eine eigene Schutzschicht. Die Schale der Bananen zum Beispiel. Die braucht eigentlich nicht noch einen zusätzlichen Schutz durch Plastikfolie. Dazu kommt: Wer loses Obst kauft, kann es auch mit heißem Wasser abspülen und kann damit auch alles abtöten, was auf der Schale sitzen könnte, weil es beispielsweise jemand angefasst hat.

Bleiben wir in der Küche: Auch bei Schneidebrettchen entscheiden sich viele Menschen mittlerweile zur Plastikvariante, weil sich im Holz angeblich besser die Bakterien festsetzen. Studien, die Plastik- und Holzbrettchen verglichen haben, zeigen, dass das nicht immer zutrifft. Es gibt Holzarten, die Bakterien sogar vernichten. Dazu gehören vor allem Krieger und Eiche – Pappel ist hingegen nicht zu empfehlen.

8. Zigarettenfilter kann man wegschmeißen, das verrottet.

Falsch. Was Viele nicht wissen: Zigarettenfilter sind Kunststoff. Sie sind so bearbeitet, dass sie unter das EU-Gesetz zum Einweg-Plastik fallen, sagt SWR-Umweltexpertin Alice Thiel-Sonnen. Es ist keine Kleinigkeit, wenn sie irgendwo in der Natur rumliegen. Und das tun sie in richtig großer Menge: Die Hälfte des Mülls an Stränden besteht mittlerweile aus Zigarettenkippen. Gerade im Salzwasser seien sie sehr schwer abbaubar und könnten Hunderte Jahre herumtreiben, sagt Meeresbiologin Ilka Peeken zur ARD. Aber Zigarettenkippen sind nicht nur am und im Wasser, sondern auch in Wäldern, am Straßenrand und in Parks. Insgesamt landen so 4,5 Billionen Kippen jährlich weltweit in der Natur.

Das Problem ist aber nicht nur der Kunststoff-Müll an sich, sondern die Inhaltsstoffe des Filters. Wissenschaftler haben in Studien mit Fischen im Aquarium herausgefunden: Bereits ein Zigarettenstummel auf einen Liter Wasser verunreinigt das Wasser so stark, dass Kleinlebewesen wie Wasserflöhe sterben. Größere Tiere wie Fische sterben, wenn vier Zigarettenkippen in einem Liter Wasser versenkt werden.

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

SWR3-Report: unser Plastik-Alltag Deshalb solltest du Zigaretten nicht in die Umwelt werfen

Dauer

9. Es gibt so viele Aktionen gegen Plastik, das wird schon wieder.

Falsch. Es gibt immer mehr Initiativen gegen Plastik, ein Niederländer hat beispielsweise eine Art Staubsauger für das Meer gebaut und in einer Bäckerei gibt es Strohhalme aus Makkaroni-Nudeln. Alles gut, oder? Wissenschaftler Andreas Köhler vom Öko-Institut e.V. ist skeptisch: Diese Aktionen würden zwar auf das Problem hinweisen und damit das Denken über Plastik anregen – darüber hinaus seien sie aber eigentlich nur ein Show-Effekt ohne wenig Auswirkung auf die Umwelt. Das liegt daran, dass viele Aktionen am Ende ansetzen, also die Umweltverschmutzung aufräumen oder nur punktuell eine Alternative bieten. Gleichzeitig wird aber in Deutschland immer mehr Kunststoff produziert, wie auch die Industrievereinigung Kunststoffpackungen e.V. auf ihrer Website schreibt.

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Das Plastik-Problem scheint zu groß, um mit engagierten Einzelaktionen dagegen anzugehen. Vor allem sollte man sich darauf nicht verlassen. Denn wenn wir im Großen und Ganzen so weitermachen wie bisher, ist der Ausblick nicht gut:

Die Welt wird sich in den nächsten 50 bis 100 Jahren in eine Plastikpampe verwandeln, die Öko-Systeme werden kollabieren. Das bedeutet für die Menschheit ein Desaster. Wir haben dann möglicherweise keine Lebensmittel mehr, die nicht kontaminiert sind mit Mikroplastik.

Andreas Köhler, Umwelt-Forscher in Freiburg im SWR3-Interview

Trotzdem seien Aktionen gegen die Plastikverschmutzung wichtig, um das Thema in den Fokus zu rücken und aufmerksam zu machen.

10. Plastik ist doch gar nicht schlimm, wenn es recycelt wird.

Stimmt teilweise. Kunststoffe werden überwiegend aus der begrenzten Ressource Erdöl hergestellt, das wird häufig kritisiert. Wissenschaftler arbeiten an alternativen Verpackungen, an Bio-Kunststoffen, beispielsweise aus Maisstärke. Bislang ist das allerdings noch kein guter Ersatz.

Im Moment gilt: Plastik, das wir über längere Zeit verwenden und im Kreislauf halten, ist laut Experten erst einmal das „bessere“ Plastik. Das Problem: Wir haben mittlerweile massig Einweg-Plastik in unserem Alltag, das eben nicht lange benutzt wird, sondern schnell wieder weggeworfen. Dazu zählen Ohrenstäbchen, Strohhalme oder Einweggeschirr, gegen das es auf EU-Ebene ein Verbot geben soll. Kurz gesagt: Eine Gefriertüte ist schlechter als eine Brotdose – beides ist Plastik, aber das Eine werfen wir sofort nach dem Gebrauch weg, das Andere nutzen wir immerhin über lange Zeit.

Der ultimative Wunsch des Umwelt-Forschers Andreas Köhler ist daher, dass wir uns vor allem überlegen, wie wir im Alltag Plastik so oft und lange wie möglich nutzen können. Im Vergleich zu komplettem Verzicht sei das eine Überlegung, die jeder ganz einfach für sich anstellen könne. Das beendet das Plastik-Problem nicht, aber es verringert die Auswirkungen, ohne dass wir unser Leben völlig umkrempeln müssen.

Wenn wir dann Dinge wegwerfen, sollten wir sie gut sortieren, damit sie überhaupt wiederverwertet werden können. Natürlich nicht in den Wald oder an einen Wegrand, sondern in den Mülleimer, der dafür vorgesehen ist. Dennoch: Die Verwertungsquote von Kunststoff liegt aktuell unter 50%. Bedeutet: In der Realität wird eben nicht alles recycelt.

Und selbst wenn, bleibt noch das Mikroplastik. Das sind so kleine Plastikteilchen, dass wir sie gar nicht sehen und noch weniger kontrollieren können, wo sie landen. Abriebe von Autoreifen, Körnchen in Peelings oder Cremes – all das ist ebenfalls Plastik, belastet die Umwelt und ist schwer wiederverwertbar, weil wir es im Moment gar nicht so richtig sammeln können.

Autor
Kira Urschinger
Autor
SWR3