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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Beim Joghurtbecher kommt es auf den Deckel an, Kassenbons sind nicht immer aus Papier und schwarze Plastikflaschen sind die Recycling-Hölle. Wir haben für euch fünf wissenswerte Facts zur Mülltrennung, die Viele überraschen werden.

1. Der Joghurtbecher kann nur recycelt werden, wenn der Deckel abgemacht ist.

Wichtig, damit der Joghurtbecher wiederverwertet werden kann: Den Deckel entfernen! Denn was Viele nicht wissen: Beim Joghurt oder auch bei den Bechern von Margarine und Frischkäse besteht die Packung aus Kunststoff, der Deckel aber meist aus Aluminium. Wenn der Deckel noch dran hängt, kann der Scanner in der Müllanlage das Material (beziehungsweise den Materialmix) nicht klar erkennen. Damit sortiert ihn die Maschine aus, statt ihn auf den Haufen zu werfen, der zum Recycling geht.

Das gilt übrigens auch für den Fall, dass wir zum Platzsparen Müll ineinander stopfen, also beispielsweise den Joghurtbecher oder eine Dose mit anderen Verpackungen füllen, wie man uns bei unserem Besuch für den SWR3-Report: mein Plastik-Alltag in der Müllsortieranlage in Karlsruhe bestätigt hat.

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Joghurtbecher auswaschen? Muss das sein?

2. Schwarze Duschgel-Flaschen können nicht wiederverwertet werden.

Dunkle Flaschen (wie oft bei Duschgels for men) können vom Scanner in der Müllanlage meist nicht erkannt werden. Der Scanner kommt einfach durch das Material nicht durch. Das führt dazu, dass die Maschine die Verpackung aussortiert und nicht für den Recycling-Kreislauf vorsieht. Deshalb gilt ganz generell: Wem es wichtig ist, dass Verpackungsmüll wiederverwertet werden kann, sollte darauf achten, helle oder bunte Plastikflaschen zu kaufen. Oder natürlich zu schauen, ob es eine plastikfreie Alternative gibt.

Wie viel von dem, was im Gelben Sack landet, wird überhaupt recycelt?

3. Deckel von Gläsern müssen nicht abgeschraubt werden

Je nach Bundesland gehören die Deckel von Schraubgläsern (von sauren Gurken oder Marmeladen) eigentlich in den Wertstoffcontainer oder in den Gelben Sack. Aber: Wer die Gläser in den Glascontainer wirft, kann ruhigen Gewissens den Deckel drauf lassen. Moderne Sortieranlagen können die Stoffe gut und zuverlässig voneinander trennen. Dafür wird ein Verfahren verwendet, bei dem der Inhalt des Containers aufgeschwemmt wird. Da Glas schwerer ist als die Deckel, schwimmen die Deckel oben auf und können abgefischt werden.

Das gilt übrigens auch für Korken, beispielsweise von Weinflaschen.

4. Kassenzettel dürfen nicht immer ins Altpapier.

Viele Kassenzettel, Kontoauszüge und Automatenbelege bestehen nicht aus reinem Papier, sondern sind sogenanntes Thermopapier. Sie gehören nicht in den Papiermüll, sondern in den Restmüll. Das Thermopapier wird chemisch hergestellt, vergleichbar mit dem Abzug eines Fotos. In diesem Thermopapier ist Bisphenol A enthalten. Dieser Stoff ist nicht gut für die Gesundheit und die Umwelt. Wenn wir die Zettel aber ins Altpapier werfen, können sie nicht aussortiert werden und landen mitsamt der Chemie im Recyclingkreislauf.

Aus dem Kassenzettel könnte so Recycling-Klopapier werden, das über das Abwasser in der Umwelt landet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. warnt vor dem Schadstoff Bisphenol A, weil er unseren Hormonhaushalt beeinflussen könne:

Bisphenol A gehört zu den hormonellen Schadstoffen, die bereits in winzigen Mengen in unseren Hormonhaushalt eingreifen können. Es ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie wenig die traditionelle Risikobewertung noch geeignet ist, tatsächliche Schäden zu erfassen: Möglicherweise ist es durch eine direkte Einwirkung auf Hormonrezeptoren in geringeren Konzentrationen schädlicher als in größeren Mengen. Frühreife, eine reduzierte Spermienzahl oder auch Verhaltensstörungen werden als mögliche Folgen diskutiert.

Website Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Vor drei Jahren hat die EU bereits beschlossen, dass eine Alternative zu Bisphenol A in Kassenzetteln gefunden werden muss. Allerdings gilt das Verbot erst ab 2020. Auch das Bundesamt Umwelt warnt bereits seit Jahren vor dem Stoff.

Hier geht es zum ausführlichen Bericht des Bundesamts Umwelt über Bisphenol

In klassischem Thermopapier ist Bisphenol A enthalten, es gibt aber bereits Konzerne, die auf BPA-freies Thermopapier umgestiegen sind. Da der Verbraucher aber nicht unterscheiden kann zwischen BPA-freiem und BPA-haltigem Thermopapier, sollte bis zum Greifen der neuen EU-Regelung Thermopapier grundsätzlich in den Restmüll geworfen werden.

5. In den Gelben Sack müssen alle Verpackungen, nicht nur Produkte mit Grünem Punkt.

Die Regel heißt: Was auch immer an Plastik und Verpackungsmüll im Haushalt entsteht, gehört in den Gelben Sack. Die meisten Städte stellen auf ihrer Website auch einen Überblick zur Verfügung, was genau wo entsorgt werden soll. Denn die Müllsysteme können sich je nach Stadt oder Bundesland unterscheiden.

Der Mythos um den Grünen Punkt auf Produkten kommt noch aus den 90er-Jahren. Damals wurde die Wirtschaft dazu verpflichtet, den Verpackungsmüll zurückzunehmen. Der Grüne Punkt war das erste Unternehmen, das die Verpackungen für sie eingesammelt hat. Zwischenzeitlich durfte deshalb nur in den Gelben Sack, was einen Grünen Punkt hatte. Seit 2009 sind aber alle Firmen verpflichtet, sich an dem dualen System zu beteiligen – egal, ob ein Grüner Punkt auf dem Produkt ist oder nicht.

Ist der Grüne Punkt auf eine Verpackung gedruckt, so zeigt der Hersteller dieser Verpackung damit, dass er die Pflichten der Verpackungsverordnung erfüllt. Aber auch Verpackungen ohne Grünen Punkt dürfen in die Getrenntsammlung.

Website Grüner Punkt

Verschwendung in der Bäckerei und illegale Müllsammlungen: Aktuell gibt es ein großes SWR-Special zum Thema Müll.

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Kira Urschinger
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SWR3