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Ganz nach Silicon-Valley-Manier haben zwei Freunde aus München ein Solarauto entwickelt. Gebaut in der heimischen Garage und teilfinanziert durch Crowdfunding. In 50 Tagen kamen 50 Millionen Euro zusammen. Aber wie alltagstauglich ist so ein Solarauto und hat es überhaupt Chancen auf dem Markt?

Es ist das Zukunftsmodell schlechthin: ein Auto, das sich selbst auftankt – mit Sonnenenergie. Entwickelt wird dieses Auto der Zukunft in München. Dort atmet man aktuell auf, denn ohne die gerade erfolgreich abgeschlossene Crowdfunding-Kampagne wäre es bereits Geschichte gewesen, bevor das erste vom Band gerollt wäre.

So soll der Sion später auf der Straße aussehen; Foto: Sono Motors
Sono Motors

Was passiert mit den 50 Millionen Euro aus dem Crowdfunding?

Den ersten Prototypen haben Laurin Hahn und Jona Christians selbst gebaut und getestet – zwei Wochen vor der Abiprüfung. 248 Solarzellen haben sie in Dach, Karosserie und Türen verbaut. Die ersten Geldgeber sind vor allem Privatleute, die mit einer Anzahlung auf ihre Vorbestellung des Autos das Startkapital der Firma geschaffen haben. Von der Automobilindustrie haben sich die Gründer bewusst abgewandt. Zu verschieden seien die Werte und Ziele, die große, finanzstarke Investoren verfolgen. Ohne diese Finanzinvestoren ging im vergangenen Jahr das Geld aus. Deshalb entschlossen sie sich zu einer Crowdfunding-Aktion. 50 Millionen Euro mussten her, sonst wäre das Projekt mit dem Prototyp schon beendet gewesen.

Gegründet wurde Sono Motors von Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians; Foto: Sono Motors
Sono Motors

Die Klimakrise ist jetzt. Wir müssen nachhaltige Mobilität jetzt umsetzen. Deswegen haben Jona und ich in der Garage angefangen einen ersten Prototypen zu entwickeln und als wir gesehen haben, dass es funktioniert haben wir gesagt: Jetzt gründen wir die Firma.

Entwickler Laurin Hahn im SWR3-Interview

Inzwischen sind über 53 Millionen Euro zusammengekommen. Damit soll die Serienentwicklung finalisiert und die Produktion in Schweden gestartet werden. Klappt alles, könnten die ersten Autos Anfang 2022 ausgeliefert werden.

Wie alltagstauglich ist ein solar-geladenes Fahrzeug wirklich?

Eine volle Ladung Sonne soll die Kunden später bis zu 34 Kilometer weit bringen. Eine Strecke, die für viele Pendler ausreichen dürfte. Für die Fahrer soll es ein Prognosesystem geben, das anhand von Wetterdaten und dem Standort die Reichweite voraussagt. Die 34 Kilometer Reichweite können nur bei optimalen Bedingungen erreicht werden. So kann schon ein schattiger Parkplatz oder schlechtes Wetter zu einer geringeren Reichweite führen. Deshalb kann sich der Fahrer nicht allein auf die Sonnenenergie verlassen. In den meisten Fällen werden Solarautos auch weiterhin regelmäßig Strom aus der Steckdose brauchen. Weil das Auto dann aber mit Strom auch nur rund 250 Kilometer zurück legen kann, sind lange Autofahrten am Stück wie zum Beispiel von Stuttgart nach Köln nicht möglich.

Was muss noch verbessert werden, um das Auto alltagstauglich zu machen?

Wissenschaftler hoffen, die Reichweite in Zukunft durch neue, effektivere Solarzellen verbessern zu können. Noch verwandeln die Solarzellen nur 20 Prozent der Sonnenenergie in Strom – mit den neuen sogenannten Tandem-Solarzellen sollen 30 Prozent drin sein. Die Solarzellen bestehen aus zwei Schichten und könnten die Energie des Sonnenlichts noch besser nutzen. Leistungsstärkere Batterien könnten zudem die Reichweite nochmal weiter erhöhen und die Solarautos damit noch attraktiver werden.

Der Sion wird 2017 dem breiten Publikum präsentiert; Foto: Sono Motors
Sono Motors

Hat das Solarauto eine Chance auf dem Markt?

Nicht nur die Münchner träumen von einem Solarauto. Auch ein Start-up aus den Niederlanden möchte in den nächsten zwei Jahren serienreife Solarautos auf dem Markt bringen. In Deutschland arbeitet auch das Freiburger Fraunhofer Institut derzeit an einem solarbetriebenen Auto und führt Gespräche mit Automobilherstellern. Sie alle hoffen auf eine möglichst hohe Reichweite durch Sonnenenergie, damit sich ihre Autos vom reinen Elektroauto unterscheiden. Nur dann haben die Solar-Mobile auch eine Chance auf dem Markt zu bestehen.


Wir wollen alle ermutigen, jetzt schon auf Elektro umzusteigen, nicht länger zu warten, nicht sich nochmal einen Diesel zu kaufen oder nicht nochmal einen Benziner zu kaufen. Leute, die Infrastruktur ist da! Macht was! Oder verzichtet ganz aufs Auto.

Entwickler Laurin Hahn im SWR3-Interview


Gibt es überhaupt schon Solarautos zu kaufen?

Bisher werden Autos mit Solardach nicht in großer Stückzahl produziert. In den vergangenen Jahren haben Forscher aber immer wieder erste Prototypen präsentiert – einige Ingenieure messen sich jedes Jahr bei einem Wettrennen in den Wüsten von Australien. In sieben Tagen müssen die Autos über 3000 Kilometer zurücklegen – nur mit Sonnenenergie. Diese Autos werden zwar bei dem Wettbewerb immer besser, haben aber nur einen Sitz und eignen sich nicht für den Straßenverkehr.