Autor
Malte Dedecek
Dedecek, Malte; Foto: SWR3
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Ein roter Blitz, hektisches Bremsen und der erschrockene Blick auf den Tacho. Europaweit wird am Mittwoch geblitzt. Und gleich fragt man sich: „Warum wird ausgerechnet an dieser Stelle geblitzt?“ Bringen die Blitzer was oder wollen sie nur unser Geld aus der Tasche ziehen?

Sicherheit oder Abzocke – wie so oft haben die Vertreter beider Meinungen jeweils etwas Recht. Wenn nirgendwo geblitzt würde, gäbe es garantiert viele Raser und mehr Unfälle. Allerdings sollen die Fahrer ja auch verstehen, warum zu schnelles Fahren besonders an dieser Stelle so gefährlich ist. Wenn vor einem Kindergarten oder einer Schule kontrolliert wird, haben fast alle Autofahrer Verständnis für die Aktion. Entsteht aber das Gefühl, der Blitzer stehe an einer ungefährlichen Stelle, kommt oft der Verdacht der Abzocke auf.

Sind Blitzer Gelddruckmaschinen?

Die Polizei will nicht nur an offensichtlichen Schwerpunkten blitzen, sondern einen Flächendruck erzeugen, um das Gefühl zu verstärken, dass man überall beim Rasen erwischt werden kann. Zu dem Argument der Abzocke weißt die Polizei darauf hin, dass sie nichts an den Bußgeldern verdient.

Bei den Kommunen sieht das dagegen anders aus. Hier können Blitzereinnahmen sehr lukrativ sein, weil sie zweckungebunden in den öffentlichen Haushalt gehen. Allerdings stehen dagegen erst mal die Anschaffungskosten. Eine stationäre Blitzanlage kostet je nach Modell und Anzahl der erfassten Fahrspuren zwischen 80.000 und 150.000 Euro. Deshalb gibt es für Kommunen die Möglichkeit Geräte zu mieten. Manche Firmen übernehmen gegen eine Beteiligung an den Einnahmen die komplette Wartung.
Während für manche Kommunen der Blitzer ein Verlustgeschäft ist, ist er für andere ein Geldsegen. Der wahrscheinlich lukrativste Blitzer steht auf der A2 am Bielefelder Berg. Mit rund 300 Fotos pro Tag sorgt er für Einnahmen von rund 6 Millionen Euro pro Jahr.

Es trifft die Falschen

Der Verkehrspsychologe Karl Friedrich Voss hat herausgefunden, dass überwiegend die Fahrer zwischen 25 und 44 Jahren bei Geschwindigkeitskontrollen erwischt werden. Die größte Unfallrisikogruppe, die Fahranfänger, würden dagegen kaum kontrolliert. Er fordert deshalb, öfter am Wochenende und abends zu kontrollieren; außerdem empfiehlt er den Einsatz von Videowagen. Dabei können Polizisten den Fahrern direkt die Vergehen zeigen und erklären. Das hätte einen echten Lerneffekt. Ein Bußgeldbescheid, der Wochen später im Briefkasten liegt, hat dagegen keine Wirkung.

Dabei gibt es genügend Argumente, die eine Verkehrserziehung eigentlich leicht machen, zum Beispiel sinkt die Überlebenschance eines Fußgängers bei einem Zusammenstoß schon bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 50 auf 60 km/h rapide. So kann auch der Typ Fahrer, der glaubt, immer alles unter Kontrolle zu haben und das Blitzen nur als Kränkung und falsche Kritik empfindet, erreicht werden.

Wie darf ich vor Blitzern warnen?

Warn-Apps und Navis mit Warnfunktionen dürfen während der Fahrt nicht genutzt werden. Auch die Lichthupe darf zum Warnen anderer Autofahrer nicht verwendet werden, denn die ist nur in gefährlichen Situationen erlaubt. Handzeichen oder gar ein Warnschild sind dagegen gestattet, solange sie keinen Eingriff in den Verkehr darstellen. Vorher aber bitte gut überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist zu warnen.

SWR3 – Bitte lächeln!

Finger in der Nase, Handy am Ohr und dann noch aufs Gas gedrückt. Blitzerfotos sehen meist unvorteilhaft aus und dabei könnten sie uns doch sooo in Szene setzen. Wir haben die Realität und die Wunschfotos der SWR3-Kollegen festgehalten.

Bitte lächeln!; Foto: SWR3.de

Da denkt Mann, man ist allein unterwegs und kann tun und lassen was man will, und dann DAS…

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