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Homöopathische Arzneimittel müssen in Frankreich künftig aus eigener Tasche bezahlt werden. Von 2021 an sollen die Medikamente nicht mehr von der Krankenkasse erstattet werden. Denn: Homöopathie sei wissenschaftlich gesehen nicht ausreichend wirksam. Diese 7 Gründe bestätigen dies.

1. Koffein zum Einschlafen

Das Prinzip der Homöopathie lautet: Gleiches wird mit Gleichem geheilt. Ein Wirkstoff, der Fieber auslöst, soll stark verdünnt gegen Fieber helfen. Das würde für Kaffee bedeuten: Koffein macht normalerweise wach – stark verdünnt müsste es gegen Schlaflosigkeit helfen. Dieses Wirkungsprinzip hat sich der „Erfinder“ der Homöopathie, Samuel Hahnemann, vor etwa 200 Jahren überlegt und steht heute noch in den homöopathischen Lehrbüchern – es konnte aber wissenschaftlich nicht belegt werden.

2. Verdünnen soll die Wirkung verstärken

Laut Homöopathie müsste Kaffee umso einschläfernder wirken, je mehr er verdünnt wird. Homöopathen sagen deshalb auch nicht „verdünnen“, sondern „potenzieren“. Das klingt, als würde man etwas anreichern oder stärker machen. Es bedeutet aber: Die Mischung wird verdünnt und geschüttelt. Am Ende wird sie zum Beispiel auf Zuckerkügelchen verteilt – das sind dann die bekannten Globulis.

Widerspruch zu Naturgesetzen

Je weniger Wirkstoff, desto höher die Wirkung? Das widerspricht den chemischen Prinzipen und Naturgesetzen. Und auch unseren täglichen Erfahrungen: Ein großer Kaffee macht wacher als ein kleiner, eine ganze Kopfschmerztablette wirkt stärker als eine halbe. Die Homöopathie behauptet das Gegenteil.

3. Ohne Wirkstoff keine Wirkung

Durch die starke Verdünnung entsteht ein weiteres logisches Problem: Medikamente oder echte Naturheilmittel (s. Punkt 4) enthalten Substanzen, auf die der Körper reagiert. Sie docken zum Beispiel an unseren Zellen an und sorgen dafür, dass darin bestimmte Prozesse in Gang kommen. Aber: Die Substanzen in homöopathischen Mitteln sind oft so stark verdünnt („potenziert“), dass in den Tröpfchen oder Globuli kein einziges Atom von ihnen mehr übrig ist. Ohne Wirkstoff aber keine Wirkung.

Globuli: 7 Gründe, warum Homöopathie nicht wirken kann; Foto: imago images / imagebroker

Obwohl ihre Wirksamkeit umstritten ist, greifen immer mehr Patienten zu Globuli.

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Keine Wirkung – keine Nebenwirkung

Wenn man zum Beispiel den Kaffee sehr stark verdünnt, so lange, bis kein Koffein-Molekül mehr im Wasser ist, dann hat man: Wasser. Dieses Wasser macht nicht mehr wach – es ist ja kein Wirkstoff, kein Koffein, mehr vorhanden. Aber: Es macht mich auch nicht müde. Nach der Logik der Homöopathie müsste es das aber.
Das ist das vielleicht einzig Gute an homöopathischen Mitteln: Ohne Wirkstoff gibt es auch keine Nebenwirkungen.

4. Homöopathie ist nichts Natürliches!

Gerne bezeichnen Hersteller Homöopathika als „natürlich“, „naturheilkundlich“ oder „ganzheitlich“. Dabei haben sie mit Naturheilkunde nichts zu tun! Denn Pflanzen haben Wirkstoffe – und damit eine Wirkung: Das Koffein im Kaffee macht wach, die Tropan-Alkoide in der Tollkirschen sind giftig, die Terpene im Baldrian sorgen für die beruhigende Wirkung. „Natürliche“ Wirkstoffe sind damit aber nicht automatisch „sanft“ – sie können auch Nebenwirkungen haben. Schließlich ist da ein Stoff im Körper, auf den er reagiert.

Globuli und guter Glaube: Homöopathie auf dem Prüfstand

5. Wasser hat keine Erinnerungen!

Homöopathen bestreiten nicht, dass sich in ihren „Hochpotenzen“ kein einziges Molekül mehr vom vorher verdünnten Stoff befindet. Sie sind trotzdem davon überzeugt, dass es darauf ankommt, welche Ausgangssubstanz man verdünnt. Sie sagen: Das Wasser „erinnert“ sich daran. Die „Information“ soll durch das regelmäßige Schütteln auf die Wassermoleküle übertragen werden.

Wassergedächtnis physikalisch nicht erklärbar

Doch wie das gehen soll, können auch Homöopathen nicht erklären. Wassermoleküle sind keine Speicherkarten. Manche Homöopathie-Anhänger verweisen dann auf die Quantenmechanik oder Nanopartikel. Physiker sehen da aber keinen Zusammenhang. Auch die Quantenphysik kann kein „Wassergedächtnis“ erklären.

6. Die „Wirkung“ kann durch den Placebo-Effekt erklärt werden

Ein Missverständnis im Zusammenhang mit Homöopathie ist die Sache mit dem Placebo-Effekt: Denn der hat nichts mit Einbildung oder „sich-einreden“ zu tun. Der Körper reagiert spürbar – auch auf eine Behandlung ohne Wirkstoff. Damit kann man viele Symptome lindern und man kann die Selbstheilungskräfte des Körpers ankurbeln. Und der Placebo-Effekt ist mächtig!

Placebo auch bei Kindern und Tieren

Man kann den Placebo-Effekt auch bei Säuglingen, Kleinkindern und Tieren beobachten. Dann nennt man ihn Placebo-by-proxy-Effekt. Die Babys oder Pferde wissen zwar nicht, dass sie ein Medikament bekommen, aber sie spüren die Veränderung ihrer Eltern oder Bezugspersonen. Denn sie haben sehr feine Antennen für die nonverbale Kommunikation. Wer seinem Kind oder Tier homöopathische Mittel gibt und denkt, damit zu helfen, der entspannt sich – man tut etwas Gutes und das Warten auf Besserung fällt leichter.
Insofern kann Homöopathie wirken, aber eben nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Das gilt aber auch für Leitungswasser.

7. In 200 Jahren konnte die Wirkung nicht nachgewiesen werden

Medikamente werden bei uns nur dann zugelassen, wenn die Firmen nachweisen, dass diese auch wirken und man nicht genauso gut ein Placebo geben könnte. Nur bei homöopathischen Mitteln gibt es da eine gesetzliche Ausnahmeregel. Denn sonst hätten sie ein Problem: Bis heute konnte keine wissenschaftlich saubere Studie zeigen, dass Homöopathika eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus haben. Und das sagen nicht nur Homöopathie-kritische Pharmafirmen. Claudia Witt war bis 2013 Professorin für Komplementärmedizin an der Berliner Charité, ihre Professur wurde von der Carstens-Stiftung mitfinanziert, die sich für die Homöopathie stark macht. Auch Claudia Witt sagt klar: „Es konnte nicht gezeigt werden, dass homöopathische Arzneimittel besser wirken als ein Placebo.“

Wissenschafts-Youtuberin Mai von MaiLab hat sich die gesetzliche Ausnahmeregelung für homöopathische Mittel genauer angeguckt.

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