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Ein Vater darf wegen Migranten nicht ins Schwimmbad, wegen Schneechaos sollen in Miesbach in Oberbayern die Sommerferien verkürzt werden und ein Spiegel-Redakteur erfindet ganze Reportagen. Es kursieren viele Falschmeldungen, wir sagen euch, was stimmt und was nicht und wie ihr das erkennt.

Falschmeldungen verbreiten sich Studien zufolge sehr viel schneller als seriöse Nachrichten. Und sind sie einmal im Internet, kriegt man sie dort kaum mehr weg. Vielfach geteilt und geliked, tauchen sie immer wieder in den Timelines der Nutzer auf, werden auch nach Jahren wieder hochgespült – unter anderem durch die Jahresrückblicke, die Facebook automatisiert für jeden User anbietet. So entwickeln Falschmeldungen eine Dynamik, gegen die mit Aufklärung nur schwer anzukommen ist.

Das Wichtigste ist deshalb: Meldungen, Artikel und Bilder nicht einfach teilen und liken, sondern vorher genau hingucken und bestenfalls prüfen, ob da überhaupt was dran ist.

Tipps: So erkennst du Fake News!

Wenn ihr Meldungen seht, die Fake sein könnten, schickt sie uns und wir prüfen, was dahinter steckt.

1. Schulausfall wegen Schnee in Miesbach – verkürzte Sommerferien?

Miesbach in Oberbayern: Schulausfall wegen Schnee; Foto: dpa

Schulausfall gab es in Miesbach wirklich. Die Sommerferien werden dafür aber nicht gekürzt.

dpa

Fake News haben nicht immer Parteien und Politik im Fokus. Für Aufregung sorgt eine Nachricht bei Facebook und WhatsApp, die etwas mit dem Schnee-Chaos in Bayern zutun hatte. Die Nachricht zeigt ein angebliches Schreiben des Landratsamts Miesbach in Oberbayern, mit offiziellem Wappen des Landkreises. In diesem Schreiben wurde angeblich angekündigt, dass die Sommerferien verkürzt würden, um den Schulausfall wieder auszugleichen, den es wegen des Schneefalls in Miesbach gegeben hat.

Der BR hat nachgefragt: Das Landratsamt betont, dass es keine verkürzten Sommerferien geben wird. „Das kam über Facebook zu uns und wir finden das nicht witzig“, so die Pressesprecherin Sophia Stadler gegenüber dem BR. In dieser Ausnahmesituation auch noch für Fake News zu sorgen sei mehr als unangebracht.

Also: Keine kürzeren Sommerferien in Miesbach wegen des Schneeausfalls, auch wenn das Schreiben sehr echt aussah. Welche Absicht genau hinter der Verteilung der Nachricht steckt, ist unklar.

2. Erfundene Straftat: Frau sei sexuell missbraucht und danach „geschlachtet" und „entsorgt“ worden

In Sachsen hat die Polizei am ersten Januarwochenende die Leiche einer Frau gefunden. Passanten hatten sie in einem Straßengraben bei Freiberg entdeckt. Am Nachmittag veröffentlichte die Polizei eine Pressemitteilung, in der es hieß, die Ermittler könnten derzeit „weder eine Straftat noch einen Unfall ausschließen“. Sie riefen Zeugen dazu auf, Hinweise zu geben.

Zwei Tage später veröffentlichte der rechtsradikale Blog HalleLeaks dazu eine Meldung, über die der ARD-Faktenfinder der Tagesschau berichtete. Darin wird mit drastischen Ausdrücken behauptet, die Frau sei sexuell missbraucht und danach „geschlachtet" und „entsorgt“ worden. Dies sei „Frauenalltag in der Merkel-brd“. Damit soll ein Zusammenhang zwischen dem mutmaßlichen Tötungsdelikt und der Politik von Kanzlerin Angela Merkel konstruiert werden – insbesondere mit der Flüchtlingspolitik. Weiter heißt es, „Lügenpresse und Polizei“ würden gezielt Informationen verheimlichen, um „keinen Volksaufstand zu provozieren“.

Der AfD-Verband Salzgitter verbreitete die Meldung von HalleLeaks via Twitter, die wiederum von über einhundert Usern dort geteilt wurde. In dem Posting wird ebenfalls eine extrem drastische Sprache verwendet – kombiniert mit dem Aufruf, die AfD zu unterstützen.

AfD Salzgitter wird von Polizei zurechtgewiesen; Foto: Screenshots Twitter
Screenshots Twitter

Die Polizei Chemnitz erklärte auf Anfrage des ARD-Faktenfinder, der Bericht von HalleLeaks sei offenkundig frei erfunden – genauso die Meldung der AfD. Man prüfe nun rechtliche Schritte. Mit Flüchtlingen habe der Fall ohnehin nichts zu tun gehabt, sowohl das Opfer als auch der mutmaßliche Täter seien Deutsche aus der Region und hätten sich gekannt.

Auf Twitter widersprach die Polizei der AfD öffentlich und warf ihr vor, „widerliche Zitate“ zu benutzen sowie „hetzerische, infame Fake News“ zu verbreiten.

Die Polizei veröffentliche später eine weitere Pressemitteilung. Die Obduktion der Leiche habe ergeben, dass es sich um ein Tötungsdelikt gehandelt habe. Zudem habe die Polizei einen Tatverdächtigen aus dem persönlichen Umfeld der Frau ermittelt. Der Verdächtige sei tot aufgefunden worden, dem „derzeitigen Stand der Ermittlungen“ zufolge „liegen Hinweise auf einen Suizid vor“.

3. Vater darf mit seiner Tochter nicht ins Schwimmbad: angeblich wegen Muslimen

Vater darf nicht ins Schwimmbad; Foto: Screenshot BILD

Viel mehr als das sehen die 'normalen' User von dem Bezahl-Inhalt nicht.

Screenshot BILD

Die Überschrift ist deutlich, der Zusammenhang scheint klar: Da durfte ein Vater mit seiner Tochter nicht ins Schwimmbad, weil Muslime ihn nicht da haben wollten. Der Artikel wurde heiß diskutiert und durch sämtliche sozialen Netzwerke gereicht. Und das, obwohl es sich um einen Bezahlinhalt der Bild-Zeitung handelt, also für den nicht bezahlenden Nutzer nur Bild und Überschrift liefert.

Tatsächlich aber durfte der Vater nicht zum Schwimmen, weil es sich um einen Mutter-Kind-Kurs handelte. Keine Väter erwünscht. Die Kursleiterin sprach ihm auf die Mailbox, wie der Bild.blog zitiert: „Ich wollte dir Bescheid geben: Wir sind ja am Mittwoch alles Frauen. Und es sind auch muslimische Frauen dabei. Deswegen wäre es gut, wenn deine Frau kommen würde. Du kannst dann leider nicht kommen. (…) Ich hoffe auf dein Verständnis!“ Die zuständige Bremer Sozialbehörde fand das auch nicht besonders witzig, räumte einen Fehler ein und wollte mit den Betroffenen reden.

Bild.blog fasst treffend zusammen: „Also: Eine falsche Reaktion einer Mitarbeiterin, mit der der Sprecher der Sozialbehörde über diesen Fehler reden wolle. Soll alles so nicht wieder vorkommen. In der Bremen-Ausgabe der Bild-Zeitung hyperventilieren sie diesen einmaligen Fehler einer Person zu einem generellen Schwimmverbot für Vater und Tochter, 'weil Muslime im Bad sind'.“ Der Fall ist also sicherlich nicht glücklich und ganz bestimmt diskutabel, wer sich als Journalist bezeichnet, muss aber eine so formulierte Überschrift mit Dachzeile in einem Bezahlbeitrag unbedingt für indiskutabel halten.

Eine Aufklärung scheint nötig, insbesondere, da die Kommentare auf den von der Bild getwitterten Artikel eine teilweise sehr eindeutige Wahrnehmung vieler Internet-Nutzer offenbaren: „Die Islamisierung ist im vollen Gange. In 20 Jahren laufen alle Frauen mit Kopftuch rum. Ja, auch Deutsche. Wartet es ab.“ – „Was ich gesagt habe: No-Go-Areas für Deutsche.“

Es gibt aber auch kritische Anmerkungen: „Bisschen schade, dass man hier eine Diskussion auf Basis einer Überschrift führen muss. Die Hintergründe werden nicht klar, wenn man dafür nicht bezahlt... Aber so kriegt @bild halt Traffic auf ihre Seite...“ Oder Befürwortung der umstrittenen Maßnahme: „Stell dir vor. Ich darf bei mir im Fitness am Frauentag auch nicht in die Sauna. #DankeMerkel #Fckafd #noafd“

4. Bloß ein tierfeindlicher Gag: Facebookseite irritiert mit Katzen im Glas

Bonsai-Katzen: Ein Fake aus dem Internet; Foto: Screenshot Facebook

Katzen im Glas: ein Fake, der sich immer noch hält.

Screenshot Facebook

Die Geschichte von den sogenannten Bonsai-Katzen ist nicht neu, verwirrt aber weiterhin Facebook-User. Die Seite Bonsai-Katzen Deutschland e.V. erklärt im Impressum den vermeintlichen Trend, Katzen in Einmachgläsern aufzuziehen, um sie zu formen:

„Im Alter von wenigen Wochen sind die Knochen einer Katze noch nicht voll ausgehärtet. Sie sind extrem weich und biegsam. Diese Flexibilität des Katzenskeletts bedeutet: Wenn die Knochen vorsichtig in diesem frühen Alter geformt werden, können sie jede gewünschte Form annehmen. Um das zu erreichen, wird das noch junge Kätzchen in einen starren Behälter (idealerweise aus Glas) gesetzt. In der Wachstumsphase nimmt die Katze die Form ihres Behälters an.“

Wer das noch nicht gesehen hat und nicht weiß, dass es sich um einen satirischen Gag handelt, dreht allein bei dem Gedanken vielleicht durch. Aber Entwarnung an alle aufgeregten Tierschützer: Es handelt sich hierbei um einen Mix aus bewusstem Fake und Spaßseite. Ob man's lustig findet oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Klar ist: Hier werden nicht wirklich Tiere gequält.

Die Idee zu den verformten Katzen gab es laut Mimikama bereits vor 19 Jahren auf einer mittlerweile inaktiven Seite, die bonsaikitten.com.

5. Relotius-Skandal: Spiegel-Redakteur verfasst Fake-Geschichten

Es ist wohl einer der größten Skandale in der Geschichte des Nachrichtenmagazins Spiegel, der im Dezember 2018 an die Öffentlichkeit kam: Ein Redakteur hat mehrere Geschichten gefälscht. Das Magazin hat den Betrugsfall an die Öffentlichkeit gebracht. Besonders brisant: Der betreffende Reporter Claas Relotius hatte viele Preise für seine Reportagen bekommen, die in mehreren Medien publiziert wurden.

Ein Reporter-Kollege Juan Moreno habe an der Echtheit der Fakten gezweifelt, so heißt es in der Aufarbeitung des Spiegels. Nach eigenen Recherchen entlarvte Moreno die Fake-Geschichte. Relotius habe in „großem Umfang seine eigenen Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden“, heißt es in einem auf Spiegel Online veröffentlichten Bericht.

Erste Verdachtsmomente habe es laut Spiegel nach einem im November 2018 veröffentlichten Text gegeben. Relotius habe in mehreren Fällen eingeräumt, Geschichten erfunden oder Fakten verzerrt zu haben. Seinen eigenen Angaben zufolge sind mindestens 14 Geschichten betroffen und zumindest in Teilen gefälscht.

6. Coca-Cola wirbt angeblich gegen und Pepsi für die AfD

Alles begann kurz vor Weihnachten mit einem gefakten Coca-Cola-Plakat, das in Berlin auftauchte. Auf dem Plakat positionierte sich der durch die Marke bekannte Weihnachtsmann mit dem Satz 'Für eine besinnliche Zeit: Sag' Nein zur AfD!'. Dieses Plakat kam zwar nicht vom Unternehmen selbst, die Reaktion des Limo-Herstellers fiel aber tolerant aus. Man distanzierte sich nicht von dem Plakat.

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Kurz darauf tauchte ein bearbeitetes Plakat der AfD in den sozialen Netzwerken auf, mit einem gefakten Werbebild des Konkurrenten Pepsi. Die Antwort des in diesem Falle betroffenen Unternehmens fällt härter aus: Pepsi kündigt an, rechtliche Schritte zu prüfen:

Pepsi-Plakat der Afd; Foto: Screenshot Facebook
Screenshot Facebook
Pepsi Antwort auf AfD-Plakat; Foto: Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Der AfD-Kreisverband, der das Bild auf der Facebookseite geteilt hatte, hat es kurze Zeit später wieder gelöscht. Es kursieren aber weiterhin die Screenshots. Das Netz macht sich lustig, Pepsi und auch Coca-Cola haben wohl eine Runde Gratis-Werbung abgefischt.

7. AfD-Landesvorsitzender erfindet Zahlen über Vergewaltigungen durch Migranten

Maximilian Krah, Landesvorsitzender der AfD Sachsen; Foto: Screenshot deutschland-urier.org

Falsche Zahlen: Schon lange online, längst von der Polizei korrigiert – und immer noch online.

Screenshot deutschland-urier.org

Falschmeldungen spielen mit Gefühlen, sollen emotionalisieren, oft Menschen und Gruppen gegeneinander aufbringen. Bei Sätzen mit vielen Ausrufezeichen, Großbuchstaben oder vielen Adjektiven, kann man das schnell merken. Besonders perfide ist es aber, wenn jemand Ängste schürt, indem er etwas verbreitet, das sachlicher und professioneller nicht wirken könnte: Zahlen. Absichtlich falsche Zahlen. Das Problem: Es wirkt erst einmal fundiert und nicht jeder kann die Echtheit einfach nachprüfen.

Ein Beispiel: Im deutschland-kurier schrieb Maximilian Krah, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen:

Seit dem 1.1.2018 wurden in Chemnitz 60 Frauen vergewaltigt. Die Polizei sagt, 56 von Migranten, 4 von Unbekannt. [...] Ich hatte mich immer gefragt, was noch passieren muss, damit die Chemnitzer beginnen zu protestieren.

Maximilian Krah, Landesvorsitzender der AfD Sachsen

Die Polizei hatte bereits am 5. September reagiert und die echten Zahlen dargelegt. Der Tweet wurde von Maximilian Krah geretweetet und damit zur Kenntnis genommen. Der fehlerhafte Artikel ist weiterhin online.

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Tipp: Wer sich mit Zahlen unsicher ist, kann das Medium googeln, in dem die Zahlen publiziert wurden. In diesem Falle die Online-Zeitung deutschland-kurier.

  • Diese wurde 2017 das erste Mal kostenlos verteilt, die Erst- und Zweitauflage wurden auf Anfrage nicht an andere große Medien verteilt, sondern nur in Briefkästen geworfen.
  • Der Herausgeber der Zeitung, Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten, hatte bereits zuvor die Flugzeitschrift Extrablatt als Wahlkampfhilfe für die AfD kostenlos verteilt.
  • In der Autorenschaft finden sich AfD-Mitglieder wie Maximilian Krah und auch FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barabara Rosenkranz. Die FPÖ ist eine rechtspopulistische Partei in Österreich.

Das ist nicht verboten, aber für den Leser als Einordnung wichtig zu wissen – und es kann helfen, die Frage zu beantworten: Ist das neutrale Berichterstattung oder stehen Interessensgruppen hinter der Verbreitung der Meldungen?

Im Faktencheck des gemeinnützigen Journalistenportals Correctiv wurden mehrmals falsche Zahlen in den Publikationen gefunden. Das Medienportal meedia schrieb über die Seite: „AfD-nahe Wochenzeitung Deutschland Kurier: gefärbte Realsatire unterhalb der Stammtisch-Kante.“

8. AfD Berlin behauptet: SWR dreht Fake News

Screenshot Fake-Video über Bohemian Browser Ballett; Foto: Screenshot Facebook

Fake News kann es auch sein, wenn man jemandem Fake News unterstellt.

Screenshot Facebook

Wie gefährlich Fake News sein können, zeigte ein Beispiel des Berliner Landesverbandes der AfD. Die Partei stellte ein Video in soziale Netzwerke, in dem angeblich zu sehen ist, wie ein SWR-Team einen Fake-Film über die AfD inszenieren würde. Im Text unter dem Video werden Journalisten und Künstler als „Täter“ bezeichnet. Das Ziel ist klar: Das Vertrauen in die Medien schwächen.

Im von der AfD geposteten Video sind Dreharbeiten zu sehen, die tatsächlich stattgefunden haben. Es handelt sich dabei in Wahrheit aber um den angemeldeten Dreh eines Satirevideos für das Bohemian Browser Ballett. Das Video Volksfest in Sachsen arbeitet satirisch die Lage in Chemnitz auf, zu keinem Zeitpunkt wurde jedoch behauptet, dass es sich um eine nachrichtliche Berichterstattung handelt – weder bei den Dreharbeiten, noch im Video selbst.

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Die Folgen der falschen Behauptung, der SWR würde Fake-Filme beauftragen: Das Team, das gemeinsam mit der Produktionsfirma von Schlecky Silberstein an dem Film gearbeitet hat, wurde im vermeintlichen Enthüllungsvideo der AfD Berlin von Partei-Mitglied Frank-Christian Hansel aufgesucht. Dabei wurde ein Klingelschild mit den Namen der Mitarbeiter abgefilmt und ins Netz gestellt. Insbesondere ein Mitarbeiter wurde, offenbar aufgrund seines jüdischen Namens, zur Zielscheibe. In den Kommentaren forderten User dazu auf, die Beteiligten an diesem Video-Dreh aufzuspüren. Bei den Mitarbeitern sind rassistische und antisemitische Morddrohungen eingegangen.

Der SWR verurteilt die Bedrohung der Mitarbeiter.

Man kann immer darüber streiten, ob man eine Satire gelungen findet oder nicht. Aber wenn Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Künstler, Produzenten und andere Medienschaffende erfolgen, zeigen sich gesellschaftliche Zustände, die Anlass zur Besorgnis geben. Die Freiheit der Kunst, der Presse und der Meinungsäußerung sind für den SWR nicht verhandelbare hohe Güter.

SWR Programmdirektion Kultur


9. Erfundene Warnung vor der Berichterstattung deutscher Medien

Press Watch: Fake News Artikel über deutsche Medien; Foto: Screenshot Facebook

Ein eindeutig gefälschter Zeitungsartikel, der sich noch immer in den sozialen Netzwerken finden lässt.

Screenshot Facebook

In rechtsradikalen Facebook-Gruppen wurde das Foto eines angeblichen Presseberichts verbreitet, in dem behauptet wird, dass ein internationaler Journalistenverband vor der einseitigen und irreführenden Berichterstattung nach Chemnitz warne. Das Ziel: Die Glaubwürdigkeit deutscher Medien zu beschädigen.

Auch dies ist eine gezielte Falschmeldung, wie jeder selbst herausfinden kann, indem er einfach kurz googelt. Denn ein Journalistenverband namens European Press Watch existiert gar nicht: Es gibt keine Website, keine Anschrift, keine Zitation in anderen Medien, keine veröffentlichten Berichte – und der angebliche Vorsitzende Olaf Leifstroem ist ebenfalls nicht auffindbar. Dies hat auch der Flurfunk Dresden aufgeschlüsselt.

10. Gefälschtes Bild der Band Feine Sahne Fischfilet mit Hitlergruß

Feine Sahne Fischfilet: Bearbeitetes Foto – Fake News; Foto: Screenshot Twitter

Geklaut aus einer Instastory und so bearbeitet, dass es nach Hitlergruß aussieht.

Screenshot Twitter

Auf Twitter und Facebook kursierte ein Foto des Sängers der linken Band Feine Sahne Fischfilet, auf dem er angeblich den Hitlergruß zeigt. Es soll beim Konzert in Chemnitz unter dem Motto Wir sind mehr entstanden sein. Es verbreitete sich schnell, im Vergleich mit dem echten Video aus dem Instagram-Account der Band zeigte sich aber: Das Bild ist ein Fake. Es kam aus der Instastory, in der Sänger Monchi für das Konzert wirbt.

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Die Polizei Sachsen ermittelte in dem Fall.

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Das Pikante: Bild-Chefredakteur Julian Reichelt verbreitete das Foto ebenfalls. Er stand in der Kritik, weil er durch das Teilen der fragwürdigen Quelle die Reichweite der Kanäle weiter befeuert hat, statt selbst kurz zu recherchieren.

Was ist da genau passiert?

11. Wochenblick spitzt in der Debatte um „Hetzjagden“ zu

Wochenblick zu den Hetzjagden in Chemnitz; Foto: Screenshot wochenblick.at

...wenn Interviews aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Screenshot wochenblick.at

Dieser Artikel der Online-Zeitung wochenblick.at wurde häufig in den sozialen Netzwerken gepostet. Darin wird die Berichterstattung über Chemnitz als weitgehend gefälscht bezeichnet, weltweit seien Fake-News gestreut worden. Belegt wird dies mit Zitaten eines Interviews, das im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde, einem öffentlich-rechtlicher Sender. Das Interview mit dem Chefredakteur der sächsischen Lokalzeitung Freie Presse ist im Artikel verlinkt, es geht rund 11 Minuten lang und klingt im Zusammenhang ganz anders als in den verwendeten Zitaten.

Beispielsweise das Zitat, das in der Überschrift des Wochenblicks verwendet wird, kommt aus diesem Abschnitt:

Für den Sonntagnachmittag, wo sehr schnell von Hetzjagden die Rede war – das haben wir hier nicht beobachtet. Wir waren mit unseren Leuten draußen, es gab Angriffe aus der Demonstration, einzelne Angriffe auf Migranten und auf Polizisten und auf Linke auch. Das waren aber vereinzelte Fälle aus dieser Demonstration heraus und das hatte mit einer Hetzjagd im wörtlichen Sinne nichts zutun. Was wir mittlerweile wissen: Dass es auch in der Stadt danach Angriffe – in drei Fällen liegen Anzeigen vor – auf Migranten gab. Also, ich will da nichts beschönigen.

Chefredakteur der Freien Presse, Torsten Kleditzsch im Deutschlandfunk

Hier den Beitrag im Deutschlandfunk nachhören

Es ging im Interview tatsächlich um eine kritische Auseinandersetzung mit den Begrifflichkeiten, ob „Hetzjagden“ das richtige Wort ist – ein juristisch nicht klar definierter Begriff, der obendrein längst nicht in allen Medien als redaktionelle Einordnung verwendet wurde. Der Chefredakteur der Freien Presse hatte dabei nicht die Übergriffe oder Ausschreitungen aus dem rechten Lager abgestritten oder gar behauptet, dass es keine gegeben habe. Genau mit dieser Annahme aber teilen viele User den Artikel, schließlich spricht die Überschrift eine klare Sprache und schürt gezielt das Misstrauen in die mediale Berichterstattung und in die Regierung.

Bleibt die Frage: Ist das Fake News oder einfach schlechte, irreführende journalistische Arbeit?

12. Falscher Fotojournalist soll eingeschleust worden sein

Thomas Victor: Opfer von Fake News; Foto: Screenshot Twitter

Ein gefährlicher Fake, der Stimmung machen soll gegen Medien und Fotografen.

Screenshot Twitter

Ähnliche Fälle, wie die des retuschierten Fotos von Feine Sahne Fischfilet, gab es auch in Zusammenhang mit Journalisten und Medienschaffenden. Im Netz waren angebliche Fotos des Fotojournalisten Thomas Victor im Umlauf. Zu sehen ist dort, wie er einen Hitlergruß machen soll.

Die Theorie dahinter: Eingeschleuste Journalisten und Linke seien es, die in Chemnitz auf der Straße den Hitlergruß gezeigt hätten, um zu provozieren und der Presse die passenden Bilder zu liefern – Rechtsradikale seien nie auf der Straße gewesen.

Wer kurz googelt, findet ein Originalfoto des Fotografen und stellt fest: Es gibt tatsächlich kaum optische Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Mann mit dem Hitlergruß. Mimikama haben den Fall ausführlich erläutert. Auch hier ist die Polizei eingeschaltet.

13. Regierung lässt angeblich Bilder auf Facebook zensieren

Facebook wird angeblich von der Tegierung zensiert; Foto: Screenshot Facebook

Schlicht: Unfug.

Screenshot Facebook

Hat jemals jemand so eine Anzeige auf Facebook selbst gesehen? Nein? Dennoch taucht ein Bild davon immer wieder in den Kommentarspalten bei Facebook auf. Tatsächlich funktioniert Facebook so aber nicht. Wer Beiträge löschen oder verbergen will, kann das nur auf seiner eigenen Seite. Wer sich an Posts auf fremden Seiten stört, muss sie bei Facebook melden oder bei Meldestellen wie respect!. Werden Beiträge gelöscht, sind sie nicht mehr sichtbar. Es gibt keine Tafel, die auf gelöschte Inhalte hinweist.

Autor
Kira Urschinger
Autor
SWR3