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Sie sehen aus wie Lautsprecherboxen, sie klingen so gut wie Lautsprecherboxen und können doch so viel mehr: Smart Speaker. Aber wie sicher sind die Speaker, werde ich wirklich ständig abgehört? Und wenn ich mir einen zulegen will: Welches Modell passt zu mir?

Sprachassistent ist nicht gleich Smart Speaker

Die Begriffe Sprachassistent und Smart Speaker sind eng miteinander verbunden, bezeichnen aber zwei unterschiedliche Dinge:

  • Ein Sprachassistent ist eine lernende Software, die nicht – wie bislang üblich – per Touch oder Mausklick gesteuert wird, sondern nur über unsere Stimme. Sprachassistenten sind ein kostenloses Angebot von Herstellern wie Amazon (Alexa), Google (Google Assistant), Apple (Siri) und auch Samsung (Bixby) und Windows (Cortana). Diese Hersteller bieten oft auch Smart Speaker an.
  • Smart Speaker sind Lautsprecher mit Mikrofonen, die per App auf dem Smartphone oder Tablet eingestellt und dann per Sprache gesteuert werden. Smart Speaker gibt es auch von anderen Technologie Herstellern, wie beispielsweise Samsung, Sonos oder von der Telekom.
Die drei bekanntesten Sprachassistenten Siri Alexa und Google; Foto: SWR3

Siri, Alexa und Google Assistent sind die bekanntesten Sprachassistenten

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Brauche ich mehr als einen Sprachassistenten?

Am zuverlässigsten klappt es mit nur einem Sprachassistenten. Zwar ist es möglich, zum Beispiel auf einem Smartphone unterschiedliche Assistenten zu verwenden, es bringt aber mehr Chaos als Vorteile. Die Assistenten wollen auf die unterschiedlichsten Apps zugreifen, dabei ist das Einrichten viel zu aufwendig, um es für jeden Sprachassistenten erneut zu machen. Besser prüfen, welche Assistenten-App gefällt mir persönlich auf Anhieb am besten. Und dann: Zeit in einen bestimmten Assistenten investieren.

Wer grundsätzlich auf Android setzt, hat es einfacher. Schlicht, weil Siri sich nicht mit Android-Smartphones und Tablets verwendet werden können. Die beiden großen Anbieter Alexa und Google Assistent sind umgekehrt auch auf jedem iPhone und iPad einsatzbereit.

Versteht mich ein Sprachassistent auch ohne Smart Speaker?

Jedes Smartphone, das Audio per Kopfhörer oder die eingebauten Lautsprecher abspielt, ist technisch gesehen auch ein Smart Speaker. Wer auf Klang keinen allzu großen Wert legt, kann die Sprachassistenten-Technik auf nur auf seinem Handy nutzen. Wobei entscheidend bleibt, welches Handysystem verwendet wird – also Android oder iOS.

Auch hier gibt es eine Einschränkung: Das Home Kit von Apple zum Steuern von z.B. Lichtschaltern und Heizung funktioniert nur mit Siri.

Jeder Anbieter für sich hat immer einen Vorteil, den alle anderen so nicht bieten:

  • Amazon kommt sehr gut zurecht mit allen möglichen unabhängigen Smart-Speaker-Herstellern, weil mit sogenannten Skills jeder selbst zum Programmierer von Alexa werden kann.
  • Siri ist, wenn nur Apple-Geräte verwendet werden, unschlagbar: Denn nur Siri bekommt alle Rechte, wenn es darum geht, Verbindungen mit Apps wie Kalender, Kontakte, Apple Music und dem Home Kit herzustellen.
  • Seit Google auch seine eigenen Speaker und Smartphones herstellt, sind sie für die Android-System-Welt der Standard.

Schlussendlich bleibt es Geschmacksache, vor allem wenn es darum geht, dass man bei den Geräten nicht nur mit Geld, sondern auch mit seinen persönlichen Daten bezahlt.

Warum hören mich Mitarbeiter von Apple, Amazon und Google ab?

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass die großen Hersteller Sprachaufnahmen ihrer Nutzer nicht nur gespeichert, sondern sie auch von Menschen abgehört worden sind. Entweder wurden in den Konzernen oder bei Spezialfirmen Audiomaterial ohne die besondere Einwilligung der Nutzer abgehört und analysiert. Offiziell, um die Qualität der Geräte zu verbessern. Die meisten Nutzer sind bislang davon ausgegangen, dass die Sprachaufnahmen nur bei den Firmen gespeichert und mit Software analysiert werden und nicht auch von Menschen angehört werden. Das Bekanntwerden dieser Praxis, hat weltweit für heftige Kritik gesorgt.

Tatsächlich sind Smart Speaker im Moment mit sehr wenig Funktionalität ausgestattet, die ich gebrauchen könnte und es ist mir völlig klar, dass damit Sprachschnipsel gesammelt werden um die Qualität der dahinterliegenden Algorithmen zu verbessern – und dafür möchte ich meine Stimme nicht hergeben.

Professorin Katharina Zweig, Leiterin der TU Kaiserslautern

Kunden, Verbraucherverbände und Technik-Experten lehnen diesen offenbar lässigen Umgang mit teils hochpersönlichen Daten ab und auch wenn die Hersteller reagiert haben, muss auch in Zukunft daran gearbeitet werden, die Smart Speaker abhörsicher zu machen.

Warum darf ich meinen Datenschutz nicht allein den Konzernen überlassen?

Rechtlich ist das Datensammeln und das Abhören von Audios erlaubt – weil wir gefragt werden, ob wir das zulassen. Nur wer beim Einrichten des Sprachassistenten aufmerksam ist, kann dafür sorgen, dass seine Daten nicht verwertet werden.

Die Konzerne haben bislang jede Einstellung zugunsten einer Verbesserung der technischen Möglichkeiten gemacht. Inzwischen haben sie immerhin diese Möglichkeiten kritisch geprüft, ein paar Vorgehensweisen geändert sind dabei, einen akzeptablen Privatsphärenschutz aufzubauen.

Das große, bislang ungelöste Problem: Aufnahmen, die von den Firmen abgehört werden können, starten nicht immer nur durch das Rufen des Schlüsselworts. Sondern auch dann, wenn ähnliche Wörter in einer Unterhaltung fallen, die gar nicht zum Starten des Geräts gedacht waren. Man kann also nicht sagen, dass der Besitzer eines Sprachassistenten eingewilligt hat oder überhaupt weiß, wann genau die Aufnahme angesprungen ist. Diesbezüglich sind Sprachassistenten längst noch nicht so zuverlässig, wie wir uns das wünschen.

Was hat die Kritik von Datenschützern und Experten gebracht?

Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang ist, dass die Hersteller es ermöglich haben, das Mikro auch per Sprachbefehl auszuschalten. Die unterschiedlichen Hersteller haben jeder eigene Sicherheitskonzepte, die Nutzer allerdings für sich individuell einstellen müssen.

Amazon Alexa

Wer technisch verhindern möchte, dass die eigenen Sprachaufnahmen bewusst oder ausversehen abgehört werden, kann verhindern, dass die Daten überhaupt zum Anbieter gesendet werden.

Alexa mithören ausschalten; Foto: SWR3

Zwei Einstellungen in Alexa die es sich zu prüfen lohnt.

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Das kann dazu führen, dass der Smart Speaker in seltenen Fällen nicht reagiert. Es ist aber in Sachen Abhörsicherheit die beste Lösung.

Abgeschaltet wird die Verbindung zum Amazon-Server, indem in den Einstellungen die Funktion Hilf Amazon für technische Qualität abgeschaltet wird.

Das Mikrofon des Speakers direkt abschalten (Speaker leuchtet rot) bleibt die sicherste Methode, dass das Gerät nichts mithören kann.

Im eigenen Kunden-Konto werden als Standard alle Sprachaufnahmen gespeichert. Hier können sie auch Dauerhafte gelöscht werden.

Alexa aufnahmen loeschen; Foto: swr3

Auf dem Amazon Serverkönnen die Aufnahmen gelöscht werden.

swr3
Apple Siri

Im Unterschied zu anderen Anbietern hat die Lautsprecherbox mit zahlreichen eingebauten Mikrofonen keinen Knopf zum Abschalten der Mikrofone.

Es gibt die Möglichkeit, mit dem Sprachbefehl Siri nicht zuhören, die Mikrofon-Funktion auszuschalten. Daraufhin bestätigt das Gerät, dass die Abhörfunktion ausgeschaltet wird.

Durch Drücken auf die Oberfläche des Smart Speakers wird das Mithören wieder aktiviert.

Grundsätzlich ist es auch möglich, das Zuhören nur per Tastendruck zu starten. Wer möchte, kann auch ein Lichtsignal aktivieren, das so lange leuchtet, wie die Mikrofone aktiv sind.

Übrigens sind die Mikrofone beim Apple-Lautsprecher nicht wirklich komplett abgeschaltet, weil sie benötig werden, um die Bass-Einstellungen zu ermöglichen.

Google Assistent

Nachdem bekannt geworden ist, dass die Sprachbefehle der Geräte nicht nur maschinell, sondern von Menschen abgehört worden sind, will auch Google bis auf weiteres darauf verzichten.

Wer ganz sicher gehen möchte, dass seine Aufgaben auch in Zukunft nicht weitergeleitet werden, muss die Weitergabe von Dateien zur technischen Verbesserung abschalten.

Die Speaker bieten darüber hinaus auch die Möglichkeit, das Mikrofon per Schalter auszumachen. Dabei sind die Schalter vom Home Max und Home Mini auch im Vergleich zur Konkurrenz am einfachsten und zuverlässigsten zu bedienen.

Die Gegenprobe lässt sich im eigenen Kunden-Konto machen: Hier werden alle Sprachbefehle gespeichert und hier können sie auch gelöscht werden.

Auch wenn hier angeboten wird, die Daten alle paar Wochen automatisch löschen zu lassen, ist es sicher eine gute Gewohnheit, regelmäßig selbst nachzuschauen.

Fazit: Konzerne haben dazugelernt, wir bleiben trotzdem wachsam

Grundsätzlich bedeutet Daten löschen möglicherweise eine kleine Qualität-Minderung bei der Zuverlässigkeit der Sprachbefehle. Das ist ein Problem, dem sich die Anbieter bewusst sind.

Je mehr Menschen aber Sprachassistenten nutzen, desto besser wird auch die Qualität.

In Sachen Datenschutz und -sicherheit sollte man auch als Smart-Speaker-Besitzer besser niemandem vertrauen, sondern sich wirklich eindringlich mit dem Gerät und den Abschalt-Möglichkeiten befassen. Klar ist: Wirklich sicher ist nur der, der so ein Gerät nicht zu Hause hat.

Autor
Kai Karsten
Autor
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