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Besser billiger weggeben als wegwerfen: So lautet das Motto bei einer niederländischen Supermarktkette. Sie experimentiert mit computergesteuerten Preisreduzierungen, bei denen aktuelle Umstände berücksichtigt werden wie Haltbarkeitsdatum, Vorräte, Sonderangebote und sogar das Wetter.

Je näher das Haltbarkeitsdatum rückt, desto größer wird der Preisnachlass: Das ist die Basis-Idee hinter den neuen computergesteuerten Preisreduzierungen, die von der niederländischen Supermarktkette Albert Heijn in der Geflügel- und Fischabteilung getestet werden. Mit digitalen Preisschildchen, die sich automatisch kontinuierlich ändern. Wobei der ursprüngliche Preis zum Vergleich immer angegeben wird.

Beispiel: Truthahnfiletstreifen. Normalerweise kosten 200 Gramm bei Albert Heijn 2,57 Euro. Doch weil das Produkt nur noch bis morgen haltbar ist, bekomme ich es schon für 1,54 Euro – 40 Prozent billiger, auch das wird angegeben.

Das kannst du gegen Lebensmittelverschwendung tun

Zugucken, wie der Preis sinkt

Wer besonders neugierig ist und keine Eile hat, kann warten und zugucken, wie der Preis weiter sinkt – bis maximal 60 Prozent Nachlass.

Eine spezielle Software mit Algorithmus macht’s möglich. Und dieser Algorithmus berücksichtigt nicht nur das Haltbarkeitsdatum, sondern auch den Vorrat im Lager, den bisherigen Verkaufsverlauf, aktuelle Sonderangebote mit ähnlichen Lebensmitteln, die dem Produkt zu sehr Konkurrenz machen könnten und sogar das Wetter.

Regen macht Grillfleisch billiger

Denn wenn das Wetter plötzlich umschlägt, fällt der geplante Grillabend auf Terrasse oder Balkon möglicherweise ins Wasser und der Supermarkt bleibt auf Würstchen und Schweinenacken sitzen.

Und genau das soll verhindert werden. Denn Lebensmittel wegzuwerfen, weil sie verdorben sind, kostet Geld – auch den Supermarkt, der sie eingekauft hat.

Der Test dauert zwei Monate und findet vorerst nur in einer Filiale in Zandvoort statt. Verläuft er erfolgreich, sollen hundert weitere Filialen mit digitalen Preisschildern ausgestattet werden.

Preis geht nur runter, nie rauf

Übrigens bräuchten die Kunden keine Angst zu haben, dass der Preis, wenn sie an der Kasse stehen, plötzlich wieder höher ist, betonte eine Supermarktsprecherin. Auch dann nicht, wenn auf einmal die Sonne rauskommt und die Nachfrage nach Grillfleisch steigen könnte: „Der Preis ändert sich zwar kontinuierlich“, so die Sprecherin. „Aber nie nach oben – immer nur nach unten.“

Idee aus Israel

Bei der Entwicklung des Algorithmus’ hat sich Albert Heijn von dem israelischen Start-up Wasteless beraten lassen, der die Technik bereits erfolgreich bei einer spanischen Supermarktkette erprobt hat. Zwei weitere niederländische Supermarktketten haben ähnliche Initiativen angekündigt. Sie sind Teil einer nationalen Kampagne, die in diesem Frühling begonnen hat.

Wie verschwendungsfrei bist du?

Hoe verspillingsvrij ben jij heißt die Kampagne (dt. Wie verschwendungsfrei bist du?). Regierung, Unternehmen, Stiftungen und Wissenschaftler haben dazu ihre Kräfte gebündelt. Ihr Ziel: Die Menge weggeworfener Lebensmittel bis 2030 zu halbieren. Bisher sind es in den Niederlanden bis zu 2,5 Milliarden Kilogramm pro Jahr. Für 7 Prozent sind die Supermärkte verantwortlich. Niederländische Konsumenten werfen pro Kopf jedes Jahr 41 Kilogramm Lebensmittel weg.

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