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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Dean Weymes ist 24 Jahre alt und arbeitet im Schichtdienst. Dann räumt er in der Lotterie ab – kündigt seinen Job und entscheidet sich, mit seinem Geld Träume wahrwerden zu lassen ... auch die seines autistischen Bruders und seiner pflegenden Eltern.

Knapp 11.000 Euro bekommt der gebürtige Ire Dean Weymes jetzt jeden Monat von der Lotterie ausbezahlt, 30 Jahre lang. Er war in der Arbeit, als er seinen Lotto-Schein überprüfte, so berichtete er es der Daily Mail. Erst konnte er es kaum glauben. Dann meldete er sich krank, ging nach Hause – und am nächsten Tag schrieb er die Kündigung: „Ich realisierte, dass ich hier nicht sein muss, wenn ich nicht hier sein will.“

24-Jähriger Lotterie-Gewinner geht an die Öffentlichkeit

Dean Weymes ist der vierte Gewinner der Lotterie, die eine Rentenauszahlung auf Lebenszeit verspricht. Im März startete die Verlosung in Großbritannien. Er ist der erste, der damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Die Lotterie gratuliert – und wirbt mit dem sympathischen Gewinner:

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Das Geld sehe er als Freiheit, seine Träume erfüllen zu können. „Ich wollte immer Drehbuchautor werden“, erklärte er gegenüber der BBC. Nun wolle er das angehen: „Ich kann meine Leidenschaft zum Job machen – das ist etwas, wovon ich nie geglaubt habe, dass ich das machen kann.“ Eine eigene Wohnung stünde auch hoch oben auf seiner Liste, ein Ballon-Flug, einmal Sky Diven – und ebenfalls: ein Besuch mit seiner Familie in Disney World.

Dean Weymes' Bruder hat Autismus: „Er ist wie ein Baby“

Und an diesem Punkt wird die Geschichte plötzlich eine andere: Denn Robert, der Bruder des Lotto-Gewinners, ist Autist. „Das ist ernst. Er ist fast stumm, er kann ein paar Namen sagen und ein paar Wörter. Aber er ist wie ein Baby“, erzählte er der Daily Mail. Auf seinem Facebook-Account gibt es Fotos von den beiden. „Er ist 1,90 und ein bisschen stämmig und er kann aggressiv werden, kann sich selbst und andere verletzen. Er packt dich und das ist echt schwierig.“

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Die Eltern pflegen Robert und kümmern sich, aber es sei nicht einfach für sie. Die Pflege eines schwer an Autismus erkrankten Sohnes sei eben ein 24/7-Job. „Professionelle Unterstützung zu kriegen von Leuten, die sich mit um ihn kümmern, würde unsere Welt verändern“, sagte Dean Weymes. Das Geld aus dem Lotterie-Gewinn könnte dabei helfen, die Sorgen seiner Familie zu verringern. Und: Er macht damit darauf aufmerksam, dass viele Menschen in seiner Situation nicht die Möglichkeit haben, sich Erleichterung und Entlastung zu erkaufen.

Was ist Autismus?

Autismus ist eine komplexe neurologische Entwicklungsstörung, die sich bei den Betroffenen sehr unterschiedlich auswirken kann. Autismus (auch: Autismus-Spektrum-Störungen oder Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung) beeinträchtigt die gesamte Entwicklung aus, kann die soziale Interaktion mit anderen Menschen beeinflussen, die Kommunikationsfähigkeit und verschiedene Verhaltensmuster.

Autismus wird von Experten in drei verschiedene Ausprägungen unterteilt:

  • Frühkindlicher Autismus
  • Asperger-Syndrom
  • Atypischer Autismus

Die Welt eines Autisten sieht anders aus als die von gesunden Menschen. Der sogenannte Reizfilter im Gehirn funktioniere meist schlechter oder eingeschränkt, so berichtete Aleksander Knauerhase – selbst Autist – im Gespräch bei SWR Wissen. „Er filtert nicht so gut, wie er das bei nichtautistischen Menschen tut. Das hat aber auch den Vorteil – und damit kommen wir zu den Stärken – dass Autisten sehr viel mehr wahrnehmen, was bei nichtautistischen Menschen automatisch ausgeblendet wird. Es wird oft gesagt, dass Autisten eine schlechtere Wahrnehmung haben. Das stimmt aber eigentlich nicht, denn wir haben die bessere Wahrnehmung, weil bei uns weniger gefiltert wird. Aber da gibt es natürlich auch Problembereiche.“

Mehr Informationen zu Autismus gibt es bei autismus Deutschland e.V.

Am Weltaustismustag (das nächste Mal am 2. April 2020) wollen Betroffene und Experten auf die Erkrankung aufmerksam machen – und Vorurteile bekämpfen. Mehr dazu bei der Tagesschau.

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Kira Urschinger
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