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Am Anfang war mal alles Rosarot, dann schleicht sich der Alltag ein: Die meisten Beziehungen scheitern nach 3 bis 5 Jahren. Das muss nicht sein, sagt Paar-Therapeut Bernhard Simon. Hier sind 8 Tipps für eine lange und gute Liebe.

Lang lebe die Liebe! Das ist einfacher gesagt als getan. Doch das Ende einer Beziehung kommt selten so plötzlich, wie es sich anfühlt, sagt Paar-Therapeut Bernhard Simon im Interview für die SWR3-Beziehungsshow.

Tipp 1: Den Partner wahrnehmen

Wer in einer Partnerschaft lebt, sollte sensibel sein für den Partner, seine Sorgen und Probleme – und auch für seine mögliche Unzufriedenheit in der Beziehung. Hier gilt es, auf die Signale zu achten. Das heißt aber nicht: gleich wahnsinnig werden, ständig eifersüchtig sein und dauernd nach Fehlern suchen. Manche Probleme sind auch vorübergehend. Um das herauszukriegen, gilt der wohl allerwichtigste aller Grundsätze: Tipp 2.

Tipp 2: Miteinander reden!

Wenn du merkst, dass irgendwas in der Beziehung nicht stimmt, solltest du es ansprechen. Und das am besten nicht mit der besten Freundin oder dem besten Freund, sondern direkt mit dem Partner.

Wichtig: sogenannte Ich-Botschaften senden.

  • Also lieber: Ich habe das Gefühl, du gehst mir aus dem Weg.
  • Nicht: Du gehst mir immer aus dem Weg!

Tipp 3: Möglichst früh die Probleme angehen

Hier bekommst du Tipps, wie du eine Trennung überlebst oder wie du am besten die Körpersprache deines Gegenübers bei einem Date lesen kannst. In der SWR3-Beziehungsshow geht es aber nicht nur um Liebe, sondern auch um Freundschaft, Homosexualität oder Trauer.

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Am besten ist es, mit Zweifeln, Problemen oder Sorgen nicht zu lange allein zu bleiben. Viele denken ja: Ach, das legt sich schon wieder – man muss ja nicht über alles reden. Der Beziehungsexperte sieht hier eine große Gefahr für die Liebe: Wer zu lange das Knirschen in der Partnerschaft undiskutiert lässt, kommt oft über die ersten 3 bis 5 Jahre nicht hinaus. Je länger es rumort, desto schwieriger wird es außerdem, fair zu diskutieren und nicht gleich in Vorwürfe zu verfallen. Das macht dann mehr kaputt als es retten kann.

Ein Vorwurf hat wenig Chancen, positiv aufgenommen zu werden.

Bernhard Simon

Diese Vorwürfe und auch genervte Reaktionen kommen nach Erfahrung des Beziehungsexperten vor allem dadurch, dass jemand zu lange die Unzufriedenheit unterdrückt hat. Der große Streit sei dann das Resultat einer sich angestauten und explodierenden Masse von Dingen, die sich manchmal über Jahre hinweg angesammelt hatten.

Tipp 4: Veränderungen zulassen

Wichtig ist für die Beziehungsgespräche, dass jeder klarmachen kann, was er will – und auch, was er nicht will. Dazu gehört, dass sich Bedürfnisse verändern können und entwickeln. Was zu Beginn der Beziehung noch völlig okay war, muss ein paar Jahre später nicht mehr richtig oder schön sein.

Wenn man da in Kommunikation bleibt mit dem Partner, in einer positiven Form, dann kann man die Verliebtheit ewig ausdehnen, denke ich.

Bernhard Simon

Oft beginnt das schon dabei, wie man den Partner sieht: Was früher an ihm oder ihr mal toll war, kann einen im Laufe der Zeit nerven. Aus Spontanität wird Unzuverlässigkeit. Aus Kreativität wird Chaos. Aus Zuneigung wird Klammern. Jemand, den man einmal als Familienmensch wahrgenommen hat, nervt plötzlich als Muttersöhnchen. Das kommt oft vor und ist auch erst einmal normal, sagt der Beziehungsexperte. Wichtig ist, dass man schnell genug darüber spricht: Bevor man wirklich nicht mehr anders kann, als den Anderen wirklich richtig doof zu finden. Das sei keine beleidigende Kritik, sondern die Chance für den Partner, daran gemeinsam zu arbeiten.

Auch hier empfiehlt der Experte Ich-Botschaften:

  • Lieber: Ich habe damit ein Problem.
  • Nicht: Du bist viel zu...

Tipp 5: Nähe und Distanz aushandeln

Eine Beziehung besteht immer aus Nähe und auch aus Distanz – wie viel davon welcher Partner braucht, kann sehr unterschiedlich sein. Einmal am Wochenende frei für einen Mädelsabend? Zweimal in der Woche mit den Jungs zum Fußball? Vielleicht auch mal ein Urlaub ohne den Partner? Es gibt leider kein Rezept, das immer empfehlenswert ist. Was man braucht, sollte man gemeinsam mit dem Partner herausfinden.

Wichtig ist dabei zu verstehen, dass es nicht darum geht, dass man den Anderen nicht liebt, nur weil man mal Zeit für sich braucht, eigene Hobbys verfolgen will oder mal alleine mit den Freunden etwas unternehmen möchte. Hier ist Toleranz gefragt – leichter gesagt als getan, vor allem, wenn jemand zur Eifersucht neigt.

Tipp 6: Unterschiede akzeptieren!

Viele Menschen denken, Gemeinsamkeiten seien besonders wichtig. Natürlich kann es nicht schaden, wenn man Hobbys und Interessen teilt. Es muss aber nicht alles immer nur gemeinsam laufen. Beziehungsexperte Bernhard Simon berichtet von einem Paar, dem es besonders gut getan habe, im Urlaub auch mal Dinge getrennt zu tun: Sie waren zwei Wochen im Urlaub. In der ersten Woche hat sie einen Segelschein gemacht und er einen Sprachkurs. Beides gemeinsam zu unternehmen, wäre für einen von beiden immer blöd gewesen. Also haben sie das alleine gemacht, jeder für sich. In der zweiten Woche waren sie dafür gemeinsam wandern, weil sie hier ein gemeinsames Interesse haben. Das kann durchaus funktionieren.

Tipp 7: Die Liebe immer wieder neu finden

Das Schmetterlinge-im-Bauch-Gefühl hängt mit Hormonen zusammen. Es ist ein Highlight und nicht ewig ausdehnbar oder wiederholbar. Der Beziehungsexperte rät deshalb, immer wieder nach neuen Dingen zu suchen, die eine Partnerschaft ausmachen. Vielleicht wird mit den Jahren auch das Gefühl wichtiger, zufrieden zu sein und grundsätzlich glücklich – dazu braucht es nicht unbedingt die rosarote Brille und das Kribbeln. „Das ist nicht schade, das muss nur ersetzt werden, was vielleicht noch viel toller ist als das Kribbeln“, sagt Bernhard Simon und betont, dass das gar nicht so negativ sein muss, wenn die anfänglichen Verliebtheitsgefühle nicht mehr da sind.

Wenn man sich länger kennt, kann eine viel tiefere und schönere Beziehung entstehen, die auf das Kribbeln gut verzichten kann.

Bernhard Simon

Tipp 8: Auch Eltern sollten Partner sein

Tatsächlich stehen Eltern oft vor der Herausforderung, dass die Kinder einen größeren Raum in ihrem Leben einnehmen als die Beziehung. Ein Schritt ist, dass man auch diese Situation erst einmal so akzeptiert, wie sie ist und sie einbezieht. Probleme sollten beispielsweise wirklich besser besprochen werden, wenn die Kinder im Bett sind – und nicht, wenn einem eben gerade danach ist. Trotzdem: Auch hier gilt, die eigenen Bedürfnisse nicht immer hinten anzustellen und die Gespräche nicht ewig zu verschieben, nur weil man dann abends doch zu müde und zu erledigt ist. Bernhard Simon rät dazu, sich das Reden zur Routine zu machen: Gerade wenn Eltern gefühlt wenig Zeit füreinander haben, sollten sie sich die Zeit regelmäßig einräumen, um das Gespräch miteinander nicht zu verlieren.

Dafür gibt es auch eine Übung: Einmal am Tag eine halbe Stunde blocken, in der sich die Eltern wirklich als Partner zusammensetzen. Jeder spricht eine viertel Stunde und der Andere hört dabei nur zu. Keine Zwischenrufe, keine Widersprüche – einfach nur zuhören und versuchen, den Anderen zu verstehen.

Ihr müsst Kontakt halten, ihr müsst immer wissen, wie es dem Anderen geht, euch dafür interessieren – und auch dafür, wie es euch geht. Auch das könnt ihr nicht unterdrücken – das muss der Andere wissen. Bleibt im Gespräch miteinander, das ist das A und O! Bernhard Simon

Experte im Chat

Ihr habt gefragt, Paartherapeut Bernhard Simon hat geantwortet.

Jetzt die Highlights der SWR3-Beziehungsshow nachhören!

Liebespaar küsst sich; Foto: imago/Photocase/PhotoAlto, Collage: SWR3
56:09

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Wenn Liebe zur Gewohnheit wird