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Am Freitag hat sich Großbritannien von der EU getrennt. Ist es jetzt immer noch so einfach, nach Großbritannien zu reisen? Und was bedeutet der Brexit für Deutsche, die dort leben?

Was bedeutet der Brexit für Touristen?

Erst einmal gar nichts. Großbritannien ist kein Mitglied des Schengenraums, deswegen müssen alle, die einreisen wollen auch heute schon durch die Passkontrolle – auch wir aus der EU. Was wir bislang nicht brauchen, ist ein Touristenvisum, wie es alle brauchen, die nicht aus der EU kommen. Das wird auch so bleiben – zumindest bis Ende Dezember, solange die Übergangszeit gilt. Danach kann sich das ändern, egal wie lange wir in Großbritannien bleiben. Unter Theresa May hatte die britische Regierung angekündigt, dass vielleicht ein 3-Monats-Visium für Touristen eingeführt werden könnte. Die Verhandlungen werden zeigen, ob das tatsächlich so kommen wird.

Was ändert sich bei den Handygebühren?

Die EU-Roaming-Regeln in Großbritannien gelten auch weiterhin. ; Foto: imago images / Jochen Tack
imago images / Jochen Tack

Die EU-Roaming-Regeln gelten auch weiterhin. Auf jeden Fall bis Ende des Jahres, egal ob mit englischer oder deutscher Karte im Handy. Und offenbar wird sich auch danach nichts ändern, zumindest gibt es bisher keine entsprechenden Pläne, sagen die großen Anbieter. Ausnahme ist O2: Die denken darüber nach, ob sie Großbritannien in eine andere Ländergruppe packen. Das könnte dann für Nutzer deutscher Handys teurer werden.

Was bedeutet der Brexit für Studenten?

Auslandssemester können jetzt schon ein paar tausend Euro Gebühr kosten – nach dem Brexit wird das wohl doppelt so teuer. Eine Aufenthaltsgenehmigung oder ein Visum brauchen Studenten mit einem EU-Pass nicht, nach dem Ablauf der Übergangszeit aber schon. Wer gerade ein Studium in Großbritannien plant und noch die günstigeren Gebühren zahlen will, muss wissen: Nicht der Zeitpunkt der Bewerbung ist relevant sondern, wann man hier antritt.

Jeder Student, der vor dem 31.12.2020 sein Studium hier in UK aufgenommen hat, wird nach geltenden Regeln dieses Studium auch beenden können.

Ruth Krahe, Deutscher Akademischer Auslanddienst

Was bedeutet das für Deutsche, die in Großbritannien leben?

Die Regierung hat versprochen, dass alle, die jetzt schon in Großbritannien leben auch bleiben können. Aber sie müssen sich um eine Aufenthaltsgenehmigung kümmern und sich darum bewerben.

Regelungen Aufenthaltsgenehmigung:

  1. Wer schon länger dort lebt...
    ...muss das nachweisen und bekommt gleich eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.
  2. Wer erst seit kurzem dort lebt...
    ...bekommt eine auf maximal fünf Jahre befristete Genehmigung.
  3. Für alle, die neu ins Land kommen...
    ...will die Regierung neue Gesetze machen. Es soll ein Punktesystem für ihr Einwanderungsgesetz geben, um sagen zu können, wen man braucht und wen nicht. Wie das System genau aussehen wird, weiß man noch nicht. Daran wird noch gearbeitet.

Im Moment ist vorgesehen, dass die Aufenthaltsgenehmigung erst im Sommer 2021 zur Pflicht wird. Wenn es allerdings in der Übergangsphase bis Ende Dezember kein Abkommen über die zukünftigen Beziehungen gibt – das muss noch verhandelt werden – dann könnte diese Pflicht auch schon vorher gelten. Zum Beispiel bereits ab Januar.

Was bedeutet das für mögliche Geschäftspartner in Großbritannien?

Zölle und Kontrollen

Bis zum Ende der Übergangsfrist am 31. Dezember 2020 gelten weiterhin die Spielregeln von Binnenmarkt und Zollunion. Das heißt, es fallen keine Zölle und Einfuhrkontrollen an.

Handelsverträge

Direkt nach dem Austritt, also ab Februar 2020, können die Briten selbstständig Handelsverträge abschließen, die nach dem Ende der Übergangsfrist in Kraft treten. Inwieweit das Auswirkungen auf die deutschen Geschäftspartner hat, ist bisher noch unklar. Die EU hat zwar strengere Standards, die die Briten als hinderlich empfinden, aber der gesamte Markt der EU – das sind 450 Millionen Einwohner – kann die Briten wohl nicht unberührt lassen.

Roaming

Übrigens: Auch die Regeln fürs Roaming, also Benutzung des deutschen Handys in Großbritannien, bleiben erstmal bestehen. Nach dem endgültigen Austritt könnten sie allerdings wieder anfallen – das hängt von den bevorstehenden Verhandlungen ab.