Autor
Judith Schneider
Judith Schneider, SWR3; Foto: SWR3
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Eltern sein und gleichzeitig eine Liebesbeziehung führen? Bei Jochen König hat das nicht geklappt. Also entschied er sich für Co-Parenting und erfüllte seinen Kinderwunsch, ohne mit der Mutter zusammen zu sein.

Jochen König hatte bereits eine Tochter aus einer Beziehung. Aber gleichzeitig Eltern zu sein und eine Paarbeziehung zu führen, überforderte ihn.

Dadurch ist die Idee entstanden, ob es nicht viel einfacher sein könnte, ein Kind mit einer Person zu bekommen, die nicht meine Partnerin ist.

Jochen König

Er trennte sich von seiner damaligen Frau und machte sich auf die Suche nach jemandem, mit dem er sich ein Kind „teilen“ konnte – ohne eine Beziehung einzugehen.

Der Start ins Co-Parenting – Kinderwunsch ohne Partnerschaft

In einer Kneipe erzählte er seiner Freundin Marie von der Idee, in der Hoffnung sie würde jemanden mit ähnlichem Wunsch zur Familiengründung kennen. Letztendlich waren die Eltern zu dritt: Marie selbst, ihre feste Freundin und Jochen. „Wir haben da viel drüber gesprochen, vielleicht sogar mehr als Paare, die sich für ein Kind entscheiden. Die Entscheidung war dann aber ein großer Schritt. Vorher war alles theoretisch und dann zu sagen 'okay, wir wollen das jetzt wirklich' war gar kein so rationaler Moment.“ Sie entschieden sich für künstliche Befruchtung: Jochen ist der leibliche Vater, Marie die leibliche Mutter.

Das Familienleben: Entscheidungen in der Erziehung

Drei Elternteile und ein Kind – da muss der Alltag gut organisiert sein, zumal die beiden Mütter nicht zusammen wohnen. Sechs Tage verbringt das Kind bei seinem Vater, sechs Tage bei der einen Mutter und zwei Tage bei der zweiten Mutter. Große Entscheidungen treffen sie gemeinsam: In welche Kita soll das Kind gehen, welche Schule soll es mal werden? Aber sie würden nicht alles ausdiskutieren, sagt Jochen. Kinder könnten es gut kompensieren, wenn nicht jeder Haushalt nach den gleichen Regeln liefe.

Familienmodell: ein Kind zwischen drei Eltern

Immer wieder bei einem anderen Elternteil zu sein und nicht nur ein Zuhause zu haben, mache ihrem Kind nicht besonders viel aus, erzählt Jochen.

Bewegung ist schon drin und das ist auch eine Leistung von diesem Kind das so mitzumachen. Wir versuchen auch immer vorsichtig zu sein und zu gucken, wie es ihr gerade damit geht und ob wir etwas ändern müssen. In den meisten Fällen würde ich aber sagen, gefällt ihr das total gut und sie freut sich dann auch immer auf die andere Person.

Jochen König

Reaktionen auf Co-Parenting aus dem Umfeld

„Die Bandbreite an Reaktionen ist sehr groß. Sie reicht von 'Wow, das ist ja toll. Das kommt für mich auch in Frage. Können wir uns da nicht mal näher unterhalten' bis hin zu Leuten, die mir schreiben, ich sei die Personifizierung Satans, um die heile Familie zu zerstören. Dazwischen gibt es alle möglichen Reaktionen auf unsere Familie.“ Das Co-Parenting sei nur eine weitere Familienform und nicht besser als eine andere Variante, stellt der Vater fest. Wie man glücklich wird als Papa oder Mama, das sehen Menschen eben unterschiedlich.

Menschen sind unterschiedlich und entscheiden sich aus ganz individuellen Gründen für unterschiedliche Familienkonstellationen. Für uns passt das supergut so.

Jochen König