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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Ostern steht an, die Pfingstferien ebenfalls. Viele Leute haben ihre Urlaube schon gebucht – und nun gibt es eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Wir klären, was das bedeutet, was es für den Urlaub zu beachten gilt und welche Reisen man wirklich absagen sollte.

Es gilt grundsätzlich:

Insgesamt würde ich sagen, muss man keine Panikstimmung verbreiten. Es ist etwas, was von der Erkrankung her ähnlich wie die Grippe ist und vor der haben wir eigentlich auch keine Angst.

Infektiologe Peter Kremsner im SWR3-Interview

Für Auslandreisen, die nicht unbedingt notwendig sind, gilt:

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Situation 1

Die Reise ist geplant, was sollte ich beachten wegen COVID-19?

Das Coronavirus spaltet: Die einen haben Angst, die nächsten halten jegliche Informationen über das Virus für Panikmache, die nächsten verteilen Fake News, um die Unsicherheit auszunutzen.

Wer eine Reise geplant hat, sollte deshalb vor allem mit sich selbst und den Mitreisenden darüber sprechen, ob man sie antreten möchte oder lieber nicht. Wie hoch das Risiko einer Infektion ist, hängt stark vom Reiseziel ab: Für Auslandsreisen gilt hier eine besonders hohe Vorsicht - ein Ausflug in Deutschland kann okay sein.

Wenn du das nun alles mit dir selbst und deinen Reisebegleitern geklärt hast, ob du dich mit einem Urlaub wohlfühlst oder dir lieber eine schöne Zeit zu Hause machst, kannst du die Reise entweder antreten oder stornieren.

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Situation 2

Ich mache Urlaub und dann wird Quarantäne ausgerufen – was dann?

Das Auswärtige Amt plant aktuell, alle im Ausland gestrandeten Deutschen Touristen nach Hause zu holen. Es rät außerdem, dass man die Reise- und Sicherheitshinweise beachten und sich auch während ihres Aufenthaltes im Ausland informiert halten sollte. Dafür gibt es beispielsweise eine Sicher Reisen App, die das Auswärtige Amt hier zur Verfügung stellt.

Situation 3

Ich will meine Reise absagen, wie storniere ich am besten?

Flüge

„Wenn Airlines die Flüge von sich aus streichen, erhalten Betroffene ihr Geld zurück. Wer allerdings aus Angst vor Ansteckung seinen Flug stornieren möchte, der muss die Kosten selbst tragen“, so Rechtsanwalt Christian Solmecke. Wenn Airlines das Geld in Zeiten von Corona dennoch auch in diesem Fall zurückerstatten, geschieht das aus Kulanz.

Die neue weltweite Reisewarnung des auswärtigen Amtes macht es jetzt wesentlich einfacher, Reisen zu stornieren. Nun-Nicht-Reisende einen Anspruch auf die Kostenrückerstattung.

Pauschalreisen

„Mit der offiziellen Reisewarnung des auswärtigen Amtes ist jetzt ganz klar, dass man von einer Pauschalreise zurücktreten kann“, sagt SWR3-Reiseexpertin Tamara Land. Auch das Geld für die bereits gebuchte Reise bekommt man so definitiv zurück. Das gilt allerdings nur für Reisen, die in diesen Tagen stattfinden sollten, eine Reise für den Sommer ist jetzt noch nicht stornierbar. Hier rät die Expertin, immer aktuell zu schauen, ob die weltweite Reisewarnung noch gilt.

Selbstgebuchte Reisen

„Bei Flügen ist die Rechtslage nicht ganz klar. Allerdings haben Kunden, die jetzt einen Flug stornieren möchten, sehr gute Karten“, schätzt Tamara Land. Hier gebe es die Möglichkeit „aus wichtigem Grund“ vom Vertrag zurück zu treten. Eine weltweite Reisewarnung ist da durchaus als wichtiger Grund zu sehen.

Bahn & Hotel

SWR3-Reiserecht-Experte Kay Rodegra erklärt, dass die Rückerstattung bei Anreisen und Hotels nicht unbedingt stornofrei abläuft, denn Züge fahren ja trotzdem und Zimmer bleiben frei, auch wenn man als Reisender nicht davon Gebrauch macht. Die Bahn bietet allerdings an, dass Kunden, die ihre Reise nicht mehr antreten möchten, ihren Fahrschein kostenfrei erstattet bekommen.

Das gilt mittlerweile auch für Bahnfahrten, bei denen der Grund der Zugfahrt wegen des Coronavirus ausfällt. Das gilt nicht nur für eine Anreise zum Flughafen, sondern auch, wenn eine Messe offiziell abgesagt wird, Konzerte oder Sport-Events.

Bei Hotels im Ausland könnte es schwieriger werden, schätzt Reiseexpertin Tamara Land. Hier gilt ausländisches Recht, es könnte schwieriger sein, die Stornierung durchzusetzen. Im Zweifel müsse man sich im jeweiligen Land vor Gericht mit dem Hotelier streiten und da könne es passieren, dass „Recht haben und Recht bekommen nicht das gleiche ist“, so Land. Dann bleibt man auf dem angezahlten Geld sitzen.

Tipp von den Experten

Die Experten empfehlen, gezielt beim Reiseveranstalter oder den Anbietern der Verkehrsmittel gezielt nachzufragen, da einige Anbieter aufgrund des Coronavirus besondere Umbuchungs- und Kündigungsangebote machen, um den Kunden entgegen zu kommen.

Situation 4

Der Urlaub muss noch geplant werden, worauf soll ich bezüglich des Virus achten?

Wer einen Urlaub planen will, sollte sich grundsätzlich ein bisschen mehr Zeit nehmen, als das vielleicht sonst der Fall ist. So ganz spontan ist in Zeiten von Corona schwierig. Es ist ratsam, sich rechtzeitig die Tipps des Auswärtigen Amts durchzulesen, die unter Situation 2 – Die Reise steht an, was mache ich mit Corona? aufgeführt sind. Diese können als Checkliste dienen, um organisiert durch die Planung zu kommen und nichts zu vergessen.

Wer seinen Urlaub für den Sommer planen möchte oder für Ende des Jahres, hängt jetzt ein bisschen in der Luft. Experten können nicht zuverlässig prognostizieren, wie sich die Ausbreitung des Coronavirus entwickeln wird und vor welchen Herausforderungen wir in ein paar Monaten stehen werden oder auch nicht. Es ist daher wichtig, bei der Buchung bereits zu thematisieren, welche Möglichkeiten es gibt, um die Reise umzubuchen oder zu stornieren, welche Kulanzen angeboten werden können und welche Fristen jeweils gelten. Wenn man es später nicht braucht: fein. Sollte man darauf angewiesen sein, ist es gut, früh damit gerechnet zu haben.

Situation 5

Mein Arbeitgeber will über den Urlaub informiert werden, was mache ich?

Urlaubsauskunft

Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, wo ich Urlaub mache? Grundsätzlich ist der Arbeitnehmer zu keiner Auskunft verpflichtet, so der Deutsche Gewerkschaftsbund. Das ändert sich allerdings, wenn man sich in Gebieten aufgehalten hat oder aufhalten will, für die das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung herausgegeben hat. Ebenfalls relevant ist es für den Arbeitgeber, wenn ich in einem Gebiet war, in dem eine Quarantäne gilt.

Urlaubsverbot

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber keine Reisen verbieten, das ist Privatsache. Auch nicht in Risikogebiete. Es wäre nur möglich, eine Urlaubssperre zu verhängen – und für diesen Schritt braucht der Arbeitgeber triftige Gründe.

Die Arbeiterkammern weisen allerdings darauf hin, dass man dann auf eigenes Risiko unterwegs ist. Abgesehen von den möglichen gesundheitlichen Folgen einer Reise in ein deklariertes Risikogebiet, „ist auf mögliche Verzögerungen im Zusammenhang mit Flugverspätungen/Annullierungen oder auch Quarantänemaßnahmen im Ausland hinzuweisen. Erreichen ArbeitnehmerInnen auf Grund derartiger Behinderungen ihren Arbeitsplatz in Folge erst verspätet, besteht für die Dauer einer solchen selbstverschuldeten Dienstverhinderung grundsätzlich kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung.“

Situation 6

Ich habe eine Reise im Sommer geplant, was mache ich mit Corona?

Was im Sommer sein wird, kann jetzt natürlich noch niemand vorhersagen. Am besten schon mal beim Reiseanbieter vorfühlen und dann abwarten. Das Auswärtige Amt hat Tipps für Urlauber zur Verfügung gestellt, die man vor Reiseantritt noch einmal prüfen sollte, um sicher unterwegs zu sein:

  • Persönliche Beratung in einem Reisebüro ist für die Buchung einer Reise empfehlenswert.
  • Lass dich auch noch einmal ärztlich durchchecken, bevor es losgeht, insbesondere bei Vorerkrankungen oder bereits fortgeschrittenen Lebensalter.
  • Informiere dich auch vor Rückkehr aus einem Risikogebiet noch einmal ausführlich beim RKI.
  • Beachte außerdem die Infos zu Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.
  • Es gilt außerdem, die tagesaktuellen und ausführlichen Hinweise des Bundesgesundheitsministeriums der Bundesregierung zum Coronavirus in Deutschland im Blick zu haben, wenn man zurückkommt.
  • Es ist unbedingt ratsam, engen Kontakt mit dem Reiseveranstalter und Fluggesellschaft bezüglich möglicher Änderungen im Reiseplan zu halten.

Weitere Fragen und Antworten zum Arbeitsrecht mit Corona findest du hier

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Kira Urschinger
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