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Dass ein Kind einer Beziehung gravierend ändern kann, ist keine Neuigkeit. Zu wenig Schlaf, zu wenig Zeit zu zweit. Schnell ist die Liebe vernachlässigt, Sex sowieso.

Wenn Frauen erst mal keinen Sex wollen, entscheidet das auch ihr Körper: Denn er muss sich erholen und mit den Hormonen klarkommen. So hat eine Frau nach einer Schwangerschaft plötzlich viel weniger vom Östrogen im Blut. Das kann oft zu trockenen Schleimhäuten und generell zu weniger Lust führen. Dazu kommt noch Prolaktin.


„Das wird ausgeschüttet, wenn sie die Kinder stillen und sorgt einfach dafür, dass sie mehr Nähe zu dem Kind empfinden, es beschützen möchten, sich dem Kind ganz nah fühlen,“

erklärt Professor Michael Zitzmann vom Uniklinikum Münster, der auch Androloge, also übersetzt „Männerarzt“ ist. Diese Bindung zwischen Mutter und Kind kann so eng werden, dass der Mann da zeitweise weniger Platz hat – das ist aber meist nur eine Phase. Zu viel von diesem Hormon kann aber auch ein Lustkiller sein. Interessanterweise haben auch Männer Prolaktin. Und oft auch mehr davon im Blut, wenn Nachwuchs da ist. Das kann dann auch so bleiben, wenn der Mann in Elternzeit geht und viel zuhause ist:


„Es kann durchaus sein, dass dieser Prolaktinspiegel weiter erhöht bleibt, wenn der Umgang mit dem Kind mehr da ist. Zum Beispiel durch Hautkontakt wird es weiter ausgeschüttet.“

Ob der Papa in Elternzeit dadurch auch mehr Nähe zum Kind entwickeln kann und sogar seine Partnerin dann etwas vernachlässigt, das ist allerdings bisher nicht erforscht. Mehr Wissen gibt es dagegen über den veränderungsanfälligen Testosteronspiegel:


„Wenn beim Mann etwas Neues passiert, dann ändert sich häufig auch der Testosteronspiegel. Das kann die Geburt eines Kindes sein, was ja viel Veränderung mit sich bringt. Es kann auch sein, dass Stress dafür sorgt, dass der Testosteronspiegel sinkt.“

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Weniger Testosteron heißt dann in der Regel auch: Weniger sexuelles Verlangen, dafür aber etwas mehr Häuslichkeit:


„Der Mann wird ruhiger. Der Gedanke macht irgendwo auch Sinn, dass das hormonell ein wenig gesteuert wird, damit er sich erst mal nicht so sehr um weitere Nachkommen mit anderen Frauen bemüht, sondern einfach wirklich bei der Partnerin, bei dem Kind bleibt.“

Aber auch hier warnt Zitzmann, dass die Studienlange gerade bei Männern noch nicht so gut sei und diese Schwankungen auch nicht auf jeden Mann zuträfen. Menschen seien ja auch nicht nur hormongesteuert.
Doch wie wichtig die Hormone für unsere Beziehungen sind, ob jetzt mit oder ohne Kind, zeigt sich auch darin, dass es sogar extra Kuschelhormone gibt. Oxytocine, die bei Berührungen ausgeschüttet werden und uns einfühlsamer, liebevoller, weniger gestresst machen sollen.

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Beziehungskiller Kind; Foto: didesign / fotolia.com
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