Es ist wie verhext: Du bist single, auf der Suche nach einer neuen Partnerschaft, aber es klappt einfach nicht! Und das Schlimmste daran: Die Verzweiflung kann man einem Single ansehen, sagt Körperspracheexperte Stefan Verra. Im Gespräch mit Regina Beck gibt er Tipps, wie man sich wieder interessant macht.

Regina Beck: Bei manchen Singels ist es wie verhext! Als ob sie ein Schild auf der Stirn hätten: "Ich bin dringend auf der Suche". Und das wirkt dann auf viele abtörnend. Was senden wir da für Signale aus?

Stefan Verra: Das zeigt sich an der Körpersprache sehr schnell. Zum Beispiel: Wie schnell antwortet man auf eine SMS? Wie schnell dreht man seinen Kopf hin? Wer sucht mehr den Blickkontakt? Das sind alles Signale, wo das Unterbewusstsein ganz schnell erkennt: Hier will jemand etwas von mir. Jetzt muss man Unterschiede im Geschlecht machen.
Frauen sind das ja wohl gewohnt sich rarer zu machen als Männer. Das müssen sie aus zwei Gründen. Erstens: Eine Frau geht bei einer Beziehung immer das höhere Risiko ein und mit dem Rarmachen überprüft sie ständig: Meint er das ernst oder nicht? Das heißt, sie zeigt ihm mal die kalte Schulter, sie dreht sich weg von ihm und damit muss er sich mehr bemühen. Der zweite Grund ist: Je rarer sich eine Frau macht, desto eher vermutet der Mann wertvolles Genmaterial bei der Frau.

Stefan Verra

Stefan Verra; Foto: privat
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...ist Körperspracheexperte aus Österreich. Hier geht es zu seinem Podcast SWR3 Body Talk.

Jetzt ist es natürlich umgekehrt, wenn die Frau eine Beziehung will, weil sie schon lange alleine ist, durchbricht sie dieses Schema ein wenig und sucht zum Beispiel den Blickkontakt von ihrem persönlichen George Clooney ein wenig mehr. Sie dreht sich mehr zu ihm hin und dann gibt es eine Regel, die lautet: N-N-Regel. Das ist die Nase-Nabel-Regel. Die ist ganz wichtig. Kleiner Tipp: Wer Interesse am anderen hat, dreht ihm immer den vollen Körper zu, das heißt Nase und Nabel. Wenn nur wenig Interesse besteht, dann zeigen wir oft die kalte Schulter. Das heißt, wir drehen den Nabel weg und der Rumpf ist weggedreht. Und genau das machen Frauen oft, um dem Mann zu signalisieren: „Du bist nicht voll im Fokus.“

In der Bar zum Beispiel läuft das so ab: Zwei Freundinnen sitzen an der Bar, ein Mann nähert sich ihnen, beide Frauen wenden sich „N-N“, also Nase-Nabel zu und sind im Gespräch – obwohl der George Clooney gerade erst reinkommt, drehen sie sich jetzt nicht plötzlich zu ihm hin. Sie schauen ihn nur mal von der Seite an, um ihm zu signalisieren, dass er sich schon ein wenig bemühen muss, damit sie ihm die volle Aufmerksamkeit schenken. Und das nervt Männer zwar, aber sie wollen es doch ein wenig erleben.

Deswegen eine Warnung für viele Frauen: Auch wenn du gern in einer Beziehung wärst, mach‘ dich rar, das macht dich bei Männern noch attraktiver. Konkret: Dreh‘ dich nicht sofort hin. Geh‘ ein wenig früher nach Hause, auch wenn du gern noch jede Minute mit diesem Mann auskosten würdest. Wenn er dir eine SMS schickt – lass dir Zeit mit dem Antworten, das macht dich für ihn attraktiver.

Umgekehrt ist es ja oft so, dass man komischerweise für andere Menschen besonders attraktiv ist, wenn man in einer Beziehung ist. Verhalten oder bewegen wir uns anders, wenn wir einen Partner haben?

Ja, absolut. Nicht nur die Körpersprache verändert sich, sondern auch der Beobachter verändert sich. Wenn nämlich vor allem Männer erkennen, eine Frau ist schon quasi vom Markt weg, dann denkt sich der Mann manchmal: Das dürfte eine besonders attraktive Frau sein. Das hat mit der Vermutung des Genmaterials zutun. Das heißt: Je schwerer eine Frau zu erobern ist, denkt sich der Mann: Die hätte ich auch gern. Offensichtlich sehr tolle Reproduktionspartnerin.

Also ist es wirklich so, dass der Mann zum Jäger wird?

Es gibt dazu eine interessante Studie. Da wurden fingierte Zeitungsannoncen aufgegeben, dass eine Frau einen Mann sucht. Eine gewisse Anzahl an Männern haben sich drauf gemeldet. Dann hat man die Annonce ein wenig geändert, dass eine gebundene Frau einen Mann sucht und die Interessenten sind schlagartig mehr geworden. Das heißt: Wir Männer haben auch das Bedürfnis, eine Frau kennenzulernen, ohne eine Verpflichtung einzugehen. Aber Achtung, wer jetzt sofort denkt: „Diese schlimmen Männer“ – ja natürlich, auf den ersten Blick ist das schlimm, aber andererseits hat es in der Evolution immer bedeutet, wenn aus einer Beziehung ein Kind entstanden ist, dass das für beide Geschlechter ein riesiges Risiko war und eine ganz große Aufgabe.

Ist das bei Frauen umgekehrt genau so? Also nehmen Frauen Männer anders wahr, wenn sie wissen, dass der Typ vergeben ist?

Ja genau, allerdings sind Frauen untereinander anders verbunden. Männer grenzen sich zu anderen Männern ab. Frauen verbinden sich untereinander sehr stark. Warum? Die größte Bedrohung im Leben einer Frau war schon immer der Mann. Und die Frau findet nur dann Sicherheit, wenn sie sich mit anderen Frauen verbündet. Das heißt, sie versucht die Konflikte mit anderen Frauen zu vermeiden. Deswegen ist ein Ehering beim Mann für die Frau sehr oft das Signal: Den fass ich nicht an. Allerdings denkt auch sie dann: Der dürfte eine Familie gut auf die Reihe bringen, deswegen ist er besonders attraktiv für mich. Umgekehrt: Männer, die immer schon Single sind oder Beziehungen nur sehr kurz halten können – da denken Frauen: Na irgendwas muss der schon falsch machen.