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Lebensmittel mit Cannabidiol – kurz CBD – boomen. Das Zeug gibt es in Ölen, Gummibärchen oder Kaugummis. Stars wie Kim Kardashian schwören drauf. Der Wirkstoff aus Cannabis soll nämlich beruhigend wirken und Stress lindern. Experten haben aber Bedenken.

Was ist CBD und welche Produkte gibt es?

CBD ist die Abkürzung von Cannabidiol und ein Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Gewonnen wird es aus den Blüten und Blättern. Anders als THC (Tetrahydrocannabinol) hat CBD keine berauschende Wirkung, fällt also nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. In Europa darf Hanf legal als Nutzpflanze angebaut werden, wenn nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten sind. Aus diesen Pflanzen wird das CBD gewonnen. Marihuana oder Haschisch, also die THC-haltigen Drogen, können daraus nicht hergestellt werden.

Lebensmittel mit CBD boomen

A cafe on the Lower East Side in New York advertises the availability of CBD infused beverages on its menu; Foto: dpa/picture-alliance.de / Photoshot
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CBD boomt in Deutschland gerade vor allem in Form von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Am populärsten ist CBD-Öl. Zehn Milliliter davon können bis zu 80 Euro kosten. In Berlin gibt es sogar ein Cannabis-Café, das CBD-Öl in die Heißgetränke mischt. Im Handel erhältlich sind außerdem Gummibärchen oder Kaugummi. Nach Beobachtungen der Verbraucherzentralen, werden die meisten Produkte online verkauft, es gibt aber auch immer mehr Läden.

Sind CBD-Lebensmittel legal?

Da gibt es verschiedene Auffassungen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sagt, dass kein Fall bekannt sei, wonach Lebensmittel mit CBD „verkehrsfähig“ sind, also verkauft werden dürfen. Der Grund ist, dass sie als neuartige Lebensmittel (Novel Food) gelten. Vor der Zulassung muss die Sicherheit solcher Lebensmittel überprüft werden. Bislang liegen der EU-Kommission zwar Anträge vor, zugelassen sind CBD-Produkte aber noch nicht. Hersteller wiederum argumentieren mit der langen Tradition der Hanfnutzung.

Den Verkauf von Lebensmitteln zu überwachen, ist Sache der jeweiligen Bundesländer. Einige Gerichtsverhandlungen laufen, teilweise wurden auch schon Produkte vom Markt genommen. Das Verwaltungsgericht Gießen etwa verbot im November 2019 einem hessischen Hersteller den Verkauf. Bis behördliche oder gerichtliche Entscheidungen fallen, werden die Produkte aber weiter angeboten.

Kunden werden nicht belangt

Der deutsche Hanfverband sagte der Deutschen-Presseagentur, dass es sich um einen „grauen bis schwarzen Markt“ handele und schlussfolgert: „Es gibt keine vernünftige Regulierung“. Die gute Nachricht für die Kunden: Lebensmittelrechtlich können nur die Hersteller und Händler zur Rechenschaft gezogen werden. Kunden, die die Produkte kaufen, müssen sich keine Sorgen machen.

Wundermittel oder Gefahr für die Gesundheit?

CBD wird als regelrechtes Wundermittel angepriesen. Auch Stars und Influencer schwören darauf. Kim Kardashian feierte sogar eine „CBD-Babyparty“. Der Grund für den Hype: CBD soll entspannend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und angstlösend wirken.

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Noch keine ausreichenden Studien

Nach Angaben der Verbraucherzentralen gibt es Hinweise darauf, dass CBD entzündungshemmend und schmerzlindern wirkt. Diese seien aber noch nicht ausreichend durch klinische Studien belegt. Auch Fragen zu Dosierung, Sicherheit sowie Neben- und Wechselwirkungen seien noch nicht geklärt. Bekannte Nebenwirkungen können sehr unterschiedlich ausfallen. So löse CBD bei jedem Zehnten Schläfrigkeit und Benommenheit aus, bei anderen führe es hingegen zu Schlaflosigkeit und innerer Unruhe. Weitere häufige Nebenwirkungen seien Unwohlsein, Durchfall, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge.

Vorsicht bei Dosierungsangaben

Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass die angegebenen CBD-Dosierungen nicht immer den Tatsachen entsprechen – mal war weniger drin, mal mehr. Zudem wurden zu hohe THC-Gehalte gefunden, zum Beispiel vom chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe. Bei der Überprüfung von CBD-Produkten in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr wurde mehr als jede zweite Probe als „nicht sicher“ beurteilt. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass ein Drogentest beim Verzehr von hanfhaltigen Lebensmitteln positiv ausfallen kann – selbst wenn nur die legale THC-Menge enthalten ist.