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Seit diesem Jahr zahlen die Krankenkassen einen besseren Impfstoff gegen Grippe, den sogenannten 4-fach-Impfstoff. Jetzt gibt es aber in einigen Regionen Engpässe: Viele Menschen, die sich impfen lassen wollen, bekommen keine Impfung. Wir sagen euch, welche Bundesländer betroffen sind und welche Lösungen es gibt.

„Alles, was jetzt kommt, wird nicht mehr geimpft“, so der Geschäftsführer der Apothekenkammer des Saarlandes, Carsten Wohlfeil. Die Lieferanten hätten im Moment keine Möglichkeiten mehr, den Grippe-Impfstoff nachzuliefern.

Warum kommt es zu Engpässen beim Grippe-Impfstoff?

Seiner Einschätzung nach könnte es sein, dass sich mehr Menschen impfen lassen wollten, weil die gesetzlichen Kassen erstmals für den 4-fach-Impfstoff gegen Grippe bezahlen. Dafür sei auch geworben worden, diese Kampagne könnte die Impfbereitschaft gesteigert haben.

Ob das zutrifft, will Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut noch nicht bestätigen: „Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen.“

Das Bundesgesundheitsministerium nennt als Ursachen für den Mangel auch Kalkulationsfehler der Ärzte und Apotheken: Manche hätten möglicherweise zu spät die Grippe-Impfstoffe bestellt, während es gleichzeitig in manchen Arztpraxen und Apotheken zu große Vorräte gäbe.

Dieses Bundesländer sind betroffen

Die Probleme sind aber je nach Bundesländern sehr unterschiedlich, so SWR-Umweltexpertin Ulrike Till: Der Apothekerverband in Hessen meldet, alle Vorräte seien verbraucht, auch in Teilen von Nordrhein-Westfalen kommt es zu Engpässen, ebenfalls im Saarland. Im Südwesten sieht es besser aus: In Rheinland-Pfalz gibt es trotz lokaler Probleme keinen Grund zur Sorge, so der Apothekerverband in Mainz. Und in Baden-Württemberg versichert das Sozialministerium, dass kein massiver Mangel besteht.

„Jeder, muss sich gegen Grippe impfen lassen können“

Wegen der regionalen Engpässe hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Vorschriften für die Beschaffung des Impfstoffs gelockert. Die Bundesländer können nun den Apotheken und Arztpraxen erlauben, dass sie sich erstens untereinander mit Impfstoff versorgen und zweitens auch aus anderen Ländern der Europäischen Union Impfstoff beziehen dürfen. Auf die Qualität des Impfstoffs hat das keine Auswirkungen. „Klar muss sein: Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können“, sagte Spahn zum Redaktionsnetzwerk Deutschland.

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Aber was ist eigentlich dieser 4-fach-Wirkstoff und wie gefährlich sind solche Impfungen? Wir beantworten die 5 wichtigsten Fragen zu Grippeschutzimpfung:

1. Warum gibt es jetzt überhaupt den 4-fach-Wirkstoff?

Die Grippewelle im letzten Jahr war besonders krass, das bestätigen die Berichte des Robert-Koch-Instituts (RKI). Im Winter von 2017 auf 2018 wurden rund neun Millionen Arztbesuche wegen Influenza registriert, zwei Millionen mehr als in anderen starken Grippesaisons. Dies ist ein Grund, warum die Krankenkassen nun einen neuen Wirkstoff unterstützen: Sie übernehmen die Kosten für den 4-fach-Impfstoff gegen Grippe. Das hat der gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem, durchgesetzt.

Die Schutzmöglichkeiten müssen besser genutzt werden.

RKI-Präsident Lothar H. Wieler

2. Wie gut ist der neue 4-fach-Wirkstoff?

Der neue 4-fach-Impfstoff wirkt gegen mehr Virenstämme als die Impfung, die bislang standardmäßig verwendet wurde. Das macht die Impfung effektiver: Denn während der Grippewelle zirkulieren in der Regel verschiedene Virusvarianten. Die bisherige Impfung wirkte gegen drei Virenstämme, die 4-fach-Impfung gegen einen mehr. Diesen Stoff gibt es zwar schon seit einigen Jahren, er wurde aber eben nicht von den Kassen übernommen – den Vorzug haben oft Privatpatienten gehabt, denen der teurere Wirkstoff zur Verfügung gestellt wurde. Das hatte die Deutsche Stiftung für Patientenschutz kritisiert.

3. Wann bezahlen die Krankenkassen den neuen Impfstoff?

Allerdings zahlen die Krankenkassen nicht immer automatisch: Die Kassen halten sich, was die Kostenübernahme bei Risikogruppen angeht, in der Regel an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Bezahlt wird immer für Menschen über 60, für chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches Personal.

Überblick: Wer sollte sich impfen lassen?

Eine Grippe ist insbesondere auch für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder eine ernstzunehmende Gefahr. Eine rechtzeitige Impfung ist deshalb ratsam.

Dr. Holger Maul, Chefarzt Geburtshilfe & Pränatalmedizin in Hamburg

Für Patienten außerhalb dieser Risikogruppen werden die Kosten durch die Krankenkassen auf freiwilliger Basis übernommen. Bedeutet für Nicht-Risiko-Patienten, die sich dennoch impfen lassen wollen: unbedingt bei der Krankenkasse nachfragen!

4. Welche Nebenwirkungen hat der Impfstoff?

Die Impfung löst zunächst eine entzündliche Reaktion im Körper aus. Deswegen kann es – wie bei vielen Impfungen – an der Einstichstelle eine Rötung oder eine leichte Schwellung geben. Daneben seien aber schwere Nebenwirkungen nicht zu erwarten, bestätigen mehrere Experten. Das RKI ergänzt: In der Regel würden die meisten Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder abklingen.

5. Wie wirksam ist die Grippe-Impfung?

Bei einer sehr guten Übereinstimmung der zirkulierenden Influenza­Viren mit dem Impfstoff, wurde bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung bis zu 80% beobachtet. Komplett darauf verlassen sollte man sich dennoch nicht: Die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffs wird jedes Jahr auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) neu entwickelt. Das liegt daran, dass Viren sich über die Zeit verändern und andere Erreger unterwegs sind als vor ein paar Jahren. Nun ist es möglich, dass sich die Virenstämme auch nach der Entwicklung des Impfstoffs noch weiter verändern – deshalb kann man trotz Impfung immer noch eine Grippe erwischen und kann niemals von einem hundertprozentigen Schutz ausgehen.

Impfschutz hilft auch bei Erkältungen

Im Interview mit SWR3 haben die RKI-Experten jedoch betont, dass selbst bei einer ausbrechenden Grippe die Symptome weniger stark ausfallen würden, wenn man geimpft ist. Ebenso würde die Erkrankung oft schneller vorbeigehen. Einen schwächeren Krankheitsverlauf soll es auch bei normalen Erkältungen geben – eine Grippe-Impfung hilft also auch für eine stärkere Abwehr gegen weitere Herbst- und Winterkrankheiten.

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