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Küssen macht glücklich, küssen macht Spaß – wer kein chronischer Einzelgänger ist, liebkost angeblich rund 100.000-mal im Leben die Lippen eines anderen Menschen. Was passiert dabei eigentlich im Körper? Und warum ist Küssen so wichtig und gesund?

Paare, küsst mit Zunge!

Anna Schreiber, Paartherapeutin in Karlsruhe, weiß, wovon sie spricht. Paare, die bei ihr Rat suchen, fragt sie schnell: Küsst ihr euch, und wie küsst ihr euch? Denn am Küssen kann man oft erkennen, wie es um die Beziehung steht.

Vor allem Zungenküsse sind so wichtig! Weil wir damit gleichzeitig schmecken und riechen und weil wir damit sofort wichtige Informationen an die Gefühlszentren im Gehirn weiterleiten.

Paartherapeutin Anna Schreiber

Was passiert beim Küssen?

Die Hormone

Küssen stimuliert die vielen Nerven in unseren Lippen. Wenn sich dann auch noch die Zungen berühren, setzt das jede Menge Hormone frei. Das Gehirn schüttet Dopamin, Endorphine und andere Glückshormone aus.

Küsse mit Zunge aktivieren den ganzen Organismus. Das ist gesund für's Herz!

Paartherapeutin Anna Schreiber

Gleichzeitig steigt der Pegel an Sexualhormonen. Je leidenschaftlicher ein Kuss ist, desto mehr Oxytocin produziert der Körper – auf lange Sicht stabilisiert das Bindungshormon die Partnerschaft. Küssen ist auch das perfekte Mittel gegen Stress: Die Werte des Stresshormons Cortisol sinken dabei ganz von selbst.

Kann Streit krank machen?

Das Immunsystem

Rund 80 Millionen Bakterien tauschen wir bei einem längeren Zungenkuss aus – das Immunsystem schaltet deshalb erst mal in den Alarmzustand. Für die Gesundheit ist das meistens positiv: Küssen stärkt die Abwehrkräfte und soll einer japanischen Studie zufolge sogar gegen Heuschnupfen helfen. Mit Grippeviren oder Herpes ist das Immunsystem aber auch schnell überfordert – wer Pech hat, wird durchs Küssen krank.

Eine Frau und ein Mann küssen sich; Foto: imago

Angeblich berühren wir rund 100.000-mal im Leben die Lippen eines anderen Menschen.

imago

Die Gefühle

Viele Forscher sind überzeugt, dass Männer beim Küssen andere Gefühle haben als Frauen: Für Männer ist ein Kuss demnach vor allem der erste Schritt zum Sex. Daher die männliche Vorliebe für feuchte Küsse – so gelangt mehr stimulierendes Testosteron in den Mund der Partnerin. Bei Frauen dagegen könnte Küssen als unbewusster Partnercheck dienen. An Speichel und Geruch des Mannes kann eine Frau erkennen, ob er biologisch zu ihr passt und theoretisch als Vater taugt. Falls nicht, fühlt sie sich abgestoßen, der erste Kuss ist dann auch der letzte.

Wir schmecken und riechen gleichzeitig und stellen sofort fest, ob das passt: genetisch und auch emotional. Es gibt Küsse, da merken wir, es passt einfach nicht. Und dann wird auch die Beziehung nichts, und der Sex ist auch nicht gut.

Paartherapeutin Anna Schreiber

Die 3 Kuss-No-Gos

  • Ein Schlabberkuss à la Breitmaulfrosch mit zu viel Spucke geht gar nicht.
  • Wenn man seine Zunge zu tief in den Mund des anderen steckt (bis zum Gaumen!), outet man sich als unsensibler Tollpatsch.
  • Unangenehme Gerüche wie Knoblauch, Alkohol und Rauch sind der absolute Abtörn

Gibt es den perfekten Kuss?

Nein, sagt Anna Schreiber ganz klar. Es gibt nicht die eine Art zu küssen, die allen gefällt. Ihr Tipp aber: „So wie wir mit der Sprache und mit dem Körper vorsichtig umgehen, sollten wir auch mit dem Mund vorsichtig miteinander in Kontakt treten und darauf reagieren, was der andere mit seinen Lippen und seiner Zunge macht. Wie ein Wechselspiel: Was macht die andere Person? Was mache ich? Wie können wir uns aufeinander einstimmen – wie wenn wir miteinander tanzen würden.“ Ob es gelingt, erfahren wir erst beim Tun.

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