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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Wir werfen immer noch viel zu viele Lebensmittel weg. Am 2. Mai sollte darauf aufmerksam gemacht werden, mit dem Tag der Lebensmittelverschwendung. Aber wie können wir Abfälle vermeiden, wo liegen die größten Probleme und was machen andere Länder gegen das Wegwerfen?

Das steckt hinter dem Tag der Lebensmittelverschwendung

2016 wurde dieser Tag symbolisch von der Umweltorganisation WWF zum Tag der Lebensmittelverschwendung erklärt. Er fiel in diesem Jahr auf den 2. Mai. Das hat einen Grund: Statistisch gesehen landen alle Lebensmittel, die von Januar bis Mai produziert wurden, auf dem Müll. Mit Aktionen und Veranstaltungen wird an dem Tag auf die sinnlose Verschwendung von genießbaren Lebensmitteln hingewiesen.

So viele Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen

Die Zahlen:

  • Insgesamt werfen wir in Deutschland jährlich knapp 11 Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall weg.
  • Die meisten Lebensmittelabfälle gibt es in Privathaushalten: 61 Prozent.
  • 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel werden bundesweit jedes Jahr in Privathaushalten weggeworfen.
  • Im Schnitt wirft jeder Deutsche pro Jahr 81,6 Kilogramm Essen weg.
  • Zwei Drittel der Lebensmittelabfälle wären völlig oder zumindest teilweise vermeidbar.
  • Jeweils 17 Prozent der Lebensmittel landen bei Großverbrauchern wie Gaststätten, Kantinen oder der Industrie im Müll.

Diese Daten hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft anlässlich einer großen Studie zur Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland herausgegeben.

Die Umweltorganisation WWF hat bei einer Erhebung von 2018 eine höhere Lebensmittelabfall-Summe festgestellt. Hier ist die Rede von über 18 Millionen Tonnen Essensmüll jährlich in Deutschland. Aufgeschlüsselt wurden auch die Abfälle nach Bundesländern. Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen werden als Pioniere bezeichnet, die das Problem frühzeitig und umfassend angegangen seien.

Besonderes viele Lebensmittel werden laut einer aktuellen Forsa-Umfrage von Jugendlichen weggeworfen. Jugendliche, das sind die 14- bis 19-jährigen in Deutschland. 14 Prozent von ihnen gaben demnach an, „mehrmals in der Woche“ Essbares wie Obst und Gemüse oder Milch- und Fleischprodukte zu entsorgen, rund jeder dritte Jugendliche tut das laut Umfrage „einmal in der Woche“.

Und auch die Befragten, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, lassen öfter was aus dem Kühlschrank in den Müll wandern als die nächsten Altersgruppen: 11 Prozent mehrmals wöchentlich und 23 Prozent einmal pro Woche. Und das, obwohl die Bundesregierung erreichen will, dass sich die Lebensmittelabfälle von Einzelhandel und Verbrauchern in den kommenden zehn Jahren halbieren.

Diese Initiativen gibt es gegen Lebensmittelverschwendung

1. Bäcker gegen Brötchen-Müll

Es gibt viele kleine und große Initiativen, die dem Müll den Kampf angesagt haben. Dazu gehört ein Bäckermeister aus Edenkoben: Bäcker Claus versucht, die Brötchen und Torten vom Vortag weiterzuverarbeiten oder an Tafeln weiterzugeben.

Die ganzen Lebensmittel, die weggeworfen werden, ärgern mich doch sehr. Da appelliere ich an den Verbraucher, vielleicht ab und zu ein bisschen weniger, aber dafür das Hochwertige einzukaufen. Und ein wenig bedachter und dadurch das Wegwerfen der Produkte zu vermeiden.

Bäcker Claus Becker

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2. Weniger große Portionen in der Kita

In Nordrhein-Westfalen versuchen Kitas, Schulen und Kindergärten, in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale, die Lebensmittelabfälle zu verringern. Auf dem Teller landen kleinere Essens-Portionen, Nachschlag gibt es erst, wenn alles aufgegessen ist – so einfach funktioniert das Projekt. Die Verbraucherzentrale NRW hat dazu Strategien entwickelt, die den Einrichtungen als Leitfaden an die Hand gegeben werden. Daran wird schon länger gefeilt: Getestet wurden sie seit Dezember 2018 bereits in einer Jugendherberge. Damit seien die Reste auf den Tellern etwa um die Hälfte verringert worden, teilten die Beteiligten im März bei einer Bilanz mit. Bis 2021 sollen zunächst 150 Schulen und Kitas sowie 13 Jugendherbergen beraten werden.

3. Aufklärung zum Mindesthaltbarkeitsdatum

Viele Experten sehen die Aufklärung über das Mindesthaltbarkeitsdatum als Möglichkeit, Menschen dazu zu bringen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Denn viele Lebensmittel landen wegen des abgelaufenen Datums im Müll, sind aber eigentlich noch genießbar. Denn die Hersteller drucken ein Datum auf, bis zu dem sie den optimalen Geschmack des Produkts gewährleisten. Darüber hinaus sind die Produkte aber oft noch problemlos genießbar, teilweise sogar Monate länger. Und: Natürlich verfallen Lebensmittel nicht von einem Tag auf den anderen sofort, nur weil das aufgedruckte Datum nun erreicht ist.

Dennoch bleibt bei vielen Verbrauchern die Angst vor verdorbenen Lebensmitteln. So starteten Tafeln und Verbraucherzentrale Anfang des Jahres eine Aktion, in der es darum ging, selbiges Datum genau zu erklären.

Wir wollen die Menschen ermutigen, wieder auf ihre Sinne zu vertrauen, zu riechen, zu schmecken, einfach zu probieren, ob etwas noch gut ist oder nicht. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verbrauchsdatum. Lebensmittel können noch Tage, Wochen oder sogar Monate nach dessen Ablauf haltbar sein.

Vorsitzender von Tafel Deutschland, Jochen Brühl

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Das kannst du gegen Lebensmittelverschwendung tun

1. Gemüse züchten statt wegwerfen

Besonders dankbar sind Gemüsereste. Die könnt ihr ganz leicht nutzen, um neues Gemüse zu züchten – das spart einerseits Müll, andererseits ist es natürlich auch eine preisgünstige Möglichkeit, neues Gemüse zu kriegen. Und es macht sogar Spaß, den Fortschritt der selbstgezüchteten Pflänzchen zu beobachten. SWR3-Moderatorin Sabrina Kemmer hat es ausprobiert.

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2. Kaufen, was man essen kann

Es klingt banal, ist aber insbesondere für Menschen, die auf dem Land leben, gar nicht so einfach: Während Städter einfach jeden Tag kurz was einkaufen gehen können und das dann gleich verbrauchen, muss man auf dem Land oft besser planen. Da fährt man in die Stadt, kauft für mehrere Tage ein und hat am Ende dann doch noch irgendwas über, das nicht verbraucht wird.

Unser Tipp: Überlege dir am besten so genau wie möglich, was du eigentlich kochen willst und für wie viele Personen es reichen soll. Das kann helfen, nicht zu viel unnötige Sachen einzukaufen, die dann im Müll landen, weil sie doch nicht gebraucht wurden.

Was auch helfen kann: Regelmäßig überprüfen, was im Kühlschrank noch rumschwirrt und im Zweifel lieber einfrieren statt drauf zu warten, ob sich doch noch eine Möglichkeit ergibt, das Essen zu verwerten, bevor es verdirbt.

3. Essen verschenken per Foodsharing

Warum nicht einfach mal Essen verschenken, wenn man sowieso schon weiß, dass man die Lebensmittel nicht verbrauchen kann? Die Nachbarn freuen sich vielleicht. Es gibt aber auch Internetplattformen, auf denen man ganz professionell Essen zum Verschenken einstellen kann, beispielsweise bei foodsharing. Hier kann jeder Lebensmittel zum Abholen einstellen, also: „Ich habe Kartoffeln übrig und fahre morgen in Urlaub, die könnte heute jemand abholen, der sie braucht.“

Umgekehrt kann jeder natürlich auch vor seinem eigenen Einkauf mal gucken, ob Lebensmittel in der Umgebung angeboten werden, die man ohnehin kaufen wollte – und sammelt sie auf dem Weg ein. Klar, das geht in Städten besser als auf dem Land. Und wie gut so eine Essenstauschbörse funktioniert, hängt von der Menge der Leute ab, die mitmachen wollen.

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4. Abgelaufene Lebensmittel kaufen

Viele Supermärkte bieten Lebensmittel an, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist. Die findet man oft in einer eigenen Ecke im Kühlregal oder vor der Kasse. Die Preise sind reduziert, das Angebot natürlich tagesabhängig. Schnäppchen einerseits, Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahrt andererseits.

Mehrere Online-Shops verkaufen ebenfalls mittlerweile abgelaufene Lebensmittel. Leckerposten zum Beispiel, FoodOutlet24 oder SirPlus. Da gibt es mittlerweile ein großes Angebot, oft sind die Lebensmittel auch günstig. Es gibt aber eben nicht das Rundum-sorglos-Paket, wie im Supermarkt, sondern teilweise eher spezielle Lebensmittel. Und: Natürlich ist Online-Shopping aus anderen Gründen nicht immer die erste Wahl. Die CO2-Bilanz vom Pakethandel ist für konsequente Umweltfreunde ein No-Go.

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So kannst du im Alltag auf Plastik verzichten

Das machen andere Länder, um weniger Lebensmittel zu verschwenden

In Deutschland wird noch nach Lösungen gesucht, da ist es bislang noch am Verbraucher, darauf zu achten, wie viele Lebensmittel in den Müll kommen. Tatsächlich landen aber viele Lebensmittelabfälle auch bei der Industrie im Müll oder im Supermarkt, weil sie nicht verkauft werden konnten. Zu Beginn der Fastenzeit hatten die Deutsche Umwelthilfe und Foodsharing zusammengetragen, dass der Handel in Deutschland 90 Prozent der unverkauften Ware wegwerfe. Dies entspreche mindestens 11,5 Millionen Mahlzeiten pro Tag, so die Berechnungen der Initiativen. Sie forderten mit einer Petition eine Strategie von der Bundesregierung, dem zu begegnen.

In anderen Ländern ist man da teilweise schon weiter als bei uns und hat sich entschieden, Gesetze und Regeln zu finden, damit weniger Essen seitens der Supermärkte im Müll landet. In Tschechien beispielsweise müssen Supermärkte Lebensmittel verschenken, die nicht verkauft wurden.

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