Hundertausende Weltkriegsbomben liegen noch in Deutschland in der Erde. Immer wieder werden sie zufällig gefunden. Wir erklären alle Fakten zu Bombenentschärfungen.

Wie kommt eigentlich raus, dass eine Bombe in der Erde liegt?

Meistens passiert das per Zufall bei Bauarbeiten. Denn präventiv wird in Deutschland selten nach Bomben gesucht. Das ist teuer und aufwendig. Also liegen viele Blindgänger weiter unter Autobahnen in Flüssen, manche 30 cm tief, andere mehrere Meter tief in der Erde. Jedes Jahr werden mehr als 5.000 Bomben in Deutschland entschärft. Bis alle Bomben gefunden und vernichtet sind, werden aber wahrscheinlich noch Jahrzehnte vergehen. Denn wie viele es insgesamt noch gibt, das weiß keiner. Schätzungen gehen von Hunderttausenden aus.

Kann ich selbst rausfinden, ob in meinem Garten oder auf dem Grundstück, das ich gekauft habe, eine Bombe liegen könnte?

Das geht. Ist allerdings nicht billig und kommt auf das jeweilige Bundesland an. In Baden-Württemberg kann ich Luftbilder vom entsprechenden Grundstück auswerten lassen. Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung haben mehr als 100.000 Bilder aus den USA und Großbritannien, die Alliierte vor und nach den Angriffen gemacht haben. Darauf kann man z.B. stark umkämpfte Gebiete und teilweise auch Einschlagstellen von Bombenblindgängern erkennen. Das Problem: Im Moment gibt es rund 30 Wochen Wartezeit. Wer nicht so lange warten kann, kann sich an eine externe Firma wenden. Das gilt auch für Rheinland-Pfalz. Die Firma erstellt ein Gutachten, in dem sie unter anderem Bücher und Bilder auswerten. Das dauert rund 4 Wochen und kostet ca. 1.500 €.

Was passiert wenn eine Bombe gefunden wird?

In diesem Fall übernimmt das Land die Kosten für Entschärfung, Abtransport und Vernichtung. Das Ausgraben und Absperren der Baustelle müssen Grundstückseigentümer teilweise aber trotzdem selbst bezahlen.

Wer entschärft die Blindgänger?

Der Kampfmittelräumdienst bzw. der Kampfmittelräumer. Das ist kein Ausbildungsberuf. Das sind alles Quereinsteiger, viele sind gelernte Feuerwerker, es gibt Maschinenbauer oder Lackierer. Ein Kampfmittelräumer sollte ungefähr 200 verschiedene Alliierten-Bomben mit 120 unterschiedlichen Zündern in- und auswendig kennen. Im Kampfmittelbeseitigungsdienst in Baden-Württemberg arbeiten im Moment 23 Mitarbeiter, in Rheinland-Pfalz sind es 16. Die Entschärfung der großen Bomben ist der spektakuläre Teil ihres Jobs. Die Masse ist Kleinkram. Denn auch Patronen, Munition, Handgranaten und Minen aus dem Zweiten Weltkrieg liegen noch überall.

Wie gefährlich ist der Beruf Kampfmittelräumer?

Seit 2000 sind in Deutschland elf Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes bei dem Versuch, eine Bombe zu entschärfen gestorben. Es gibt zwar inzwischen immer mehr technische Hilfen, z. B. sogenannte mobile Hochdruckwasserschneidegeräte. Die fräsen mit Wasserdruck den Zünder aus der Bombe raus. Aber die Geräte müssen erst mal an der Bombe angebracht und dann richtig eingestellt werden. Kampfmittelräumer verdienen im Monat übrigens zwischen 3.700 und 6.700 € inklusive Gefahrenzulage. Eine Lebensversicherung können sie nicht abschließen. Sie werden schlichtweg nicht versichert.