Autor
Daniel Isengard
Daniel Isengard, SWR3; Foto: SWR3
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Fluggäste kommen schon gestresst in den Flieger und das bekommt das Kabinenpersonal täglich zu spüren. Viel von der Welt sehen, aber auch krank werden vom Job. Ein Flugbegleiter erzählt SWR3, wie anstrengend sein Alltag ist.

Das Kabinenpersonal leidet unter Stress

Thomas (Name von der Redaktion geändert) arbeitet seit mehreren Jahren als Flugbegleiter, ist weltweit unterwegs. Am meisten ärgert ihn an seinem Job, dass sein Berufsstand in den letzten Jahren sehr gelitten hat – bei der Bevölkerung und den Airlines. Durch die Globalisierung sei ein wahnsinniger Kostendruck entstanden. Die Airlines versuchten betrieblichen Einfluss zu verhindern, beispielsweise durch Gewerkschaften oder Betriebsräte.

Wir sind der Repräsentant der Airline und da sollte uns mehr Wertschätzung entgegen gebracht werden!

Thomas, Flugbegleiter

Auch im Umgang mit den Passagieren spürt Thomas einen Unterschied: Die Reisenden seien gestresster als früher, weil Vieles inzwischen automatisierter sei und es kaum noch Ansprechpartner an den Flughäfen gebe. Dazu komme das gestiegene Reiseaufkommen, das die Passagiere ebenfalls stresst. Diese Laune komme ungefiltert in der Flugzeugkabine an und das bekämen die Flugbegleiter eben mit.

Das Kabinenpersonal von Billigairlines sei außerdem dazu angehalten, während des Fluges den Verkauf anzukurbeln. Durch günstige Ticketpreise sollen sie wohl möglichst viel an die Passagiere verkaufen. Thomas und seine Kollegen halten das auch unter Sicherheitsaspekten für bedenklich.

Zwischen Überlastung und Leidenschaft

Wenn Thomas einen Tag lang Chef sein könnte, würde er seinen Mitarbeitern mehr Vertrauen und Wertschätzung entgegen bringen, wie er sagt. Daran kranke es in der Branche – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Krankheitsquote sei bei vielen Airlines enorm hoch, weil die Flugbegleiter gestresst seien und nicht wertgeschätzt würden. Es habe auch schon Fälle gegeben, in denen wegen vieler kranker Mitarbeiter der Flugbetrieb komplett zusammengeklappt sei, so Thomas.

Dennoch bereut er keinen Tag seines Berufslebens. Er rät jedem, der Menschen mag und die Welt sehen will, den Job des Flugbegleiters zu ergreifen. Allerdings sei dieser Beruf in den vergangen Jahren deutlich härter geworden und bringt Probleme mit sich: Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO hat am Sonntag auch wieder dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Flugausfälle bei Lufthansa-Airlines wegen Warnstreiks

An mehreren deutschen Flughäfen mussten am Sonntag Verbindungen der Lufthansa-Gesellschaften gestrichen werden. Die Gewerkschaft Ufo hatte bis Mitternacht zu einem Streik der Flugbegleiter aufgerufen.

Worum geht es bei dem Konflikt?

Die Gewerkschaft fordert 1,8 Prozent mehr Gehalt. Die Führung von Lufthansa würde das wohl auch „schnellstmöglich umsetzen“, das hat die Fluggesellschaft ihren Mitarbeitern mitgeteilt. Allerdings wolle man das nur mit einer tariffähigen Gewerkschaft durchführen. Bei UFO gibt es zurzeit interne Probleme. Es geht also nicht mehr wirklich um Geld.