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Die Umweltaktivistin Greta Thunberg hat das Asperger-Syndrom, eine besondere Form von Autismus. Menschen mit diesem Syndrom leben in ihrer ganz eigenen Welt: Sie haben Schwierigkeiten im sozialen Umgang – vor allem deshalb, weil sie Mühe haben, die Gefühle anderer richtig zu deuten.

Blind für die Gefühle anderer

Menschen mit Asperger erkennen nicht auf Anhieb, ob jemand traurig, fröhlich oder wütend ist. Und auch ihre eigenen Stimmungen können sie oft nicht gut ausdrücken. Diese „Gefühlsblindheit“ führt im Job und auch mit Freunden häufig zu Missverständnissen. Körperliche Nähe empfinden sie als unangenehm, auch Blickkontakt stresst Menschen mit Asperger. Prominente Beispiele mit diagnostiziertem Asperger-Syndrom sind zum Beispiel „Britain's-Got-Talent“-Gewinnerin Susan Boyle, der hawaiianische Profi-Surfer Clay Marzo und Hollywood-Schauspielerin Daryl Hannah. Es wird vermutet, dass auch Albert Einstein und Michael Jackson Asperger Autisten gewesen sind.

Mehr Männer als Frauen mit Asperger?

Das Asperger-Syndrom ist eine eher milde Variante unter den vielen Spielarten von Autismus. Laut dem Bundesverband Autismus Deutschland tritt Asperger bei etwa einem bis drei von 1000 Menschen auf. Männer scheinen häufiger betroffen als Frauen. Ein Grund könnten schützende weibliche Hormone sein. Manche Forscher vermuten aber, dass Frauen nur seltener diagnostiziert werden – bei ihnen sind die Asperger-Symptome oft weniger auffällig.

Kein Reizfilter im Gehirn

Die genaue Ursache für Asperger ist unklar, auf jeden Fall aber spielen die Gene eine wichtige Rolle. Schon in der frühen Kindheit entwickelt sich das Gehirn bei Betroffenen etwas anders als üblich. Deshalb können sie äußere Reize nicht einfach ausblenden und leiden viel mehr als andere unter Lärm und Unruhe. Forscher vermuten dahinter eine fehlerhafte Verarbeitung von Sinneseindrücken – weil die Nervenzellen untereinander nicht richtig kommunizieren.

In manchen Jobs ist Asperger ein Pluspunkt

SAP stellt Menschen mit Autismus ein; Foto: dpa/picture-alliance.de / Christine Cornelius

Ein Bewerber mit Autismus baut beim Softwarehersteller SAP in Walldorf (Baden-Württemberg) an einem Lego-Roboter. Bis zum Jahr 2020 sollen weltweit 1 Prozent der SAP-Mitarbeiter Menschen mit Autismus sein.

dpa/picture-alliance.de / Christine Cornelius

Das Asperger-Syndrom bedeutet aber nicht nur eine Einschränkung, manche Betroffene sehen darin auch eine Stärke: sie können sich oft besonders lange auch auf vermeintlich langweilige Aufgaben konzentrieren; ihnen entgeht kein Detail. Das schätzen inzwischen auch einige Arbeitgeber: die Software-Firma SAP etwa rekrutiert in manchen Abteilungen gezielt Menschen mit verschiedenen Formen von Autismus. Sie entdecken zum Beispiel im Qualitätsmanagement besonders gut mögliche Fehlerquellen. Wenn ihnen die Arbeit Spaß macht und sie keiner stört, sind sie hochmotiviert und kaum abzulenken.

Weitere Infos: Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus

Autor
Ulrike Till